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Am Quai zwischen Luzernerhof und Verkehrshaus gilt ein Fahrverbot für Velos. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Gehört der Luzerner Quai auch den Velofahrern?

Ende September reichten Grüne und SP der Stadt Luzern ein Postulat ein und forderten, das Fahrverbot für Velos am Quai zu lockern. Ihre Idee: eine gemischte Zone zwischen Luzernerhof und Verkehrshaus mit Vortritt für die Fussgänger (zentralplus berichtete).

Darauf antwortet der Fachverband Fussverkehr Region Luzern mit Unverständnis und einer Petition: «Der Quai zu 100 Prozent den Zu-Fuss-Gehenden! Für die Beibehaltung des Fahrverbotes auf den Quai-Anlagen.» Die Fussgängerlobby fordert vom Stadtrat, das Postulat zur Öffnung des Quais für Velos abzulehnen oder nicht darauf einzutreten (zentralplus berichtete).

Der Fussgänger-Verband will nichts von Velos am Quai und einer Durchmischung wissen: «Die Fussgänger haben das Trottoir und die Radfahrer den Radstreifen. Und der Quai ist ein Trottoir, das in der Touristenstadt exklusiv Touristen und einheimischen Fussgängern zur Verfügung stehen soll», sagte Kurt Aeschlimann, Präsident von Fussverkehr Region Luzern.

Die Befürworter einer Lockerung des Fahrverbots argumentieren damit, dass gemischte Zonen am See- oder Flussufer in anderen Städten ebenfalls funktionieren würden – etwa in Zürich, Lausanne und Basel, aber auch in Thun, wie zentralplus kürzlich berichtete.

Auch auf der zentralplus-Redaktion sorgt das Thema für unterschiedliche Meinungen.

Der Quai ist nicht unantastbar

Zuerst mal dies: Es wird so oder so Velo gefahren am Quai. Bis jetzt halt illegal, in Zukunft hoffentlich erlaubterweise. Und bevor jetzt schon wieder ein Aufschrei über Rüpel-Radler losgeht, lassen Sie mich bitte zu Ende schreiben.

Dass seit je Velo gefahren wird am Luzerner Quai, hat nicht mit der ungehemmten Lust der Velofahrer zu tun, das Gesetz zu brechen. Nein, es fahren dort meistens jene, die es nicht besser wissen: Kinder, Touristen, Auswärtige. Und wieso tun sie es? Weil es das Natürlichste der Welt wäre, dass man dort Velo fährt. Es hat Platz, es ist schön und die dicht befahrende Strasse daneben ist schlicht zu gefährlich für ungeübte Velofahrer.

Man kann zu einem x-beliebigen Zeitpunkt die Haldenstrasse an den grossen Hotelanlagen entlangradeln. Klar hat es dort einen gutgemeinten Radstreifen, aber ich lege meine Hand ins Feuer: Er ist zuparkiert von irgendeinem Gefährt. Ausweichen ist gar nicht so leicht, weil gleichzeitig von hinten die Boliden hervorschiessen.

Es ist symptomatisch, dass man in vielen Kreisen anscheinend nicht fähig ist, über gewisse Themen zu diskutieren. SP und Grüne bringen mit ihrem Vorstoss ein altes Thema aufs Tapet, die Diskussion wäre eröffnet. Eine Diskussion darüber, wie genau das Velo am Quai Platz haben könnte, denn das müsste man sicher noch im Detail anschauen: ob als fixer Velostreifen oder besser im Mischverkehr mit Fussgängern. Aber eine Diskussionsgrundlage ohne Diskussion ist leider nicht viel wert.

Die Fussgängerlobby hat am gleichen Tag, an dem der Vorschlag publik wurde, die rote Linie markiert: keine Velos am Quai. Keine Diskussion! Und will das Postulat der Velolobby mit einer Petition im Keim ersticken.

Leider irren sich die Damen und Herren vom Fussgängerverein: Die schwachen Fussgänger müssen nicht vor den Velofahrern geschützt werden. Wenn man die Zeichen der Zeit erkennt, geht es darum, dass der Langsamverkehr gemeinsam seine Interessen vertritt. Das heisst also, Fussgänger, Velofahrer – und von mir aus auch Trottinettler und Rollschuhfahrerinnen – müssen sich für ihre Rechte und genügend Platz in der Stadt stark machen. Denn noch immer ist die Verkehrspolitik eine Bevorzugung von Autos, Töffs und Cars. Es ist nicht nur ein Zeichen der Zeit, dass Velo, Fussverkehr und ÖV mehr Platz auf Kosten der Autos erhalten, es wurde auch an der Urne mehrmals so bestätigt. Also, liebe Fussgängerlobby, der Quai ist nicht unantastbar und es hat Platz für viele.

Natürlich wird es jene Velofahrer geben, die sich nicht zu benehmen wissen. Diesen Typus Störenfried gibt es auch unter Fussgängern, und man muss ihn in die Schranken weisen. Wer zudem sportlich und bevorzugt schnell auf dem Velo unterwegs ist, wird aus Eigeninteresse weiterhin lieber die Strasse benutzen. Aber es gibt gute Gründe, für all jene Velofahrer, die rollend durch die Stadt flanieren, den Quai zu öffnen.

Besser auf die wahren Probleme konzentrieren

Als einer, der tagtäglich in der Stadt mit dem Velo unterwegs ist, fände ich die Aufhebung des Veloverbots am Quai natürlich wunderbar. Es wäre vermutlich sogar die schönste Velostrecke in der Stadt Luzern. Der erlaubte Weg entlang der chronisch verstopften Haldenstrasse bis zum Verkehrshaus ist ja für uns Velofahrer nun wahrlich kein Zuckerschlecken. Und trotzdem bin ich eher dagegen. 

Ich bin eher dagegen, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass diese Debatte ausser viel böses Blut nichts bringen wird. Denn die Fussgängerlobby ist zu stark, und ihre Gründe gegen Velofahrer am Quai sind (zumindest teilweise) nicht nur hysterische Panikmache. Gerade ältere Leute fühlen sich sehr schnell unsicher, wenn ihnen beim Spaziergang Velofahrer um die Ohren sausen. In der Stadt Luzern ist schon jeder dritte Stimmberechtigte 60 Jahre alt oder älter – Tendenz steigend. Auch Touristen oder junge Eltern mit Kindern schätzen es, wenn sie so sorglos wie eben möglich am Quai flanieren können. Zudem ist es schlicht eine Illusion, dass sich alle Velofahrer an die Regeln halten und nur im Schritttempo fahren würden.

Ich fände es deshalb gescheiter, wenn die Velofreunde ihre Kräfte auf die wesentlichen Probleme in der Stadt konzentrieren würden. Sind Sie schon mal mit dem Fahrrad vom Kasernenplatz via Pilatusplatz zum Bahnhof gefahren? Oder vom Pilatusplatz entlang der Obergrundstrasse Richtung Kriens? Oder auf der äusseren Spur von der Hofkirche Richtung Schwanenplatz? Oder vom Schlossberg runter Richtung Löwencenter?

Das sind für mich nur ein paar der wahren städtischen Problemzonen. Strecken wie diese müssten zwingend velofreundlicher gestaltet werden. Auf diese Weise könnte man das Velofahren in der Stadt viel effizienter fördern als mit einer aussichtslosen Debatte über das Veloverbot am Quai.

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