Er wechselte als Headcoach zum HC Davos

Das sagt EVZ-Vereinsikone Josh Holden zu seinem Abschied

Josh Holden kehrt Zug beruflich den Rücken. Dennoch bleibt der neue HCD-Trainer mit einem Fuss noch in der Zentralschweiz. (Bild: wia)

Eine EVZ-Vereinsikone hat sich von Zug verabschiedet. Josh Holden, der dem Verein seit 2008 treu diente, wechselte kürzlich als Headcoach zum HC Davos. Im Interview mit zentralplus spricht der einstige Zuger Leitwolf über seinen neuen Job, seine «Homebase» und die Wichtigkeit der Psychologie.

Josh Holden (45) ist eine EVZ-Legende. Der Kanadier kam 2008 als Importspieler zum Verein, mauserte sich zum Publikumsliebling und Topscorer und hielt den Zugern auch nach seinem Karriereende 2018 als Coach-Assistent die Treue. In dieser Rolle holte er mit dem EVZ einen Cup- sowie zwei Meistertitel. Nun hat sich Holden auf unbekanntes Terrain gewagt. Die ehemalige «27» übernahm kürzlich die Headcoach-Funktion des HC Davos. zentralplus hat den früheren Zuger «Leitwolf» und künftigen Davoser Cheftrainer zum Interview getroffen.

zentralplus: Josh Holden, Sie haben bereits mit dem HC Davos zu arbeiten begonnen. Wie liefs bis jetzt?

Josh Holden: So weit, so gut. Wir hatten sogleich Meetings, um das Coach-Team zu formieren und Waltteri Immonen und Glen Metropolit an Bord zu holen. Wir trafen uns zudem mit den Trainern der U20 und U17, wovon einige ehemalige HCD-Spieler sind. Etwa Dino Wieser, Thomas Wellinger, Félicien Du Bois oder René Müller. Ihnen zeigte ich auf, was ich vorhabe. Sie waren, nun, interessiert. (lacht)

zentralplus: Interessiert?

Holden: Ja, sie fragten sich wohl zunächst, in welche Richtung meine Pläne gehen würden. Letztlich war das Treffen jedoch sehr gut. Hockey ist grundsätzlich dasselbe Spiel, egal mit welchem Team. Die Feinabstimmung hingegen unterscheidet sich. Zwar vielleicht nur im Detail, doch wenn man als Team an etwas gewöhnt ist, ist es zunächst schwierig, sich vorzustellen, dass es auch anders funktionieren könnte. Entsprechend wurde ich mit einer Menge Fragen konfrontiert. Das ist auch gut.

«Dan Tangnes hat mir beigebracht, was es braucht, um ein Coach zu sein, dennoch sind unsere Persönlichkeiten sehr unterschiedlich.»

zentralplus: Hängt das mit dem skandinavischen Stil zusammen, den Sie in Zug bei Dan Tangnes während der vergangenen fünf Jahre gelernt hatten?

Holden: Ja und nein. Ich habe bei Dan Tangnes viel gelernt in den vergangenen fünf Jahren. Dennoch muss ich mich selbst bleiben. Wenn du an der Uni fünf Jahre beim gleichen Professor studierst, dann lernst du zwar viel über ein bestimmtes Fach, dies jedoch immer im Kontext mit seiner persönlichen Haltung und Einschätzung zum Thema. Klar hat man als Student eigene Ideen und Gedanken. Von Dan – meinem Mentor – habe ich gelernt, hart zu arbeiten. Er hat mir beigebracht, was es braucht, um ein Coach zu sein, dennoch sind unsere Persönlichkeiten sehr unterschiedlich. So kommunizieren wir beispielsweise sehr unterschiedlich, auch mit den Spielern. Es ist lustig: Ich glaube, über die Jahre habe ich ihn gelehrt, etwas ruhiger zu werden, er im Gegenzug hat mich herausgefordert, Entscheidungen zu fällen und selbstbewusster zu werden.

zentralplus: Inwiefern?

Holden: Als Coach muss man oft schnell entscheiden. Wenn man das nicht tut, verliert man Momentum. Später kann man sich überlegen, ob die Taktik funktioniert hat. Wenn nicht, gehts trotzdem voran. Man muss weitermachen und darf sich nicht zu sehr den Kopf zerbrechen über die Vergangenheit.

zentralplus: Ihre Arbeit mit dem ganzen Team beginnt im August. Sind Sie nervös?

Holden: Nervös nicht. Aufgeregt und gespannt eher. Die Grundlagen, wie wir als Coach-Team arbeiten wollen, sind gelegt. Nun gilt es, diese in der Praxis und im täglichen Training umzusetzen. Dann bleibt immer noch Zeit, Anpassungen zu machen. Es lohnt sich jedoch nicht, sich darüber jetzt schon den Kopf zu zerbrechen.

zentralplus: Hatten Sie gehofft, in Zug Headcoach zu werden?

Holden: Nein. Es war zwar mein Plan, in Zug zu spielen und dort als Coach-Assistent zu arbeiten, aber nicht als Headcoach. Dafür wollte ich weg. Das sagte ich Dan Tangnes 2018 auch klar: «Ich will deinen Job nicht. Ich will von dir lernen und sehen, was es dafür braucht, um es dann selbst woanders auszuprobieren.» Im Januar ergaben sich die beiden Möglichkeiten mit Salzburg und Davos.

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Assistenztrainer Josh Holden im Februar 2023 beim Spiel gegen Ajoie. Im Hintergrund zu sehen: Cheftrainer Dan Tangnes. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Und dann?

Holden: Dan ermunterte mich, mich zu bewerben. Er fand, jetzt sei die Zeit reif. Die Option wäre gewesen, weiterhin als Coach-Assistent für ihn zu arbeiten. Das wären dann insgesamt womöglich sieben, acht Jahre geworden. Aber was dann? Darum traf ich mich zunächst mit dem Team in Salzburg. Mit der Hockey Academy funktioniert das System dort sehr ähnlich wie bei uns in Zug. Daher wäre das wohl eine komfortable Lösung geworden.

zentralplus: Aber?

Holden: Aufgrund der Situation mit meiner Familie habe ich mich dagegen entschieden. Meine drei Töchter sind im Alter zwischen 18 und 22, sie gehen zur Schule respektive studieren. Es wäre nicht gut gewesen, sie dem bestehenden System zu entreissen. Daneben war für mich die Arbeit mit einem Schweizer Team insofern interessant, als ich mich bereits gut auskenne. Ich kenne die Spieler, die Arena, die meisten Coaches, die Fans und die Kultur. In Davos muss ich nicht bei null anfangen.

«Wenn ich hinter der Bande entspannt bin, verunsichere ich die Spieler nicht unnötig.»

zentralplus: Wie viel Zug bringen Sie nach Davos?

Holden: Vermutlich nicht viel. Davos hat seine eigene Kultur. Davos ist ein Hockey-Dorf mit einer langen Geschichte. Der Vibe in der Businessstadt Zug ist etwas anders. Ich gehe nach Graubünden, um mich zu integrieren. Für mich ist es ein neuer Kanton, in dem eine etwas andere Mentalität herrscht. Darauf freue ich mich. Aber klar, ich bringe meinen eigenen Coaching-Stil mit. Das Team hat seine eigene Spielart. Diese versuche ich aufzufrischen. Ich will ihnen das Wissen mitgeben, um so gut wie möglich zu spielen.

zentralplus: Wo liegt der Unterschied zwischen Josh Holden als Hockeyspieler und Josh Holden als Coach?

Holden: Ich denke, in der Rolle als Coach bin ich fokussierter, ruhig, direkter. Kinder spüren sofort, wenn ihre Eltern wütend sind. Dasselbe gilt als Coach. Wenn ich hinter der Bande entspannt bin, verunsichere ich die Spieler nicht unnötig. Sie können fokussiert und frei spielen und den Plan ausführen, den wir gemeinsam erarbeitet haben.

zentralplus: Diese Ruhe, von der Sie sprechen, müssen Sie vermutlich auch sonst in Ihrem Leben praktizieren, um sie auch in potenziell stressigen Momenten wahren zu können. Wie machen Sie das?

Holden: Als junger Vater kam es immer wieder vor, dass ich mit den Kindern unruhig und auch mal laut wurde. Irgendwann aber merkte ich, dass das nichts bringt und dass es mehr Sinn macht, die Situation mit ihnen zu besprechen. Mittlerweile habe ich diese Ruhe in mein Familienleben integriert. Das hat jedoch eine gewisse Zeit gebraucht.

Josh Holden, als er noch die «27» trug. (Bild: Martin Meienberger)

zentralplus: Psychologie ist erwiesenermassen ein grosser Teil des Eishockeys.

Holden: Vielleicht der grösste. Doch bedeutet die Arbeit auf psychologischer Ebene eine Menge Arbeit. Für die Spieler ist es einfacher, schnelle Zufriedenheit zu suchen, anstatt über eine längere Zeit an psychologischen Faktoren zu arbeiten. Doch wenn ich selbst zurückblicke auf die Hürden, die ich als Spieler zu bewältigen hatte, und auch daran gemessen, was ich als Coach gesehen habe, muss ich sagen: Der Unterschied zwischen dem Sieg und der Niederlage einer Meisterschaft liegt in der mentalen Verfassung des Teams.

«Die Zuger Spieler haben es in der vergangenen Saison nicht geschafft, klar zu denken und frei zu sein im Spiel.»

zentralplus: War das auch vergangene Saison der Fall?

Holden: Ja. Wir schafften es schlicht nicht über diesen Berg. Wir gewannen zwei, drei Spiele, dann verloren wir wieder. Wir kamen nie richtig ins Rollen. Die Jungs fühlten sich müde und konnten dieses Gefühl nicht abstreifen. Man darf sich der Müdigkeit jedoch in dieser Phase nicht hingeben, sondern muss weitermachen. Die Spieler der unterschiedlichen Mannschaften stehen alle auf dem gleichen Fitnesslevel. Hier entscheidet einzig die mentale Verfassung. Doch haben es die Spieler in der vergangenen Saison nicht geschafft, klar zu denken und frei zu sein im Spiel.

zentralplus: Obwohl Sie nun in Davos leben, müssen Sie sich von Zug nicht ganz loslösen. Wie ist das für Sie?

Holden: Genau. Zug wird weiterhin die «Homebase» meiner Mädchen bleiben, war dies doch unser Zuhause während der vergangenen 15 Jahre. Ich ziehe nach Davos, meine Frau kommt mit. Es wäre anders, wenn sie bereits ausgezogen wären. Meine Frau wird mal hier, mal in Davos sein, und auch mir ist es wichtig, meine Mädchen zu sehen. Vermutlich werde ich hier ab und zu auch mal Rasen mähen oder zum Ökihof fahren müssen. (lacht.)

zentralplus: Wie fühlt sich dieser Neustart auf persönlicher Ebene an?

Holden: Ich sehe es eher als neues Kapitel denn als Neustart, steht doch die Zeit davor damit in Verbindung. Diese Entwicklung wird aber sicher gut für unsere Familie sein. Unsere Töchter sind gezwungen, selbständiger zu werden. Sie wissen, dass sie nicht ewig zu Hause bleiben können. Mittlerweile haben sie alle neben der Schule auch Jobs und verdienen etwas Geld. Ich will nicht, dass sie diese Selbständigkeit von null auf hundert lernen müssen. Es ist mir wichtig, mit ihnen die Situation anzuschauen und herauszufinden, welchen Weg sie in Zukunft gehen möchten.

zentralplus: Sie coachen quasi Ihre Töchter?

Holden: (lacht.) Genau.

«Der Wunsch, einst in den Bergen zu leben, liess mich jedoch nie los, bis heute.»

zentralplus: Was mögen Sie an Zug besonders?

Holden: Die Nachbarschaftlichkeit. Wir wurden hier von Anfang an sehr gut behandelt, man liess uns aber auch unsere Privatsphäre. Es gibt hier alles, was man braucht. Einen See, eine kleine Stadt, die Berge sind in der Nähe. Ich schätze es enorm, die vergangenen 15 Jahre hier gewesen zu sein und in dieser Zeit auch miterlebt zu haben, wie stark sich der EVZ verändert hat. Ein Teil davon zu sein und viele tolle Leute in diesem System kennenzulernen, war sehr wertvoll.

zentralplus: Was mögen Sie an Davos?

Holden: Ich wuchs in Calgary auf. Ich will nicht sagen, dass ich in den Bergen aufwuchs, doch machten wir viele Ausflüge in die Rockies. Als ich noch in Nordamerika spielte, kaufte ich in den Bergen von Colorado ein Stück Land. Dies mit der Idee, dort die Sommermonate verbringen zu können. So weit kam es jedoch nie, weil ich nach Europa kam. Ich verkaufte das Land an meinen Schwiegervater. Der Wunsch, einst in den Bergen zu leben, liess mich jedoch nie los, bis heute. Es ist interessant, wie sich die Dinge entwickeln.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Josh Holden
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