Gastronomie

Quartiervereine sehen Chance in Luzern
Mediterrane Nächte: Anwohnern graust es vor mehr Lärm

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 8
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Diesen Sommer kann mancherorts bis in die späte Nacht hinein draussen getrunken werden. Das schmeckt nicht allen. (Bild: Emanuel Ammon / AURA)

Im Juni startet die das Projekt «Mediterrane Nächte», bei dem einige Beizen nachts länger offen haben dürfen. Einigen Anwohnerinnen bereitet das jetzt schon Kopfzerbrechen.

In einer lauen Sommernacht länger auf der Terrasse einer Beiz sitzen und noch einen Drink genehmigen? Das dürfen 45 Restaurants in Luzern ab Juni bis September tun. Das Pilotprojekt «mediterrane Nächte» der ermöglicht es den teilnehmenden Betrieben, bis morgens um 1 Uhr geöffnet zu haben. Also eine Stunde länger als sonst (zentralplus berichtete).

Die Betriebe freut’s, aber wie sehen es die Anwohner? Kurz nach der Publikation unseres entsprechenden Artikels trudelten erste kritische Rückmeldungen via Mail und Kommentarspalte rein. Zudem findet über ein Drittel aller Teilnehmerinnen unserer nicht repräsentativen Umfrage das Projekt «unnötig».

Einzelne Anwohnerinnen sind empört

«Ich finde das total daneben», schreibt uns eine Leserin, die in der Luzerner Altstadt wohnt. «Wir haben jetzt schon am Wochenende bis zwei Uhr morgens Lärm, weil es niemanden interessiert, dass wir Anwohner schlafen möchten.» Eine Verlängerung um eine Stunde durch die «mediterranen Nächte» würde die Lärmsituation nun zusätzlich verschlimmern.

Ja, Nächte im Stadtzentrum von Luzern können lärmig sein – auch ohne «mediterrane Nächte». Vorbeituckernde Töffs, nach Hause torkelndes Partyvolk oder Lärm durch Nachtarbeiten. Das hält auch die auf Trab. «In den letzten vier Wochen verzeichneten wir im Kanton Luzern rund 130 Meldungen von Ruhestörungen», gibt Mediensprecher Christian Bertschi auf Anfrage bekannt.

Quartierverein verzeichnet kaum negative Rückmeldungen

Wie viele dieser Meldungen tatsächlich auf fehlbare Bars, Restaurants oder deren Gäste in der Stadt Luzern zurückgehen, lässt sich allerdings nicht sagen. Die Luzerner Polizei führt diesbezüglich keine Statistik.

«Ich persönlich meine und hoffe, dass die minime Verlängerung der Öffnungszeiten zu keinem Ärgernis führt.»

Marco Castellaneta vom Quartierverein Altstadt

Direkt beim Quartierverein Altstadt sind fast keine negative Meldungen eingegangen, meint Präsident Marco Castellaneta. «Wohl, weil es in der Altstadt mittlerweile keine Betriebe mehr mit Öffnungszeiten bis 3 Uhr gibt.»

Bringen die «mediterranen Nächte» mehr Abfall?

Ein anderer zentralplus-Leser fürchtet ausserdem, dass die mediterranen Nächte einen «sehr grossen Müllberg» zur Folge haben werden. Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt bestätigt die Problematik.

«Insbesondere durch die Take-away-Betriebe rund um den Bahnhof liegt viel vermeidbarer Müll in den Strassen und Hauseingängen der Neustadt.» Er stellt aber auch klar, dass dies nicht mit den geplanten «mediterranen Nächten» zu tun habe.

«Das ist ein bekanntes und leider bis anhin ungelöstes Ärgernis.» In der Stadt Luzern ist die grundsätzliche Abfallthematik schon seit Jahren ein Dauerthema (zentralplus berichtete).

Einhaltung der Regeln ist im Sinne der Gastronomie

Ob die zusätzliche Stunde für einen erhöhten Lärm- und Abfallpegel sorgt, ist natürlich noch unklar. «Ich persönlich meine und hoffe, dass die begrenzte Verlängerung der Öffnungszeiten zu keinem Ärgernis führt», schreibt Castellaneta vom Quartierverein Altstadt. 

«Grundsätzlich finden wir es gut, dass dieses Format ausprobiert wird.»

Markus Schulthess, Co-Präsident Quartierverein Hirschmatt-Neustadt

Und er ergänzt: «Die Gastrobetriebe werden mit den Themen Littering und Lärm aus Eigeninteresse sorgfältig umgehen, um so eine allfällige Weiterführung nicht zu gefährden.»

Austausch untereinander gewünscht

Auch in der Neustadt von Luzern steht man dem Projekt «Mediterrane Nächte» aufgeschlossen gegenüber. «Grundsätzlich finden wir es gut, dass dieses Format ausprobiert wird», schreibt Markus Schulthess. Für die betroffenen Lokale hält er auch gleich einen Tipp bereit.

«Wir würden es für wichtig erachten, dass die Gastronomen ihren Nachbarn eine Telefonnummer mitteilen, unter welcher sie bei einer Reklamation erreichbar sind, und so auf die Situation reagieren können, ohne dass die Polizei gerufen werden muss.»

Projekt läuft polizeilichen Bemühungen entgegen

Stichwort Polizei: Für die Luzerner Polizei bedeuten längere Öffnungszeiten womöglich einen Mehraufwand. Schon jetzt hat sie nachts einiges zu tun. «Wir stellen grundsätzlich fest, dass die Anforderungen an die Polizei mit der 24-Stunden-Gesellschaft im ganzen Kanton zunehmen», schreibt Polizeisprecher Christian Bertschi.

«Sogenannte ‹mediterrane Nächte› würden aus unserer Sicht diesen Bemühungen entgegenlaufen.»

Christian Bertschi, Mediensprecher Luzerner Polizei

«Unsere Einsätze verschieben sich gerade an den Wochenenden häufig in die Nachtzeiten, vorab im urbanen Gebiet wie etwa der Stadt Luzern oder Sursee, wo sich viele Menschen treffen und eine hohe Ereignisdichte herrscht.» Zwar legt die Luzerner Polizei gemäss Bertschi den Fokus nicht auf ein einzelnes Projekt in einer einzelnen Gemeinde, restlos glücklich scheint sie aber nicht zu sein.

Städtische und kantonale Behörden hätten in den vergangenen Jahren mit sehr viel Aufwand und einigem Erfolg die negativen Auswirkungen des Nachtlebens reduziert. Also Probleme wie Littering und Lärm. «Sogenannte ‹mediterrane Nächte› würden aus unserer Sicht diesen Bemühungen entgegenlaufen», sagte Bertschi Mitte März gegenüber zentralplus.

Welche Lokale übrigens von Juni bis September an dem Projekt teilnehmen, hat die Stadt Luzern noch nicht publik gemacht.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Marco Castellaneta vom Quartierverein Altstadt
  • Schriftlicher Autausch mit Markus Schulthess, Co-Präsident Quartierverein Hirschmatt-Neustadt
  • Pilotprojekt «Mediterrane Nächte» der Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Christian Bertschi, Mediensprecher Luzerner Polizei
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8 Kommentare
  1. Heidi Meier, 13.05.2022, 13:44 Uhr

    Frage mich schon, wieso diese auswärtigen Polterabend Männer und Frauen in der Stadt rumlaufen müssen.
    Sollen doch daheim in ihren Dörfer rumlärmen, der Stadtbewohner versteht das gar nicht

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  2. Michel von der Schwand, 13.05.2022, 09:59 Uhr

    Sieht man sich an einem Freitag- oder Samstagabend in der Stadt um, bemerkt man schnell, dass die lauten Partygänger und Polterabend-Fetischisten allesamt nicht in der Stadt wohnen. Störend am Lärm ist die Tatsache, dass gewisse Ballermann-Fetischisten davon ausgehen, dass in der Stadt per se einfach unsinniger Lärm (Schreien, Lallen, Singen etc.) gemacht werden soll. Dieses stillose Verhalten gehört nach Mallorca oder dergleichen, nicht aber nach Luzern. Gegen das Drausssitzen bei einem gepflegten Glas Rotwein, einem interessanten Gespräch hat niemand etwas. Das Ballermann-Gedröne und die V8-Motorgeheule-Fetischisten sollen ihren Unfug bitte in an Autobahnrastätten geniessen. Danke.

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    1. Roli Greter, 13.05.2022, 10:55 Uhr

      «Gegen das Drausssitzen bei einem gepflegten Glas Rotwein, einem interessanten Gespräch hat niemand etwas.»

      Gegen das gelegentliche Gejohle von Nachtschwärmern hat auch niemand (in der Altstadt wohnend) etwas. Ach halt mal, man sollte ja nie von sich auf andere schliessen 😉

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      1. Michel von der Schwand, 13.05.2022, 13:37 Uhr

        Es lebe die Ballermannsche-Sauglattismus-Gesellschaft. Hirn aus, Alkohol rein und ab in den Jungelcamp. Das Land braucht Bildung!

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  3. Paul, 12.05.2022, 21:31 Uhr

    Ich wohne in der stadt um die ruhe zu geniessen. Die kühe, der bach und der wind sind mir zu laut auf dem land.

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    1. Rene, 13.05.2022, 08:07 Uhr

      Auch in der Stadt darf man ein bisschen Rücksicht aufeinander nehmen. Mit gesundem Menschenverstand hätten wir solche Diskussionen gar nicht.

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      1. Mallogan, 13.05.2022, 10:01 Uhr

        …….schön wär`s. Aber in Wirklichkeit macht sich die Rücksichtslosigkeit breiter und breiter !

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  4. B Suter, 12.05.2022, 14:25 Uhr

    Bin selbst Innenstadtbewohner. Eine Stadt muss leben. In den letzten Jahren entwickelt sich dir Stadt leider immer mehr zur biederen Schlafstadt. Clubs schliessen, Kinos schliessen, die Leute motzen und die Jungen ziehen nach Zürich. Dass das sogar als Erfolg gewertet wird sagt einiges über die Gesinnung unserer Politiker und Polizei. Luzern braucht eher ein Rettungspaket: Ausweitung der Öffnungszeiten, abschaffen der Billetsteuer, Lockerung der Nachtruhe, ausbau des öv‘s, subvention nicht kommerzieller nachtkultur und den kommerziellen Anbieter nicht nur Steine in den Weg legen.

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