Gastronomie
Einige Betriebe sind nicht überzeugt

«Mediterrane Nächte»: Beizen dürfen auch 2023 länger öffnen

Raustischen und bewirten bis 1 Uhr morgens – die erste Testphase des Projekts «mediterrane Nächte» ist in Luzern gut angekommen. (Bild: Yannis Papanastasopoulos)

Insgesamt 46 Betriebe haben diesen Sommer freitags und samstags bis ein Uhr Gäste bewirten dürfen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Teilnehmer vom Konzept «Mediterrane Nächte» überzeugt. Wegen der positiven Erfahrungen startet die Stadt Luzern 2023 eine zweite Pilotphase.

In einer lauen Sommernacht bis in die frühen Morgenstunden noch etwas Wein oder Apérol Spritz geniessen? Was im Strandurlaub in Italien bereits möglich ist, sollten die Luzernerinnen im Rahmen des Pilotprojekts «Mediterrane Nächte» auch in Luzern tun können. 46 Gastrobetriebe in Luzern haben diesen Sommer versuchsweise bis 1 Uhr auf ihren Terrassen Gäste bewirtet.

In einem ersten Zwischenfazit hat die Stadt Luzern das Projekt positiv beurteilt (zentralplus berichtete). Dieser positive Eindruck hält sich auch nach Abschluss der ersten Pilotphase, wie die Stadt am Freitag mitteilt. Zur Bewertung hat die Stadt eine Echogruppe mit Vertreterinnen der Luzerner Polizei, der Quartiervereine Hirschmatt-Neustadt und Altstadt, von Luzerner Hotels, der «GastroRegionLuzern» und der Stadt Luzern gebildet. «Die Verlängerung des Aussenbetriebs um eine Stunde fand breite Akzeptanz und führte nicht zu negativen Reaktionen», schreibt die Stadt.

Lärm kam von anderswo

Die Aussage erstaunt, haben sich doch im Vorfeld mehrere Anwohnerinnen der Altstadt vor mehr Lärm gefürchtet (zentralplus berichtete). Zwar räumt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage ein, dass die Stadt auch Meldungen zu Nachtruhestörungen erhalten habe. Da sie aber beispielsweise bereits um 23 Uhr eingetroffen waren oder während anderer Events wie des Lucerne Festivals, hängen sie nicht spezifisch mit dem Projekt zusammen.

Vorbehalte bezüglich Lärm und Littering seien zwar immer noch da. «Aber nach diesem ersten Jahr können wir sagen, dass sich mit der Verlängerung nicht wirklich etwas signifikant verändert hätte.» Die Stadt habe sich deshalb dazu entschieden, den Versuch 2023 mit einer zweiten Pilotphase fortzuführen. Dabei setzt sie auf dasselbe Konzept wie beim ersten Versuch.

«Das Projekt ist gut so, der grosse Wurf für die Luzerner Gastro ist es aber nicht.»

Patrick Grinschgl, Politik-Verantwortlicher Gastro Luzern

Zwar haben einige Betriebe vorgeschlagen, die Öffnungszeiten bis 2 Uhr auszuweiten. Als die Stadt diesen Vorschlag der Echogruppe unterbreitet habe, habe sich jedoch die Mehrheit dagegen ausgesprochen. Der Tenor: So riskiere man den Goodwill und das Verständnis der Anwohner. Doch auch einzelne Betriebe hätten dem Vorschlag aus betrieblicher Sicht nichts abgewinnen können. «Wir haben vereinzelte Kommentare erhalten, dass die Betriebe gar nicht das Personal haben, um länger offenzuhalten», wie Lütolf schildert. Weshalb die Stadt nun fürs nächste Jahr auf das bewährte Konzept setzt und die Restaurants bis 1 Uhr offen haben dürfen.

Gastro Luzern würde gerne noch länger machen

Anders klingt es hingegen beim Gastronomie-Verband Gastro Luzern. So sagt Patrick Grinschgl, zuständiger Politik bei Gastro Luzern, auf Anfrage: «Wenn es einen gastronomischen Effekt haben soll, müssten die Gastronomen bis mindestens zwei Uhr geöffnet haben können.» Dafür konzentriert auf wenige Wochenenden, damit es mehr zu einem Event würde, für den die Gastronominnen etwas planen und speziell darauf aufmerksam machen könnten. 

«Ich stelle mir eine mediterrane Nacht mit einer belebten Meile, Musik und Getränken bis zwei Uhr vor.» Das Projekt in der vorliegenden Form sei für ihn deshalb auch einfach eine «Verlängerung der Öffnungszeiten» statt wirkliche mediterrane Nächte. Er könne jedoch auch gut verstehen, dass die Nachbarn sich sonst wegen des Lärms zu sehr gestört fühlen würden.

Grundsätzlich sei der Verband jedoch froh um jeglichen zusätzlichen Spielraum für seine Mitglieder. Er habe auch vor allem positive Rückmeldungen der Teilnehmer erhalten. Sein Fazit ist deshalb: «Das Projekt ist gut so, der grosse Wurf für die Luzerner Gastro ist es aber nicht.»

Stadt rechnet mit rund 50 Teilnehmern im nächsten Jahr

Für 2023 geht Mario Lütolf davon aus, dass das Projekt in einem ähnlichen Rahmen ablaufen wird. Die Mehrheit der Gastronominnen habe bereits angekündigt, auch beim nächsten Mal nochmals teilzunehmen. «Wir haben aber auch von vereinzelten Betrieben die Rückmeldung erhalten, dass ihnen die Verlängerung nichts bringe, da sie die Kundschaft dafür nicht hätten.» Trotzdem rechnet Lütolf damit, dass wieder rund 50 Betriebe mitmachen – auch dank solchen, welche die Teilnahme 2022 verpasst haben.

Wie Grinschgl von Gastro Luzern sagt, habe er von sechs Betrieben gehört, die sich für 2022 zu spät angemeldet hätten und deshalb 2023 teilnehmen möchten. Noch ist die Anmeldung jedoch nicht offen. Voraussichtlich können sich interessierte Betriebe bis Ende April 2023 anmelden.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung Stadt Luzern
  • Telefonat mit Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, Stadt Luzern
  • Telefonat mit Patrick Grinschgl, Präsident Gastro Region Luzern
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