Tourismus
Fehlende Geschäftsleute? Kein Problem

Reiseloch? Acht Ideen, um den Zuger Tourismus anzukurbeln

Die Stadt Zug soll nicht nur bei Zugerinnen beliebt sein, sondern auch bei Touristen. (Bild: Andreas Busslinger)

Zug ist nicht unbedingt als Tourismus-Destination bekannt. Seit Corona möchte Zug Tourismus das nun ändern und auch Freizeitgäste ansprechen. zentralplus liefert einige – nicht nur ernst gemeinte – Ideen, wie es klappen könnte.

Wirtschaftlich läuft es im Steuerparadies Zug seit Jahren gut. Der Kanton verzeichnet Jahr für Jahr Millionengewinne (zentralplus berichtete). Im Keller ist jedoch der Tourismus. Die Zuger Hotellerie hat sich ursprünglich vor allem auf Geschäftsreisende fokussiert – die Corona-Pandemie hat die Branche mit voller Wucht getroffen (zentralplus berichtete).

Das hat für ein Umdenken gesorgt. Zug Tourismus will sich neu auf Touristinnen aus der Region und dem nahen Ausland fokussieren. Dafür soll unter anderem mehr Geld in die Marketing-Aktivitäten fliessen (zentralplus berichtete). In der «Hotelrevue» gibt Renya Heinrich, Geschäftführerin von Zug Tourismus, jedoch unverfroren zu: «Im Freizeittourismus fangen wir komplett bei null an.»

Um dem Zuger Tourismus mindestens eine Starthilfe zu geben, hat sich zentralplus am Redaktionstisch einige Gedanken gemacht. Nachfolgend präsentieren wir acht – nicht immer gleich ernst – gemeinte Ideen, wie Zug den Tourismus ankurbeln kann.

1. Velo-Boxenstopp der Extra-Klasse

Zugegeben: Ganz neu ist die erste Idee nicht. Bereits bei der Ausarbeitung der neuen Zuger Tourismusstrategie ist das Konzept aufgekommen, Zug als Destination für Velo-Touristen zu vermarkten (zentralplus berichtete).

Denn Zug liegt an der bei Velofans beliebten Herzroute (Willisau nach Zug) und der Veloland-Route 9 (vom Bodensee bis zum Lac Léman). Denkbar wären beispielsweise Boxenstopp-Hotels, wo Bikerinnen ihr Velo gratis laden können. Und es einen Velo-Mech-Service dazugibt. Zudem können Velofahrer die verschwitzten Radlerhosen waschen lassen. Unter dem Kopfkissen findet sich ein 10-Prozent-Gutschein für einen Velo-Laden und ein Sportgeschäft. Für die Velofahrerinnen, die mehr als einen Tag bleiben, gibt es an der Rezeption einen Veloführer für kurze Biketouren im Kanton.

Der Vorschlag ist aktueller denn je. Erst kürzlich hat die Alternative – Die Grünen eine Petition für ein besseres Velonetz im Kanton Zug eingereicht (zentralplus berichtete). Von diesem würden dann nicht nur die Zugerinnen profitieren, sondern auch die künftigen Velo-Touristen.

2. Chriesi, Chriesi und noch mehr Chriesi

Die Chriesi gehören zu Zug wie der Kirsch in die Zuger Kirschtorte. Prominent zieren sie auch die Website von Zug Tourismus. Aber vermarktet die Branche seine Kantonsfrucht auch gut genug? Erst kürzlich geriet der Chriesimärt in die Schlagzeilen, weil immer weniger Obstbauern ihre Kirschen anbieten (zentralplus berichtete).

Grund genug also, das Chriesi für mehr als nur Schnaps zu verwenden. Beispielsweise für Ausflüge in Hochstamm-Chriesiwälder mit anschliessender Kirsch-Degustation. Oder die Zuger Obstbauern können es ähnlich tun wie ein Erdbeerproduzent in Deutschland. Karl Dahl gründete rund um die Erdbeere den Erlebnispark «Karls Erlebnis-Dorf».

Eine Achterbahn im Kirschen-Look dürfte Schweizer Familien ebenso anlocken wie hier beim Erdbeer-Erlebnispark in Deutschland.
Eine Achterbahn im Kirschen-Look dürfte Schweizer Familien ebenso anlocken wie hier beim Erdbeer-Erlebnispark in Deutschland. (Bild: Karls Erlebnis-Dorf)

Denkbar ist auch, neben dem Chriesisturm noch mehr Traditionsanlässe zu schaffen. Zum Beispiel könnte man das Zuger Traditionsgebäck mehr in den Fokus rücken und Kirschtorten-Wettessen veranstalten.

Oder die Zuger tun es den Spaniern nach und organisieren statt einer Tomatenschlacht eine Chriesischlacht. Mit all den Kirschen, die zu schlecht fürs Schnapsbrennen gewesen sind. Oder die der Kirschessigfliege zum Opfer gefallen sind (zentralplus berichtete).

Auch aus der Sauerei danach liesse sich noch Kapital schlagen: Die blutig eingefärbten Gassen lassen sich prima für Dreharbeiten von Horrorfilmen verwenden. Nach Erscheinen des Films gäbe es dann geführte Touren durch die Drehlocations.

3. Schicke Karren

Staunende Blicke in Emmen und Ennetbürgen. Überall, wo die Patrouille Suisse gerade durch den Himmel jagt: Flugzeugspotter sind ein treues Publikum. Weshalb also nicht einen neuen Stamm aufbauen? Luxusschlitten-, Oldtimer- oder Tesla-Spotting dürfte unter Autofans durchaus Anklang finden. Und wo könnte das besser gelingen als im Auto-Kanton Zug (zentralplus berichtete).

Das dürfte jedoch nicht allen Autofans gleich belieben. Nicht jeder hat die Geduld, stundenlang mit Ferngläser an einem Ort zu verharren. Und statt den Autos nur hinterherzusabbern, möchte man den Schlitten vielleicht auch anfassen.

Eine kostengünstige Variante könnte ein Luxus-Carwashing sein. Zugerinnen stellen ihren «Chlapf» morgens ab und lassen ihn von Touristen waschen. Die können sich dafür alle Zeit der Welt nehmen, um das Auto auch aus der Nähe zu betrachten.

4. Crypto-Valley Entdeckerpfad

Neben Kirschen und schicken Karren ist Zug auch für das Crypto-Valley bekannt. Dies trägt die Stadt Zug auch gerne nach aussen. Um sich am Swiss Economic Forum als besonders innovativ zu präsentieren, hat die Stadt eine eigene NFT-Reihe hergestellt (zentralplus berichtete).

Genau solche Leute, die sich nun gefragt haben, was NFTs sind, könnte Zug Tourismus künftig ansprechen. So zum Beispiel mit einem Lern- und Erlebnispfad durch das Zuger Crypto-Valley. So lernst du, wie du deinen eigenen Bitcoin schürfen kannst. Am Ende stellst du dich einem Quiz, um zu testen, ob du auch wirklich aufgepasst hast. Beantwortest du alles richtig, gibts ein Kirschkopf-NFT.

5. FKK-Küste

Zug ist ja für seine FKK-Strände in der Region bereits bekannt. Ein Bereich, den man super gut ausbauen kann. Seit dem Mauerfall vermisst ganz Deutschland die Nackedei an der Ostsee. Hier kann Zug einspringen und sich als FKK-Küste etablieren.

Nebst versierten Blutt-Badern werden die Zuger Badestrände wohl auch den einen oder anderen Frischling anlocken. Zum Glück bieten die viele Gratis-Badeplätze tolle Alternativen, falls die Touristin am Schluss doch zum Bikini-Oberteil greifen will.

6. Greth-Run

Der Legende nach soll Margarethe «Greth» Schell ihren betrunkenen Ehemann unter lautem Gebrüll nach Hause getragen haben – in einem Korb. Die Figur der Greth Schell spielte bisher vor allem an der Zuger Fasnacht eine Rolle. Das muss jedoch nicht so bleiben.

Die Figur der Greth Schell könnte auch abseits der Fasnacht einen Platz in der Zuger Kultur bekommen. (Bild: fge)

Gewisse Dörfer in England und Finnland haben Tourismus, weil sie Käse hinterherrennen oder ihre Frauen durch Schlamm schleppen. Zug könnte eine eigene Tradition basierend auf der Greth Schell Legende erschaffen.

Mit einem Rennen, bei dem Frauen ihre, oder allenfalls auch irgendwelche Männer, in Körben durch die Altstadt tragen. Zu Anfang noch eine lustige Tradition könnte sich der Anlass künftig zu einem Strongest-Woman-of-the-World-Contest entwickeln. Ein weiterer Pluspunkt: Zug etabliert sich gleichzeitig als Frauensport-Vorreiterin.

7. Detective Trail: Such den Oligarchen

Adventure Rooms oder Detektivpfade erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Zug Tourismus könnte auf diesen Trend aufspringen. Kombiniert mit aktuellen Themen und einer Portion Selbstironie könnte Zug einen Detective Trail zu russischen Oligarchen entwickeln.

So lernen die Touristinnen, sich durchs Handelsregister zu wühlen, um Zuger Firmen mit Russland-Bezug zu finden. Oder besuchen Bürogebäude in Zug und suchen nach Briefkastenfirmen. Als besonderes Zückerli könnte Heinz Tännler für jeden Oligarchen, den der Kanton nicht selbst auf dem Schirm hatte, eine beschlagnahmte Jacht sponsern.

8. Zurück zu den Wurzeln: Fischerdorf

Bei all den Geschäftshäusern und dem jetzigen Reichtum kaum zu glauben: Aber eigentlich ist Zug ursprünglich ein Fischerdorf. Darauf könnte Zug Tourismus sich besinnen. Mit der jungen Zuger Jodlerin Jana Fischer ist auch das Gesicht für diese Kampagne bereits fix.

Restaurants an der Strandpromenade bieten künftig mindestens eine Spezialität mit regionalem Fisch an. Dabei ist die Kreativität der Köche gefragt: Im Schweizer Restaurant beispielsweise Müscheli-Pastetli, im thailändischen Curry mit Fisch und beim Italiener eine Pizza mit Fisch-Filet statt Schinken.

Gesammelt innerhalb von rund 20 Sekunden. Wer im Zugersee Muscheln sucht, muss nicht wirklich suchen.
Im Zugersee wimmelt es derzeit nur so von Müscheli. (Bild: PLu)

Doch nicht nur kulinarisch sollen Touristinnen das Fischen erleben. Mit Tagespatenten und mietbarer Ausrüstung wie Rute und Boot können sie die Zuger Geschichte gleich selbst erleben. Und für die unerfahrenen Fischerinnen bietet Zug Tourismus verschiedene Einsteigerkurse, je nach Aufenthaltsdauer.

Verwendete Quellen

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