Sacha Wigdorovits sorgt für Zündstoff

Trödelt Stadt Luzern beim Heimfall von Alpstaegs Stadion?

Bernhard Alpstaeg hat gemäss eigenen Aussagen seine Meinung zum Frauenfussball revidiert. (Bild: Sven Thomann/Blick/freshfocus)

Die GLP befürchtet, dass die Streitereien rund um Bernhard Alpstaegs Swissporarena die Fussballspiele der Frauen-EM 2025 in Luzern gefährden könnten. Derweil scheint die Stadt Luzern beim Heimfall zu trödeln.

Die Schweizer Frauennati werde an der EM 2025 nicht in Luzern spielen, verriet Turnierdirektorin Doris Keller kürzlich gegenüber zentralplus. Immerhin sollen aber drei Gruppenspiele ohne Schweizer Beteiligung in der Swissporarena stattfinden (zentralplus berichtete).

Doch aus einem soeben eingereichten dringlichen Vorstoss der Luzerner Grossstadträte Daniel Lütolf und Stefan Sägesser geht hervor, dass die GLP den Austragungsort Luzern gar gänzlich in Gefahr wähnt. Wegen des Heimfalls des Stadions, den die Stadt Luzern Ende September 2023 auslöste (zentralplus berichtete), und wegen Streitereien betreffend die Besetzung des Verwaltungsrats der Stadion Luzern AG. Diese gehört mehrheitlich Bernhard Alpstaeg (zentralplus berichtete).

Grünliberale sorgen sich um falsche AG

In Anbetracht dessen, dass Alpstaeg sein Stadion bereits in der Vergangenheit als Druckmittel zur Durchsetzung seiner Interessen zu benutzen versuchte (zentralplus berichtete), sind die Sorgen um den Austragungsort Luzern durchaus nachvollziehbar.

Die Swissporarena soll 2025 Austragungsort für drei Spiele der Frauen-EM sein. (Bild: Valeriano Di Domenico/Freshfocus)

Doch den Grünliberalen könnte ein entscheidendes Detail entgangen sein: Für den nationalen und internationalen Spielbetrieb in der Swissporarena ist nicht etwa die Stadion Luzern AG zuständig. Sondern die Swissporarena Events AG, die mehrheitlich dem FC Luzern gehört. Der Mietvertrag laufe noch bis 2029, heisst es auf Anfrage beim FCL.

Bernhard Alpstaeg bestätigt gegenüber zentralplus: «Das letzte Wort hat die Swissporarena Events AG. Denn diese ist als Mieterin des Stadions für dessen Nutzung verantwortlich.»

Alpstaegs neue Freude am Frauenfussball

Der 78-jährige Mehrheitsaktionär der Stadion Luzern AG beteuert: «Ich würde mich freuen, wenn die Frauen-EM 2025 auch in der Swissporarena ausgetragen würde.»

Doch wie passt das zu den Behauptungen von FCL-Insidern, wonach Alpstaeg sich in der Vergangenheit despektierlich über den Frauenfussball geäussert haben soll? «Früher war ich bezüglich Frauenfussball tatsächlich skeptisch», gibt Alpstaeg zu, «aber ich habe meine Meinung geändert.»

FCL weiterhin ohne Mitspracherecht

Nimmt die GLP dem selbst ernannten FCL-Patron seinen Gesinnungswechsel ab und das komplizierte AG-Konstrukt rund um den FCL und die Swissporarena zur Kenntnis, dürfte sich die Sorge um die Gruppenspiele der Frauen-EM 2025 in Luzern erübrigen. Die Streitigkeiten rund um die Stadion Luzern AG bleiben aber bestehen.

So sagt Ursula Engelberger-Koller, FCL-Verwaltungsrätin und Juristin, gegenüber zentralplus, dass der FC Luzern noch immer ohne Sitz im Verwaltungsrat der Stadion Luzern AG sei. Dies verletze einerseits den Baurechtsvertrag. Anderseits wolle der FCL bei grundsätzlichen Entscheiden die Swissporarena betreffend sein Mitspracherecht wiedererlangen.

Ursula Engelberger-Koller an der Heimfall-Medienkonferenz des FC Luzern Ende September. (Bild: jdi)

Dieser Wunsch dürfte dem FCL vorerst verwehrt bleiben, wie Aussagen von Sacha Wigdorovits, Bernhard Alpstaegs Pressesprecher, vermuten lassen. Alpstaeg sei weiterhin der einzige Verwaltungsrat der Stadion Luzern AG. Ein städtischer Vertreter sei noch nicht bestimmt worden. Und der vom FCL nominierte Stefan Wolf, Präsident des Vereins, sei unwählbar.

Zum Verwaltungsratssitz via Bezirksgericht?

Wigdorovits bleibt bei der Begründung, die er nach der GV der Stadion Luzern AG Anfang Dezember öffentlich machte. Stefan Wolf habe sich für den Heimfall der Swissporarena an die Stadt Luzern ausgesprochen. Da die Swissporarena das einzige Aktivum der Stadion Luzern AG sei, würde diese bei einem Heimfall massiv geschädigt. Wigdorovits’ Verdikt lautet daher: «Ein Verwaltungsrat, der nicht die Interessen der eigenen Firma wahrnimmt, kommt nicht infrage.»

Anders sieht dies Ursula Engelberger-Koller: «Vor der GV hatte das Bezirksgericht Luzern entschieden, dass Stefan Wolf als Vertreter des FC Luzern in den Verwaltungsrat der Stadion Luzern AG gewählt werden muss.» Weil Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg dies verhindert gehabt hätte, habe der FC Luzern die Beschlüsse der GV – so auch die Nichtwahl Wolfs – am Bezirksgericht angefochten. Ein Entscheid ist gemäss Engelberger-Koller noch ausstehend.

Sacha Wigdorovits: «Wir sehen kein Risiko eines Heimfalls»

Geradezu entspannt gibt man sich im Lager Alpstaegs, auf den Heimfall der Swissporarena angesprochen. Sacha Wigdorovits erklärt, bevor er mit Aussagen über die Stadt Luzern für Zündstoff sorgt: «Wir sehen kein Risiko eines Heimfalls.»

Anders als der FCL und die Stadt Luzern (zentralplus berichtete) ist sich Wigdorovits sicher, dass beim Verkauf der Stadionaktien an Bernhard Alpstaeg alles ordnungsgemäss abgelaufen ist – womit die Grundlage für den Heimfall der Swissporarena entfiele. Zudem könne er sich nicht vorstellen, dass die Stadt Luzern plötzlich Millionen in den Kauf des Stadions investieren werde. Denn sie wollte jahrelang explizit nicht Eigentümerin sein. Die Argumentation ist bekannt (zentralplus berichtete).

Stadt Luzern scheint es nicht pressant zu haben

Doch was Wigdorovits dann sagt, lässt aufhorchen. Der Baurechtsvertrag zwischen der Stadt Luzern und der Stadion Luzern AG sehe bei einem Heimfall erst die Einigung mittels Dialog vor. Würden diese Bestrebungen erfolglos bleiben, würde die Einsetzung einer Vermittlerin und letztlich eines Schiedsrichters folgen.

Sacha Wigdorovits sorgt mit seinen Aussagen zum Heimfall-Verfahren für Zündstoff. (Bild: zvg)

Doch statt einen Dialog zu etablieren, blieb die Stadtverwaltung offenbar vier Monate lang untätig. Gegenüber zentralplus meint Wigdorovits verwundert: «Die Stadt Luzern wollte uns Gesprächstermine vorschlagen. Dies ist bisher nicht geschehen.»

zentralplus hat darum Stadtpräsident Beat Züsli gefragt, ob es für dieses Trödeln – sollten die Vorwürfe Wigdorovits’ denn der Wahrheit entsprechen – eine plausible Erklärung gebe. «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt leider keinen Spielraum für eine Beantwortung Ihrer Fragen», lautet die Antwort der Stadtluzerner Kommunikationsabteilung nach Absprache mit Züsli. Denn der Heimfall der Swissporarena ist Inhalt des eingangs erwähnten GLP-Vorstosses. Und bis dieser behandelt wird, äussert sich der Stadtrat nicht zu den dort aufgeworfenen Fragen.

Das AG-Chaos rund um den FC Luzern

Politikern, die sich mit dem Streit zwischen dem FC Luzern und Bernhard Alpstaeg befassen, stellt sich die anspruchsvolle Aufgabe, sich im nur schwer überblickbaren Gewirr der Aktiengesellschaften rund um den FC Luzern zurechtzufinden.

Wenn zentralplus über den Aktionärsstreit oder das Millionendefizit des FCL schreibt, geht es um die FCL Holding AG (zentralplus berichtete). Einst war Bernhard Alpstaeg mit 52 Prozent Mehrheitsaktionär dieser FCL-Dachorganisation. Doch dann wurde ihm die Aktienmehrheit vom Verwaltungsrat der FCL Holding AG, präsidiert durch Stefan Wolf, im Dezember 2022 strittig gemacht (zentralplus berichtete).

Die FC Luzern-Innerschweiz AG, hauptverantwortlich für den Fussballsport auf der Allmend, gehörte zu 86 Prozent der FCL Holding AG und zu 4 Prozent Kleinaktionären. Der neu gegründete Verein FCL-Basis hält die restlichen 10 Prozent. Mit Daniel Britschgi vertritt ein FCL-Fan die FCL-Basis im Verwaltungsrat der FC Luzern-Innschweiz AG (zentralplus berichtete).

Stadion-AGs und der Heimfall

Der FCL Holding AG gehört auch die Swissporarena Events AG. Diese ist insbesondere für den reibungslosen Ablauf der FCL-Heimspiele, aber auch der Länderspiele und anderer Veranstaltungen im Stadion zuständig.

Letztlich hält die FCL Holding AG 40 Prozent der Stadion Luzern AG, wobei hier die Immobilie, also das Stadion an sich, im Vordergrund steht. Bernhard Alpstaeg gehören die restlichen 60 Prozent der Aktien der Stadion Luzern AG. Jedoch hat die Stadt Luzern den Heimfall ausgelöst, was zur Folge haben könnte, dass Alpstaeg sein Stadion verliert (zentralplus berichtete).

Die Stadion Luzern Gastro AG, ihrerseits Betreiberin der Wirtschaft zum Schützenhaus, ist schliesslich gänzlich im Besitz Bernhard Alpstaegs. Die Zusammenarbeit mit der Swisspoarena Events AG hat Alpstaeg vor einem Jahr gekündigt (zentralplus berichtete).

Abgesehen von all diesen Aktiengesellschaften sichern mehrere Stiftungen die Zukunft des FCL-Nachwuchses.

Verwendete Quellen
  • Dringliche Interpellation im Grossen Stadtrat Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Ursula Engelberger-Koller, Verwaltungsrätin der FC Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Sacha Wigdorovits, Pressesprecher Bernhard Alpstaegs
  • Schriftlicher Austausch mit Bernhard Alpstaeg, Mehrheitsaktionär der Stadion Luzern AG
  • Schriftlicher Austausch mit Beat Züsli, Luzerner Stadtpräsident, und seiner Kommunikationsabteilung
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2 Kommentare
  • Profilfoto von Hanspeter Flueckiger
    Hanspeter Flueckiger, 25.01.2024, 10:17 Uhr

    Jemand, der für das Amt des Stadtpräsidenten kandidieren will, sollte sich nicht auf das Niveau gewisser FCL-Sympathisanten herablassen. Etwas mehr Format würde der Stadt gut tun. Bleibt zu hoffe, dass sich die Mitte endlich dazu aufraffen kann und Frau Bitzi Staub ins Rennen schickt.

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    • Profilfoto von Libero
      Libero, 25.01.2024, 17:47 Uhr

      Ja, viel Rauch im Stadion und jetzt Nebel bei der GLP.
      Frau Bitzi Staub ist ein FCL-Fan, sportlich gut drauf und zudem eine gute Rechnerin.

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