Nach Kündigungen im Herti-Quartier

Stadt Zug muss Obdach für rausgeworfene Mieter prüfen

An der St.-Johannes-Strasse 23 im Zuger Herti-Quartier müssen 30 Mietparteien auf einen Schlag raus. (Bild: Screenshot: Google Maps)

Nicht alle Mieter, die wegen Sanierungen ihre Wohnungen verlassen müssen, können später wieder dort einziehen. Daher fordert die GLP Zwischenwohnungen. Die Stadt muss sich nun mit dem Thema befassen.

Plötzlich liegt ein Schreiben im Briefkasten. Darauf steht: Der Vermieter informiert, dass die gesamte Liegenschaft saniert werde. Man müsse die Wohnung verlassen. Nach der Gesamtsanierung dürfe man sie wieder beziehen.

Diese Erfahrung machten in den vergangenen Wochen nicht wenige Mieter im Kanton Zug. Erst vor einer Woche wurde bekannt, dass 30 Mietparteien in einem 15‑stöckigen Mehrfamilienhaus im Herti-Quartier in Zug für neun Monate ihre Wohnung verlassen müssen (zentralplus berichtete). Auch in Steinhausen verlieren 31 Mietparteien ihr Zuhause (zentralplus berichtete).

GLP will Reservationssystem für Zwischenwohnungen

Ein Teil von ihnen kehre nach der Bauzeit zurück in die Wohnungen, müsse dann aber häufig einen höheren Mietzins zahlen. Andere verliessen das Quartier oder Zug für immer, weil sie keine Zwischenlösung fänden, schreiben die Grünliberalen in einer Motion, die am Dienstag im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug behandelt wurde.

«Vorstellbar ist ein ausreichend grosses Gebäude, welches eine breite Palette an flexiblen, anpassungsfähigen Wohnabteilungen bietet.»

GLP

Die Grünliberalen fordern die Stadt Zug darin auf, sogenannte Zwischenwohnungen zur Verfügung zu stellen. Dies könne die Stadt selbst oder mit passenden Eigentümern wie der Korporation machen. «Vorstellbar ist ein ausreichend grosses Gebäude, welches eine breite Palette an flexiblen, anpassungsfähigen Wohnabteilungen bietet», schreibt die Partei. Auch Vereinbarungen im Rahmen von Bebauungsplänen könnten diesen Zweck erfüllen.

Die Zwischenwohnungen dürften ruhig «flächenmässig nicht ganz so üppig daherkommen», heisst es weiter. Die GLP stellt sich vor, dass Vermieter künftig Zwischenwohnungen für ihre Mieter reservieren und ihre Sanierungspläne nach den freien Plätzen ausrichten.

SVP befürchtet «Nanny-Staat»

Die Sprecher im Zuger Stadtparlament waren sich parteiübergreifend recht einig: Interessant sei der Vorschlag allemal, ein wenig blauäugig aber auch. «Wären Zwischenwohnungen wirtschaftlich interessant, gäbe es sie schon lange», sagte Roman Küng (SVP).

«Zwischenwohnungen – eine an sich schöne Idee.»

Roman Küng, SVP-Gemeinderat

Es sei beinahe unmöglich, die Idee umzusetzen, ergänzte er. Die SVP wolle zudem keinen «übervorsorglichen, allumfassenden Nanny-Staat» auf Kosten der Steuerzahler befördern. Er beantragte für die SVP die Nichtüberweisung der Motion. Die Grundidee faszinierte Roman Küng dann aber doch: «Zwischenwohnungen – eine an sich schöne Idee.»

Die Bewohner des Hauses an der Zugerstrasse 5 in Steinhausen müssen ihre Wohnungen in einem Jahr verlassen. (Bild: wia)

«Wir begrüssen, dass die GLP die Problematik aufs politische Parkett hebt», sagte Albina Fässler (SP). Auch für sie liess die Motion allerdings zu viele Fragen offen: Wer mietet die Zwischenwohnungen, und wer bezahlt sie? Was passiert mit den Möbeln während der Sanierungszeit? Die SP beantragte daher die Umwandlung in ein Postulat.

Auch Mitte und FDP befanden ein Postulat als geeigneter für das Thema. Der Stadtrat solle die eingebrachten Forderungen prüfen und Bericht erstatten, ob Massnahmen möglich seien, meinte Werner Hauser (FDP).

Der Stadtrat wird sich damit beschäftigen

Zuletzt trat auch der Mitunterzeichner David Meyer (GLP) hinters Rednerpult. Die Motion seiner Partei «sei machbar». Sie hätten sich bewusst entschieden, einen eher offenen Vorstoss loszuschicken, der später konkreter werden könne.

«Es gibt sieben oder acht Eigentümer dort, wie lösen die das?»

David Meyer, Gemeinderat Grünliberale

Wichtig sei das Thema auch hinsichtlich des Bebauungsplans Baarerstrasse West, über den die Gemeinderäte im Juni befinden werden (zentralplus berichtete). Wenn an der Baarerstrasse künftig gebaut werde, würden Hunderte ihre Wohnungen verlassen müssen, erklärte David Meyer. «Es gibt sieben oder acht Eigentümer dort, wie lösen die das?»

Auch er beantragte eine Umwandlung in ein Postulat. Bei der anschliessenden Abstimmung wurde die von der SVP beantragte Nichtüberweisung abgelehnt und der nun zu einem Postulat umgewandelte Vorstoss überwiesen. Der Stadtrat hat jetzt zwölf Monate Zeit, um sich mit dem Thema Zwischenwohnungen zu beschäftigen.

Verwendete Quellen
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