Wegen Umfahrungstunnel

Linke verdächtigen Zug, Verkehrsdaten zurückzuhalten

Stau in der Zuger Bahnhofstrasse ist normal: Doch Daten des Kantons zeigen, dass die Verkehrsmenge abnimmt. (Bild: Andreas Busslinger)

Rund einen Monat vor der kantonalen Abstimmung zum Umfahrungstunnel Zug müssen sich die Regierungen erklären. Denn eine schwere Anschuldigung steht im Raum.

«Es kommt der Verdacht auf, dass der Stadtrat die Verkehrsdaten bewusst nicht kommuniziert hat.» Besagte Daten hätten nämlich den Nutzen des Umfahrungstunnels infrage gestellt. Das schreiben die Fraktionen SP und ALG/CSP in einer am Sonntag eingereichten Interpellation. Und fordern von der Zuger Stadtregierung klare Antworten. Auch auf Kantonsebene hat die SP-Fraktion eine inhaltlich gleiche Anfrage an die Regierung eingereicht.

Die Linken beziehen sich dabei auf Verkehrsdaten der Zuger Baudirektion, welche die «Zuger Zeitung» vergangene Woche veröffentlicht hat. Sie zeigen, dass der städtische Verkehr in den letzten zehn Jahren in der Zuger Innenstadt abgenommen hat – auch an Hotspots wie dem Bundesplatz. Das widerspricht dem Narrativ, dass Zug einen Umfahrungstunnel brauche, um den wachsenden Verkehrsmengen Herr zu werden, wie es Stadt und Kanton im Vorfeld der Abstimmung verwendet haben.

Baudirektor ordnet Verkehrsdaten für Zug ein

Von der «Zuger Zeitung» konfrontiert, erklärte der Baudirektor Florian Weber die sinkenden Verkehrsmengen als Wirkung der Nordstrasse und der Tangente (zentralplus berichtete). Gleichzeitig führte Weber aus, dass sich der Verkehr auf andere Verkehrsachsen verlagert hätte. Ausserdem erwarte der Kanton basierend auf dem kantonalen Gesamtverkehrsmodell deutlich mehr Verkehr in den nächsten Jahrzehnten. Prognosen des Bundes würden die Einschätzung stützen.

Für die ALG, CSP und SP ist das kein überzeugendes Argument. In den letzten zehn Jahren sei die Bevölkerungszahl und die Anzahl Beschäftigter in Zug gestiegen, die Verkehrsmenge aber gesunken, schreiben sie in ihrer Interpellation. Und resümieren: «Die Diskrepanz zwischen den kommunizierten Prognosen und den tatsächlichen Verkehrsdaten bzw. der Trend, der sich daraus ableiten lässt, irritiert.»

Verwendete Quellen
  • Artikel in der «Zuger Zeitung»
  • Interpellation der ALG, CSP, SP im Grossen Gemeinderat
  • Kleine Anfrage der SP im Kantonsrat
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2 Kommentare
  • Profilfoto von Hans Peter Roth
    Hans Peter Roth, 06.02.2024, 00:53 Uhr

    Nicht nur das sinkende Verkehrsaufkommen der letzten zehn Jahre wurde der Öffentlichkeit vorenthalten. Auch die Prognosen für die Zeit nach den Tunneleröffnungen sind offenbar Fantasieprodukte, denn für eine wissenschaftlich fundierte Vorhersage hätte man genaue Verkehrsmessungen an mehreren Tagen machen müssen, um herauszufinden, wie gross der Anteil der Fahrzeuge ist, welche als Quelle oder Ziel das Zentrum von Zug, bzw. Unterägeri haben. Diese vielen Autos werden auch in Zukunft nicht durch die Tunnels fahren. Aufgrund der fehlenden und fehlerhaften Informationen für die StimmbürgerInnen muss die Abstimmung als ungültig erklärt werden.

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  • Profilfoto von Mario Huber
    Mario Huber, 05.02.2024, 18:24 Uhr

    Es scheint, die Regierung möchte den Stadttunnel auf Biegen und Brechen. Egal wie unbeliebt dieser ist oder was die Datenlage aussagt.

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