Rutschende Autos in Luzern

Garagist warnt: Schneechaos verändert Auto-Einmaleins

Fürs aktuelle Wetter sind Sommerpneus nicht ideal. (Bild: Symboldbild Adobe Stock)

Die Zentralschweiz wurde noch einmal vom Schnee heimgesucht. Das spüren unter anderem die Luzerner Autogaragen. Die «von O bis O»-Regel sei inzwischen veraltet.

Sommerliche 25 Grad überraschten Luzern Anfang April (zentralplus berichtete). Die Leute nahmen ihre Velos aus dem Keller und genossen den Fahrtwind. Nur wenige Tage später kam ein Kälteeinbruch. Gar 60 bis 70 Zentimeter Neuschnee verzeichnet der Pilatus (zentralplus berichtete). Die Luzernerinnen zieht es deshalb wieder eher in die Autos und den Bus. Doch sind diese Fahrzeuge für das aktuelle Wetter überhaupt gewappnet?

«Von O bis O» lautet die altbekannte Regel. Ostern ist vorbei – viele Autofahrer haben bereits auf Sommerpneus gewechselt. «Viele Kunden wollen bereits Mitte oder Ende März die Sommerreifen montieren», sagt ein Luzerner Autogaragist, der lieber anonym bleiben will. Davon rate die Garage jedoch ab. In den letzten Jahren habe es fast jedes Mal noch einmal geschneit, nach dem es bereits sommerlich warm wurde.

Die Automechaniker fragen deshalb jeweils nach, welche Strecken die Person fährt und wie sehr sie aufs Auto angewiesen ist. Kann sie bei einem allfälligen Wintereinbruch ausnahmsweise auch auf den Bus ausweichen, sei der frühe Reifenwechsel kein Problem. Schlussendlich liege die Entscheidung, wann er die Reifen wechseln will, jedoch so oder so beim Kunde.

Luzerner vertagen den Wechsel auf die Sommerpneus

Doch wie schlimm ist es nun, wenn man beim aktuellen Wetter mit Sommerreifen rumfährt? Bei den jetzigen Bedingungen mit Sommerpneus rumzufahren sei «nicht ideal». Es kommt jedoch stark darauf an, wo man unterwegs ist, erklärt der Garagist gegenüber zentralplus.

Wenn man beispielsweise in der Stadt herumfährt, sollte dies trotz des aktuellen Kälteeinbruchs kein Problem sein – vor allem, wenn die Strasse trocken sind und die Temperaturen über 0 Grad liegen. Sobald man jedoch in die Höhe fährt, sollten wieder die Winterpneus montiert werden.

Fahrer, die wieder auf Winterpneus wechseln wollen, hätten sich keine bei der Garage gemeldet. Jedoch hätten viele Luzernerinnen angerufen, die bald einen Termin zum Pneuwechsel haben. Sie wollten diesen aufgrund des Wetterumschlags lieber noch einmal verschieben.

So machen es die VBL

Die VBL verzeichneten im Zusammenhang mit dem kalten Wetter einen Zuwachs an Fahrgästen. Ansonsten herrsche bei den Verkehrsbetrieben trotz des Wetterumschlags Normalbetrieb, sagt der Mediensprecher auf Anfrage.

Aufgrund des Kälteeinbruchs könne es jedoch zu Verkehrsbehinderungen oder Verspätungen kommen sowie auch im restlichen Verkehr. Dies etwa aufgrund von Schneefall oder Eisglätte.

Um die Pneus muss sich die VBL keine Sorgen machen. «Die Busse fahren mit einer Mischbereifung», erklärt der Mediensprecher. Es erfolgen deshalb keine Reifenwechsel infolge des Wetterumschlags.

Die Versicherung achtete auf die Pneuauswahl

Was bei diesem Wetter auf den Strassen passieren kann, zeigen die diversen Verkehrsunfälle der letzten Tage (zentralplus berichtete). Am Sonntag krachte es beispielsweise auf der A2 im Raum Luzern gleich mehrmals aufgrund der rutschigen Fahrbahn. Bei einem der Unfälle haben sich sechs Personen verletzt. Zudem entstand grosser Sachschaden.

In Sursee geriet am Sonntag auf der A2 ein Auto ins Rutschen. (Bild: Luzerner Polizei)

Dass das Auto fürs Wetter richtig ausgestattet ist, interessiert auch die Versicherung. Die Kaskoversicherung deckt in der Regel den Schaden am eigenen Auto bei einem Unfall. Je nach Unfallhergang und Zustand des Autos kann das Fahrverhalten jedoch als grobfahrlässig eingestuft werden, schreibt Helvetia-Versicherungen in einem Artikel. In diesem Fall musst du einen Teil des Schadens selber übernehmen.

So erleben die Tiere den Kälteeinbruch

Jene Tiere, die einen Winterschlaf machen – zum Beispiel Igel und Fledermäuse – erwachen im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen. Dann machen sie sich auf die Suche nach Futter, erklärt Samuel Ehrenbold, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Natura Luzern. Kommt es nach den sommerlichen Temperaturen noch einmal zu einem Wintereinbruch, verkriechen sich die Tiere wieder in ihren Unterschlupf. Dort kommen sie dann noch einmal eine gewisse Zeit ohne Nahrung zurecht, weil sie ihren Energiebedarf reduzieren können.

Viele Tierarten seien diesbezüglich ziemlich flexibel. «Ein gutes Beispiel sind Eidechsen, welche während den warmen Tagen bereits aktiv waren. Als wechselwarme Tiere sind sie auf eine bestimmte Lufttemperatur oder auf Sonneneinstrahlung angewiesen», erläutert Ehrenbold weiter. Sinken die Temperaturen wieder, würden sie sich zurückziehen und erneut in eine Kältestarre verfallen.

Anders sieht es beispielsweise bei Libellen aus. Sie leben als Larven in Gewässern, wo die Temperatur auch im Winter nicht unter einen gewissen Wert sinken. Mit den steigenden Temperaturen seien Anfang April bereits erste Libellen geschlüpft. Die niedrigen Temperaturen vertragen die Tiere jedoch schlecht. Bei den Libellen könne es also zu Verlusten kommen.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Luzerner Autogarage
  • Schriftlicher Austausch mit Marc Schwegler, Mediensprecher der VBL
  • Schriftlicher Austausch mit Samuel Ehrenbold, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Natura Luzern
  • Mitteilung der Luzerner Polizei
  • Artikel von Helvetia Versicherungen
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