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«Rössli hü»: So ist der neue Wirt in Root angekommen

  • Küche Österreichisch, Schweizerisch
  • Ambiente Gehoben, Rustikal
Nach der Schliessung im Jahr 1994 stand das «Rössli» in Root fast ein Vierteljahrhundert leer und wird seit vier Jahren als Restaurant genutzt. (Bild: hch)

Seit einem halben Jahr steht das «Rössli hü» in Root unter österreichischer Führung. Der ehemalige «Steirereck»-Wirt kann auch abseits seiner früheren Chamer Wirkungsstätte auf viele Fans zählen. Bei unserem Restauranttest mit herbstlicher Menükarte zeigte sich, dass das Personal bei voller Gaststube stark gefordert ist.

Auch wenn ein Arbeitskollege die Verspätung des meteorologischen Herbstes beklagt (zentralplus berichtete): In den Schweizer Gaststätten ist die kulinarisch vielfältigste Zeit des Jahres längst angekommen. Da steht auch das «Rössli hü» in Root nicht zurück. Angesichts der «Wildererwochen» werfen wir unseren (natürlich hochgeheimen) Testplan kurzerhand über den Haufen und reservieren beim Steirer Wirt.

Nicht das erste Hirsch-Cordon-bleu

Damit sind wir nicht die Einzigen, wie sich zeigt. Das Lokal ist bei unserer Ankunft bis auf zwei Tische besetzt – einer davon ist glücklicherweise unserer. Die Online-Reservation hat tadellos geklappt. Auf der Herbstkarte finden sich die erwarteten Wildgerichte: neben Klassikern mit leicht österreichischem Einschlag auch ein Hirsch-Cordon-bleu. Diese Kreation scheint in der laufenden Wildsaison die Schweizer Gaststuben zu erobern. War meine Premiere noch auf Kräuterpanade gebacken und mit Raclettekäse gefüllt, wird es in Root mit Frischkäse und Steinpilzen serviert. Mandelscheiben bilden die Panade.

Für den Österreicher Thomas Peinhaupt ist es die erste Wildsaison im «Rössli hü». Bis Ostern führte er während neun Jahren das «Steirereck» in Cham (zentralplus berichtete) und löste anschliessend hier in Root Roland Galliker als Gastgeber ab. Dieser leitet seither den «Seehaus-Grill» beim Tennisclub Luzern Lido, den wir dieses Jahr auch schon besucht haben (zentralplus berichtete).

Einige Gerichte hat man aus Cham mitgebracht, andere wie Zwiebelrostbraten oder Mostschweinsbraten haben wir auf der nicht überaus grossen Karte in Root vermisst. Vielleicht mussten diese auch nur Wildgerichten Platz machen.

Das leidige Leitungswasser

Mitgekommen über die Kantonsgrenze ist auch ein Teil des Personals, darunter Küchenchef Pascal Klingels. Im Kanton Zug geblieben sind hingegen die Wasserkaraffen. Erst nach dreimaligem und hartnäckigem Insistieren war die Bedienung bereit, uns neben einer Flasche Wein auch einen halben Liter Leitungswasser zu servieren. Zu Bauchschmerzen hat das Rooter Wasser nicht geführt, auch nicht dessen Verrechnung als eine Flasche Mineralwasser für 5.30 Franken.

Zum Wasser gab es als Gruss aus der Küche eine hübsch aussehende Gemüsequiche auf Strudelteig. So zumindest unsere Interpretation, erklärt hat der Service das Gericht nicht. So blieb auch das Rätsel eines etwas dominanten Gewürzes für uns ungelöst. Es war dennoch ein schöner Einstieg in den Abend. Sehr gut gefallen hat uns auch das frische Hausbrot mit einem süssen und saisonal passenden Marronischaum.

Ungewohntes zum Salat

Der «Rössli hü»-Salat, Nüssli mit Eierschwämmen, Parmesanstreifen und frischen Feigen, klang spannend. Etwas erstaunt waren wir über die bitteren Pilze, die wir eigentlich warm erwartet hätten. Das sei so bei diesem Salat, hiess es seitens der Bedienung knapp. Auch die muffig schmeckenden Sprossen wären nicht unbedingt nötig gewesen, zumal das Gericht ausreichend Vielfalt bietet. Aber das ist Geschmackssache. Die Salatsauce wurde in einem Kännchen serviert und blieb eher unauffällig.

Bis zum Hauptgang war dann auch unser Wein auf dem Tisch. Angeboten werden im «Rössli hü» fast ausschliesslich österreichische Weine, die bekannten wie «Das Phantom» oder «Big John» gibt es auch im Offenausschank. Offene Weine werden auf der Karte im hierzulande ungewohnten Achtelliter-Mass geführt, man erhält also 1,25 Deziliter.

Noch häufiger als die beiden genannten Weine war an diesem Abend der «Unplugged» (Merlot) von Hannes Reeh auf den Tischen zu sehen. Gut gefallen hat uns, dass für Autofahrer auch kleine 3,75-Deziliter-Flaschen auf der Karte geführt werden. Weniger gut, dass beim Bestellen einer halben Flasche ein halber Liter serviert wird.

Geklopfter Hauptgang

Und der Hauptgang? Der hat uns mit Service und Vorspeise etwas versöhnt. Das Hirsch-Cordon-bleu war zart, die Füllung ein guter Kontrast zum intensiveren Wildfleisch, das sonst ohne Wildnoten auskam. Zur Herkunft steht in der Karte lediglich, dass man, wenn möglich, Schweizer Fleisch verwende. Gerne hätten wir genauer gewusst, woher unser Wildfleisch stammte, wollten den stark geforderten Service aber nicht noch einmal aufhalten. Fast schon an ein Kunstwerk erinnerte das dichte Geflecht aus Mandelscheiben; die «Panade» klebte dicht am Hirschschnitzel und stand auf alle Seiten ab. Delikat und knusprig fielen auch die Süsskartoffel-Frites in einer Salzlake aus.

Das Gemüse war dasselbe wie bei unserem anderen Hauptgang, gebratenen Rehschnitzeln. Und wenn in Österreich Schnitzel draufsteht, heisst das zart und hauchdünn. Das Reh wurde dafür so lange geklopft, bis das Fleisch die Form des Vierwaldstättersees angenommen hat.

Serviert wurde das Reh mit hausgemachten Spätzli, Rotkohl, karamellisierten Marroni und einem eingelegten Apfel. Nicht auf der Karte aufgeführt war der kurz blanchierte Rosenkohl, der halbiert auf den Teller kam. Die Spätzli waren fein und liessen sich auch gut ohne Sauce geniessen, in der wiederum bittere Eierschwämme für den Geschmack sorgten. Das Fleisch aber, das war klasse.

Bewertung

Preis/Leistung
*** von *****
Die Preise sind höher als zuvor in Cham. Die Tagessuppe kostet 10.50 Franken, andere Suppen 16.50 Franken. Salate gibt es ab 14.50 Franken. Schnitzel und Cordons bleus stehen für 32 bis 46.50 Franken auf der Karte, unsere Wildgerichte kosteten 39.50 (Hirsch-Cordon-bleu) respektive 41.50 Franken (Rehschnitzel). Die Portionen fallen nicht sehr gross aus, Supplément wurde uns nicht angeboten. Die Mittagsmenüs mit Suppe und Salat kosten 26.50 Franken.

Ambiente
*** von *****
Im denkmalgeschützten Rössli werden seit dem Jahr 1751 Gäste bewirtet. Nach dem Aus im Jahr 1994 hat man das Restaurant aufwendig renoviert und vor vier Jahren wiedereröffnet. 2020 erhielt es eine Auszeichnung als «historisches Schweizer Restaurant des Jahres». Vieles in der schönen Gaststube erinnert noch an den Vorgänger, etwa Einmachgläser, während die rot-weiss karierten Tischläufer für österreichische Gemütlichkeit stehen. Die Tische in der grossen Gaststube stehen eher eng um eine dekorative alte Badewanne, es ist recht laut. Die Tischdekoration besteht aus künstlichen Edelweissen und niedergebrannten Kerzen. Dem Küchenteam kann durch ein Seitenfenster zugeschaut werden. Hochwertige Produkte in den Sanitärräumen.

Service
** von *****
An diesem Abend mit einer vollen Gaststätte wirkte die Bedienung überfordert und genervt. Während unserer Bestellung sprach die Bedienung mit dem Nebentisch, Fragen wurden kurzsilbig beantwortet, Teller wurden aus allen Richtungen gereicht, es wurde der falsche Wein serviert.

Online-Faktor:
**** von *****
Schön aufgemachte Seite mit stimmungsvollen Bildern von dem Lokal und den Gastgebern. Karten und Anfahrtsplan sind vorhanden. Die Online-Reservation klappt tadellos, die Bestätigung enthält einen praktischen Link zu den Parkplätzen und zur allfälligen Stornierung.

Die Rechnung gibt es auch im «Rössli hü» zuletzt.
Die (handkorrigierte) Rechnung gibt es auch im «Rössli hü» zuletzt. (Bild: hch)


Rössli hü

Adresse:
Luzernerstrasse 7
6037 Root

Telefon:
041 531 91 51

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11:30 bis 14:30 und 17:30 bis spät
Samstag: 17:30 bis spät Sonntag: 11:30 bis 14:30 und 17:30 bis spät
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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