EV Zug

Der Stärkevergleich vor dem Halbfinal-Auftakt
Der EVZ hält gegen den HC Davos alle Trümpfe in der Hand

  • EV Zug
Wer setzt sich beim Kräftemessen zwischen dem HC Davos (links Dominik Egli) und dem EV Zug (rechts Jérôme Bachofner) ums Finalticket durch? Nach unserer Einschätzung spricht alles für den Titelverteidiger. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Der Titelverteidiger EV Zug wird wahrscheinlich zum dritten Mal in Serie in den Playoff-Final brausen. Denn in jedem Gesichtspunkt sind die Zuger besser aufgestellt als die Bündner. Aber Achtung: das ist bloss auf dem Papier so!

Schon drei der vier Quali-Duelle gegen den HC Davos hat der EV Zug für sich entscheiden können. Auffällig dabei: Den Bündnern sind in keinem Spiel mehr als zwei Tore gelungen. Selbst beim einzigen Sieg nicht (2:0 vor eigenem Publikum).

Für die am Freitag beginnende Halbfinalserie in der Zuger hat das, was war keine Bedeutung mehr. Im besten Fall lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass den Zugern das System der Davoser besser liegt als umgekehrt.

zentralplus hat die beiden Kontrahenten anhand von sieben wichtigen Aspekten bewertet:

1. Goalie

: hat den EV Zug durch die Playoffviertelfinals getragen. Ohne seinen starken Rückhalt – vor allem in den ersten drei Spielen gegen Lugano – wäre der Titelverteidiger nicht auf kürzestem Weg durch die Serie gekommen. Der Meistergoalie ist mit einer Abwehrquote von gut 94,4 Prozent der Klassenprimus in den Viertelfinals. Das ist kaum verwunderlich: Je mehr auf dem Spiel steht, umso unüberwindlicher wird in aller Regel Leonardo Genoni (zentralplus berichtete).

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Davos: Sandro Aeschlimann, von 2016 bis 2019 im EVZ engagiert, ist der Goalieaufsteiger der Saison. Und der Beste in der Qualifikation mit einer Abwehrquote von gut 94,1 Prozent. Das hat dem 27-jährigen Berner ein Olympiaaufgebot eingetragen. Genoni sagte über die gemeinsamen Trainingseinheiten in Peking: «Sandro Aeschlimann erreicht ein hohes Wettkampfniveau, weil er selbst in vermeintlich aussichtslosen Situationen niemals aufgibt. Davon kann ich mir eine grosse Scheibe abschneiden.» Allerdings hat Aeschlimann noch kein Team zu einem Titelgewinn führen können. Mit seinen gut 91,7 Prozent ist er der Halbfinalgoalie mit der tiefsten Abwehrquote.

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2. Verteidigung

EVZ: Mit neun Gegentoren in vier Viertelfinalspielen waren die Zuger schon nahe an der Zielvorgabe von Goalie Leonardo Genoni. Dessen Credo lautet: «Mit höchstens zwei oder weniger Gegentoren pro Spiel hast du gute Aussichten auf den Titelgewinn.» Verteidigungsminister Niklas Hansson und sein schwedischer Landsmann Christian Djoos sind die Zugpferde in der Abwehr (zentralplus berichtete). Dominik Schlumpf und Samuel Kreis haben punkto defensiver Verlässlichkeit noch Luft nach oben.

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Davos: Magnus Nygren hat seine drei Spielsperren abgesessen und ist wieder einsatzbereit. Die Behauptung, die Absenz des schwedischen Verteidigungsministers hätte die Davoser Abwehr fragiler werden lassen, ist so nicht korrekt. Im Gegenteil: Durch die Hereinnahme von Kristian Pospisil wurde die Feuerkraft des Sturms erhöht. In der Qualifikation hatte Davos die zweitstabilste Abwehr hinter den Zugern. Mit sechs Gegentoren bei ihren letzten vier Siegen über Rapperswil haben sie wieder defensive Stabilität demonstriert. Allerdings besitzt die Davoser Verteidigung weniger Feuerkraft im Vorwärtsgang.

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3. Sturm

EVZ: 19 Tore haben die Zuger in vier Viertelfinalspielen gemacht. Das ist erstklassig. Weniger als die Hälfte davon aber bloss bei gleichem Spielerbestand. Und das zeigt, dass die Angriffsmaschinerie des Meisters noch nicht auf allen Zylindern rund läuft. Mit der bisherigen Ausbeute von einem Tor und zwei Assists wird Grégory Hofmann kaum mit sich zufrieden sein. Vorteilhaft aber aus Zuger Sicht: Alle vier Sturmlinien können Tore schiessen. Und im Überzahlspiel mit mindestens einem Mann mehr haben die Zuger eine Effizienz von über 41 Prozent. Das zeugt von Gnadenlosigkeit.

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Davos: Der alte Mann und seine Liebe zum : Der 38-jährige Andres Ambühl ist ein Phänomen. Er ist der Captain, der Antreiber und mit je vier Toren und Assists der Topskorer seiner Mannschaft. So wertvoll wie jetzt war der Flügel seit der Meistersaison 2011/12 mit den ZSC Lions (14 Punkte in 15 Spielen) nicht mehr. Der Routinier stellt damit bislang die teaminternen Scharfschützen wie Mathias Bromé oder Matej Stransky in den Schatten. Das Problem der Bündner: Für gewöhnlich erzeugen nur zwei der vier Sturmreihen echte Torgefahr.

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4. Ausländer

EVZ: Er hat es letzte Saison auf beeindruckende Art und Weise demonstriert. Und warum sollte er es in diesen Playoffs nicht wiederholen? Genius Jan Kovar hat alle Fähigkeiten, um den entscheidenden Unterschied auszumachen. Er kann Tore schiessen und mit seiner Vista die Mitspieler besser machen. Dazu machen die schwedischen Verteidiger Niklas Hansson und Christian Djoos nicht erst seit Playoffbeginn «bella figura». Derweil haben Anton Lander und Carl Klingberg noch Steigerungsbedarf.

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Der tschechische Genius Jan Kovar war im letzten Playoff einer der treibenden Kräfte der Zuger auf dem Weg zum zweiten Titelgewinn der Vereinsgeschichte nach 1998. (Bild: Pascal Muller/freshfocus)

Davos: Trainer Christian Wohlwend hat die Qual der Wahl. Richtig Fahrt aufgenommen hat sein Team erst, als er den für einen Check gegen den Kopf gesperrten Verteidiger Magnus Nygren durch Kristian Pospisil ersetzen musste. In der Qualifikation lagen die Davoser Stürmer Mathias Bromé und Matej Stransky noch vor dem Zuger Topskorer Jan Kovar, in der entscheidenden Meisterschaftsphase haben sie aber bislang nachgelassen. Auch wenn die beiden im siebten Spiel in Rapperswil das herrliche 1:0 gemeinsam zelebriert haben (zentralplus berichtete).

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5. Über- und Unterzahlspiel

EVZ: Die «special teams», so der Hockey-Fachbegriff, erhalten in den Playoffs entscheidende Bedeutung. In engen Spielen können die Situationen mit mindestens einem Mann mehr oder weniger auf dem Eis den Ausschlag geben. Im Überzahlspiel sind die Zuger in den bisherigen Playoffs eine Wucht. 24 Powerplay-Gelegenheiten haben sie in zehn Tore verwandelt. Und im Unterzahlspiel haben sie in vier Spielen drei Gegentore einstecken müssen. Das ist bei total 16 Boxplays in Ordnung.

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Davos: Auch die Davoser können Powerplay. Das haben sie im letzten Heimspiel der Viertelfinalserie (7:3) gegen Rapperswil-Jona gezeigt, als sie jede der drei gegnerischen Strafen ausgenutzt haben. Im Vergleich zur Qualifikation ist ihnen in den Playoffs eine deutliche Steigerung gelungen. Trotzdem sind sie nur fast so gut wie die Zuger. Im Unterzahlspiel hingegen sind die Davoser bislang zu anfällig auf Gegentore.

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6. Energie

EVZ: Nicht nur, dass der Titelverteidiger drei Spiele weniger benötigte für den Halbfinaleinzug. Er hat zuvor schon den Quali-Sieg errungen, ohne dass die besten Kräfte über die Leistungsgrenze hinaus beansprucht werden mussten. Nun kann es sich auszahlen, dass Cheftrainer im gesamten Saisonverlauf konsequent vier Linien laufen liess. Je länger die Halbfinal-Serie dauert, umso eher wird der Energie-Level den Ausschlag zu Gunsten der Zuger geben.

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Davos: Wer die Serie nach einem 0:3-Rückstand nach Siegen noch dreht, ist mental am Fliegen. Seitdem die Playoff-Serien im Best-of-7-Modus ausgetragen werden, ist eine solche Wende erst zum vierten Mal gelungen (2005/06 Lugano gegen Ambri und 2006/07 Zug gegen Rapperswil). Davos zeichnete sich zum zweiten Mal verantwortlich (nach 2007/08 gegen den EV Zug). Das Ausscheiden in extremis vermieden zu haben, verleiht den Bündnern eine breite Brust. Aber sie werden den sieben Spiele dauernden sportlichen Überlebenskampf gegen Rapperswil zu spüren bekommen, je länger die Serie dauern sollte.

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7. Trainer

EVZ: Das Playoff und Dan Tangnes sind gut Freunde (zentralplus berichtete). Sechs der sieben Playoffserien hat der 43-jährige Norweger gewonnen, seit er 2018 Cheftrainer der Zuger geworden ist. Nur den Playoff-Final 2019 verlor er gegen den SCB. Kein anderer Trainer in der Liga arbeitet derzeit so erfolgreich wie er. Weil es Dan Tangnes bislang immer geschafft hat, das Beste aus jedem Einzelspieler herauszuholen, um die Mannschaft noch kompetitiver und schlagkräftiger zu machen.

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Davos: Hat es der HCD wegen oder trotz seines Coachs Christian Wohlwend in die Halbfinals geschafft? Eine ketzerische Frage, gewiss. Aber der von jeglichem Charisma unbelastete Wohlwend ist mit seiner umstrittenen Kommunikation bislang den Nachweis schuldig geblieben, dass er eine Mannschaft zum Erfolg führen kann. Wäre er gegen Rapperswil sang- und klanglos ausgeschieden, hätte in der internen Analyse wohl ein Playoff um seinen Job begonnen. Gegen den Meister kann Wohlwend zeigen, ob er seiner Mannschaft entscheidende Impulse vermitteln kann.

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Endergebnis

EVZ: 31 von 35 Pucks

Davos: 21 von 35 Pucks

Unser Tipp für den Ausgang dieses Halbfinals: 4:2-Siege für Zug gegen Davos.

Verwendete Quellen
  • Jahrelange Erfahrung des Autors
  • Verschiedene Gespräche mit EVZ-Protagonisten
  • Statistiken via National League
Weitere Quellen
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4 Kommentare
  1. Fischi, 07.04.2022, 16:06 Uhr

    «Aber der von jeglichem Charisma unbelastete Wohlwend ist mit seiner umstrittenen Kommunikation bislang den Nachweis schuldig geblieben, dass er eine Mannschaft zum Erfolg führen kann.» Ist der Einzug in ein Playoff-Halbfinal (nach 0:3 Rückstand) denn kein Erfolg? An der WM-Silbermedaille der Hockey-Nati hat er auch einen sehr grossen Anteil als Assistenztrainer.
    Kein Wunder haben Schweizer Trainer fast keine Lobby in der National League, bei solchen Berichten. Seine Persönlichkeitsentwicklung enthält mehr Charisma als Sie Herr Ineichen sich je zu erträumen dürften. Schade, ich habe Sie immer gerne gelesen, aber Sie driften immer mehr ab ins boulevardeske…

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    1. Thomas Aeberhard, 07.04.2022, 16:47 Uhr

      Der Spruch mit dem Charisma ist tatsächlich unnötig. Doch wer in den Öffentlichkeit so gegen seine eigenen Spieler austeilt wie Wohlwend muss sich seinerseits nicht über Kritik wundern. Davon abgesehen finde ich die Analyse von Herr Ineichen nachvollziehbar und süffig geschrieben.

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      1. Fischi, 08.04.2022, 06:29 Uhr

        Aber Herr Aeberhard, genau diese Maßnahme von Chregu hat doch die Kehrtwende gebracht, ab dann verlor das Team kein Spiel mehr gegen Rappi, was ja das sofortige Playoff-Out bedeutet hätte. Verstehn Sie und Herrn Ineichen diesen genialen Schachzug nicht? Natürlich funktioniert der nur höchstens einmal im Jahr, aber der Zeitpunkt war genau der Richtige. Übrigens versucht jetzt der FCL-Trainer vor dem kapitalen GC-Spiel nun genau dasselbe….

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  2. Michel von der Schwand, 07.04.2022, 12:25 Uhr

    Eigentlich ist Eishockey kein Sport für Weicheier, sollte man meinen. Aber in den geheizten Eventhallen der Flachland-Eishockey-Vereine sitzten sie dann eingepackt in Wolldecken und trinken Prosecco. Da tut ein Check halt schon mal etwas mehr weh.

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