Im Juni stimmt Luzern ab

Neue Finanzierung: Stadtrat wirbt für teureres EWL-Areal

Wohnungen, Büros und die Feuerwehr: Auf dem EWL-Areal ist vieles geplant. (Bild: zvg)

Das EWL-Areal soll Teil eines neuen Stadtluzerner Quartiers werden. Auch wenn der Bau teurer wird, als anfangs gedacht, steht der Stadtrat geschlossen hinter dem 245-Millionen-Franken-Projekt.

Ein neuer Plan liegt vor, wie sich die Überbauungen auf dem Stadtluzerner EWL-Areal finanzieren lassen. Nachdem der Grosse Stadtrat im Mai 2023 den Anstieg der Baukosten von 185 auf 245 Millionen zurückgewiesen hatte, wurde die Vorlage überarbeitet (zentralplus berichtete). Nun liegt ein neuer Finanzierungsplan vor.

Die Stadt Luzern hat daher am Montag zu einer Medienkonferenz ins Stadthaus geladen. Anwesend waren alle fünf Stadträte, weil alle Direktionen betroffen sind. Es ging aber auch darum, eine klare Botschaft zu senden, bevor das Projekt ins Stadtparlament kommt. Und die Stadtluzerner am 9. Juni darüber abstimmen.

Aus einem Röhrenlager wird ein Stadtquartier

«Das Bauprojekt auf dem EWL-Areal ist von grosser Bedeutung für die Stadt Luzern», begrüsste der Stadtpräsident Beat Züsli die Anwesenden. Zur Erinnerung: Auf dem zentrumsnahen Gelände zwischen der Industriestrasse und den Gleisen soll ein neuer Standort für die Stadtluzerner Feuerwehr sowie Stützpunkte für den Zivilschutz und den Rettungsdienst entstehen. Ausserdem sind städtische Büros, 92 gemeinnützige Wohnungen und 57 Alterswohnungen geplant.

Entstehen sollen drei Neubauten, die das rote Haus auf dem EWL-Areal umschliessen. Das alte Backsteinhaus ist «schützenswert» und soll zum neuen Quartiertreffpunkt werden. Das im Jahr 1975 erbaute EWL-Gebäude wird abgerissen.

Geplant ist, das Baugesuch 2025 einzureichen. Mitte 2029 können die Gebäude der ersten Etappe bezogen werden, die zweite Etappe soll Mitte 2032 bezugsbereit sein. Wegen Einsprachen und Komplikationen wurde der Baustart bereits nach hinten verschoben (zentralplus berichtete).

Das rote Haus inmitten des grösstenteils brachliegenden EWL-Areals. (Bild: jal)

Für die Umsetzung gründeten die Stadt Luzern, die EWL als Eigentümerin und die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) im Jahr 2018 die EWL Areal AG. Erste Ideen, das heutige Röhrenlager in ein urbanes Stadtquartier zu verwandeln, stammen aber bereits aus dem Jahr 2010. Seither gab es einen Wettbewerb, bei dem sich das Projekt Rotpol der Halter AG durchsetzte. Und etwa zwölf Millionen Franken Ausgaben für die Planung, resümierte der Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula am Montag gegenüber zentralplus.

Entsprechend hoch ist der Druck vor der diesjährigen Abstimmung: Falls die Luzerner das Projekt ablehnen würden, bleibe ein «Scherbenhaufen» zurück, so Borgula, der auch im Vorstand der EWL Areal AG sitzt. Optimistisch stimme ihn, dass der Gestaltungsplan für das Areal bewilligt sei. Und die Luzerner Kantonalbank bereit ist, einen Kredit von bis zu 150 Millionen Franken zu gewähren.

Neue Finanzierung für EWL-Areal geplant

Warum das Grossprojekt rund 50 Millionen Franken teurer wurde? Bauteuerung, Projektanpassungen und neue Erkenntnisse über den Untergrund seien die Gründe, sagte der Stadtrat. Zwei unabhängige Planungsbüros hätten die höheren Kosten, die vor etwa einem Jahr bekannt geworden seien, in der Zwischenzeit bestätigt.

Gleichzeitig wurde das vergangene Jahr genutzt, um das Projekt anzupassen. Die Stadt Luzern konnte insgesamt 30 Prozent Fläche einsparen, indem die städtischen Büros umgeplant wurden. Und indem sie auf den geplanten Standort für das Strasseninspektorat und Stadtgrün verzichtet hätten, erklärte die Baudirektorin Manuela Jost. Ausserdem hat die EWL Areal AG bei den Mietflächen fünf Prozent höhere Anfangsmietzinse festgelegt – wegen der gestiegenen Baukosten.

Alle fünf Stadträte präsentierten ihre neue Vorlage zum EWL-Areal. (Bild: kok)

Weitere Teile der Finanzierung hätten die drei Partner verändert, wie die Finanzdirektorin Franziska Bitzi ausführte. Ursprünglich wollten Stadt, EWL und ABL die EWL Areal AG mit 45 Millionen Franken ausrüsten. Nun sind es 65 Millionen, von denen Stadt und EWL je 25 Millionen Franken stemmen. Weil die ABL weniger Fläche beansprucht, zahlt sie 15 Millionen Franken ein. Die Erhöhung erklärte die Finanzdirektorin mit den gestiegenen Baukosten.

Kredite und Darlehen von rund 150 Millionen Franken

Teil der neuen Vorlage, die im März ins Stadtparlament kommt, ist somit die Aufstockung des städtischen Anteils am Aktienkapital um 17,8 Millionen Franken. Ebenfalls enthalten ist ein Sonderkredit für den Mieterausbau in Höhe von 35,1 Millionen Franken, ein Sonderkredit für die künftigen Miet- und Nebenkosten in Höhe von 49,9 Millionen Franken und ein Sonderkredit, um der EWL Areal AG ein Darlehen von 50 Millionen Franken zu gewähren.

Rund 150 Millionen Franken städtische Ausgaben seien das nicht, betonte die Finanzdirektorin am Montag: «Das Darlehen und das Aktienkapital sind werthaltige Kapitalanlagen.» Geplant sei, dass die EWL Areal AG das Darlehen innert 40 Jahren amortisiere, also zurückzahle. Ausserdem müsse die Stadt der EWL Areal AG unter die Arme greifen, weil die Planung mit gemeinnützigen und städtischen Nutzungen nicht «renditeorientiert» sei.

Teil eines neuen Quartiers an der Industriestrasse

Einen letzten, für ihn wichtigen Punkt betonte der Stadtpräsident: «Das EWL-Areal hat eine wichtige Funktion als Ermöglicher.» Wenn die Feuerwehr ihren jetzigen Stützpunkt an der Kleinmattstrasse verlasse, entstünden dort Flächen zur Quartierentwicklung. Zumal die 36 Mitglieder der städtischen Berufsfeuerwehr dann endlich einen erdbebensicheren Standort hätten (zentralplus berichtete).

Wenn die Feuerwehr auf das Areal zieht, wird im Kleinmatt-Gebiet Fläche frei. (Bild: zvg)

Ausserdem sei das EWL-Areal ein wichtiger Bestandteil eines «neuen urbanen Quartiers». Auf dem Areal zwischen Industriestrasse und Geissensteinring baut die Kooperation Industriestrasse 151 Wohnungen sowie 3000 Quadratmeter Arbeits- und Kulturfläche (zentralplus berichtete). Die Industriestrasse soll ausserdem zu einem Begegnungsort mit Tempo 20 werden. Für das Gesamtprojekt Unterlachen beantragt die Stadtregierung einen Sonderkredit von 11,14 Millionen Franken.

Verwendete Quellen
  • Bericht und Antrag des Stadtrats Luzern
  • Teilnahme an der Medienkonferenz
  • zentralplus Medienarchiv
  • Website der EWL Areal AG
  • Website des Gesamtprojekts Unterlachen
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8 Kommentare
  • Profilfoto von LeaGruntz
    LeaGruntz, 31.01.2024, 19:14 Uhr

    Ich behaupte, dass es dann nocheinmal rund 20% teurer wird, auch wenn jetzt behauptet wird, dass die Kosten so stimmen. Bauen in der Stadt Luzern ein waghalsiges Abenteuer. Hoffen wir, dass nach den Wahlen endlich Kompetenz einzieht im Stadtrat.

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  • Profilfoto von Silvio Bonzanigo
    Silvio Bonzanigo, 30.01.2024, 12:41 Uhr

    Jetzt für das gleiche Geld weniger Leistung anzubieten, ist vom Stadtrat ziemlich mutig. Die Rückweisung im Stadtparlament erfolgte ja, weil ihm das ursprüngliche Projekt mit mehr Leistung schon zu teuer war ….

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    B Suter, 29.01.2024, 22:22 Uhr

    Entlang der Fruttstrasse wären auch noch mindestens 3 zusätzliche Stockwerke mit Wohnungen oben augesetzt möglich gewesen.

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    Lö-architecte, 29.01.2024, 21:08 Uhr

    In einer Zeit von Klimakrise und Ressourcenknappheit gerade mal das Rote Haus stehen zu lassen (aus Denkmalpflegerischen Gründen wohlgemerkt) zeugt nicht von umsichtiger Stadtplanung, völlig egal was das ganze Ungetüm kostet. Daher neu aufgleisen und was wirklich gutes machen, da darf man auch gerne über die Industriestrasse gucken und lernen…

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    Hanswurst, 29.01.2024, 19:02 Uhr

    Wir erinnern uns – nachzulesen bei zentralplus: Im März 2022 beschuldigten ewl und die Stadt den Generalunternehmer Halter; dieser entgegnete, dass die Zusatzwünsche der Auftraggeber ewl und Stadt und ein erstes, mangelhaftes geologisches Gutachten für die Kostensteigerung verantwortlich seien. Wenn ich obige Statements richtig interpretiere, liegt das Problem also nicht bei Halter. Nun werden von der Stadt plötzlich gestiegene Baukosten als Begründung aufgeführt – wer’s in diesem Ausmass glaubt. Mir scheint, dieses vom Steuerzahler auszubadende Fiasko belegt einmal mehr die Unfähigkeit der städtischen Ämter, so dass da endlich mal personelle Konsequenzen angezeigt wären.

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    Hegard, 29.01.2024, 16:12 Uhr

    Ich frage mich, was den Scherbenhaufen verursacht.

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    Planer, 29.01.2024, 13:26 Uhr

    Die absolut mangelhafte Planung und Koordination dieses Projekts wird ihm den Todesstoss versetzen. Besser so.
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  • Profilfoto von Gruesse vom Einhorn Schlachthaus
    Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 29.01.2024, 12:38 Uhr

    Ich stehe auch geschlossen hinter meinem Statement der ersten Stunde:
    Das gibt die teuersten günstigen Wohnungen der Stadtluzerner Geschichte.

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