Vor Abstimmung in Zug

Tunnelbau ohne Konzept: Regierung erneut unter Druck

Der Zuger Regierungsrat: Erneut muss der Baudirektor Florian Weber (links) ihr Vorgehen verteidigen. (Bild: zvg)

Noch drei Wochen, bis Zug über zwei Tunnel für eine Milliarde Franken abstimmt. Erneut flammt Kritik auf, dass der Zuger Tunnel unausgereift sei.

Wieder gerät die Zuger Regierung unter Druck, wichtige Informationen zur Tunnel-Abstimmung am 3. März nicht ausgewiesen zu haben. Alexander Erath, Professor Verkehr und Mobilität an der Fachhochschule Nordwestschweiz, kritisiert in der «NZZ», dass die relevanten Vorstudien nicht auf der Projektwebsite des Kantons auffindbar seien.

Bauen ohne Konzept, lautet der Vorwurf

So bleibe unklar, «ob echte Alternativen zum ‹weiter wie bisher› geprüft worden sind», so Erath. Zumal sich die Fahrzeiten bei der Benutzung des Umfahrungstunnels in der Stadt Zug sogar verlängern werden. Eine Verkehrsverlagerung aus dem Zentrum könne nur erreicht werden, wenn die Fahrtenanzahl begrenzt würde – zum Beispiel durch eine elektronische Zugangskontrolle.

Seine Vorwürfe stützt in dem Artikel Richard Rüegg (Mitte), Gemeinderat und Präsident der Bau- und Planungskommission. «Die Stadt und der Kanton Zug wollen einen Strassentunnel bauen, bevor ein Verkehrskonzept erstellt wurde.» Zentrale Punkte seien noch unklar, zum Beispiel wie der Verkehr von der Tunnelausfahrt weggeführt wird.

Der Zuger Baudirektor Florian Weber (FDP) betont, die Regierung wäre mit Alternativplänen und Berechnungen transparent umgegangen. «Die generellen Projekte wurden im Zusammenhang mit der Richtplananpassung im Internet aufgeschaltet», zitiert ihn die «Zuger Zeitung»

Eine Welle der Kritik wegen Verkehrsdaten

Die Breitseite erwischt die Zuger Regierung nicht in bester Verfassung. Sowohl auf Gemeindeebene als auch im Kantonsrat haben linke Parteien den Vorwurf geäussert, die Regierung hätte zentrale Verkehrsdaten verschwiegen. Diese zeigen, dass der Verkehr im Zuger Zentrum in den letzten Jahren abgenommen hat (zentralplus berichtete).

Kürzlich hat die Zuger Regierung geantwortet und die Vorwürfe zurückgewiesen (zentralplus berichtete). Nun ist auch eine Antwort des Stadtrats eingetroffen. Er stellt sich hinter die Linie der Kantonsregierung und betont die Prognosen des kantonalen Gesamtverkehrsmodell. Kurzum: Ohne Umfahrungen werde der Verkehr bis 2040 zunehmen.

Am 3. März stimmen die Zuger Stimmbürger über zwei Umfahrungstunnel ab, die die Gemeinde Unterägeri und die Stadt Zug vom Verkehr entlasten sollen. Ein vergleichbarer Stadttunnel in der Stadt Zug scheiterte 2015 an der Urne.

Hinweis: Alexander Erath wurde von unbekannten Privatpersonen aus dem bürgerlichen Lager für seine Einschätzungen zur Umfahrung Zug beauftragt. Das bestätigte er nach Erscheinen dieses Artikels gegenüber zentralplus. Schätzungsweise hat er für seine Arbeit 2000 Franken erhalten (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Antwort des Stadtrats auf eine Interpellation der SP und ALG-CSP
  • Artikel in der «NZZ»
  • Artikel in der «Zuger Zeitung»
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