Es wird enger in der Bossard-Arena

EVZ weist Kritik seiner Fans zurück

Im Herzen der Bossard-Arena, also in der Nordkurve, dürfte es künftig enger werden. (Bild: Tobias Lackner)

Der EV Zug erhöht die Kapazität in der Bossard-Arena schon bald um mehrere Hundert Sitzplätze. Für die Fans wird es darum enger im Stadion. Was für Kritik sorgt.

Der EVZ hat grosse Pläne: Für 36 Millionen Franken möchte er seine Heimstätte, die 7200 Plätze grosse Bossard-Arena, ausbauen (zentralplus berichtete). Dabei soll der Ausbau unter dem Projektnamen «Keep Building» parallel zum Spielbetrieb vonstattengehen. Doch ganz ohne Einschränkungen scheint dieses Unterfangen nicht möglich zu sein. Auch deswegen, zur Überbrückung zu erwartender Engpässe in gewissen Sitzplatzsektoren während des Umbaus, erhöht der EV Zug bereits per Saison 2024/2025 die Gesamtkapazität der Eishalle um 600 Sitzplätze.

Möglich würden dies unter anderem die neuen LED-Banden machen, die seit dieser Saison rund ums Spielfeld herum leuchten. So werden ab kommender Saison zwei neue Sitzreihen ganz unten, entlang der Banden, installiert. Also dort, wo heute die künftig entfallenden Werbeflächen direkt hinter den LED-Banden montiert sind.

«Selbstverständlich wurden die Pläne mit den Fandelegierten sowie Vertretern der HNK besprochen und ihr Feedback berücksichtigt.»

Jannine Kamm, EVZ-Kommunikationsleiterin

Auch die Stehplätze der Nordkurve werden in Richtung Banden erweitert. Dort organisiert die Herti Nordkurve (HNK) im Zentrum der Rampe die optische und akustische Unterstützung der 1. Mannschaft.

Nicht alle EVZ-Fans freuen sich

Die Veränderungen sorgen bei einigen Fans für Unmut. So schreibt ein Anhänger im EVZ-Forum, es werde künftig auf den Stehplätzen noch enger als ohnehin schon. Denn während unten mehr Platz entsteht, verschmälert sich die Stehplatzrampe, weil der EV Zug nicht nur entlang der Banden, sondern auch links und rechts der Stehplätze weitere, vertikal verlaufende Sitzplatzreihen anbringen will.

Künftig gibt es die Plätze direkt hinter dem Plexiglas im ganzen Stadion. (Bild: Philipp Hegglin)

Der Forumsnutzer erklärt das Dilemma wie folgt: Heute schon würden sich viele Fans eher im oberen Bereich aufhalten. Daran werde sich wegen des sich oben befindenden Eingangs wenig ändern, weil sich kaum jemand freiwillig nach unten drängle. Durch die Verschmälerung der Stehplatzrampe werde es somit oben noch enger, während die Sicht ganz unten an der Bande so schlecht sei, dass dort heute schon kaum jemand stehen wolle.

EVZ weist Kritik zurück

Mit den Befürchtungen des Fans gelangte zentralplus an den EVZ. Das Stadionerlebnis im Stehplatzsektor werde durch die Umbaupläne nicht leiden, widerspricht Jannine Kamm, Kommunikationsleiterin des Eissportvereins. «Vielmehr können ab nächster Saison mehr Fans das Spiel von hinter dem Tor sehen», so ihre Begründung.

«Selbstverständlich wurden die Pläne mit den Fandelegierten sowie Vertretern der HNK besprochen und ihr Feedback berücksichtigt.» Dies bestätigt die Fanszene Zug gegenüber zentralplus: «Grundsätzlich stehen wir in puncto Stadionumbau hinter den Ideen des Vereins.» Man werde die Situation aber weiter beobachten.

Die Neuerungen auf den Stehplätzen werden langfristig bestehen bleiben. Ein Ausbau der Stehplätze sei aufgrund der Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge nicht möglich. Ohnehin seien – anders als in der Swissporarena des FC Luzern – vor allem Sitzplätze Mangelware, sagt Jannine Kamm. «Stehplätze sind nur bei einem Teil der Spiele ausverkauft.»

Auch auf Sitzplätzen wird es enger

Während der Sardinen-in-der-Dose-Effekt auf den Stehplätzen teilweise auch der Spekulation eines Fans unterliegt, wird es auf den Sitzplätzen ganz offiziell enger. Der EV Zug verringert den Abstand zwischen den Schalensitzen, das sogenannte Achsmass, teilweise auf 50 statt 55 cm und schafft somit Platz – für noch mehr neue Sitzplätze.

«Der EVZ möchte die Stadionerweiterung nicht auf Kosten der Steuerzahler realisieren und trägt die Kosten für den ganzen Erweiterungsbau selbst.»

Jannine Kamm, EVZ-Kommunikationsleiterin

Auch dieser Schritt stösst im EVZ-Forum auf Kritik. Ein Fan meint, dort, wo er sitze, sei es aktuell schon regelmässig eng. Etwa dann, wenn zwei breite Männer in dicken Winterjacken nebeneinander sässen. Die maximale Auslastung sei längst erreicht.

Achsmass «überdurchschnittlich grosszügig»

Mit seinem Ruf nach mehr Arm- und Beinfreiheit scheint der Fan aber alleine dazustehen, wie Jannine Kamm vom EVZ klarstellt: «Bisher hatten wir keine Beschwerden, dass die Plätze zu eng sind.» Das Achsmass sei im Vergleich zu vielen anderen Stadien denn auch überdurchschnittlich grosszügig.

Kommentarlos zur Kenntnis nehmen die Fans, dass die Medientribüne auf die gegenüberliegende Stadionseite verlegt und der aktuelle Standort mit Sitzplätzen bestuhlt wird.

Keine Preisreduktion bei Tickets

Das prägnanteste Fazit im EVZ-Forum zu den baulichen Massnahmen lautet: «Mehr Einnahmen, weniger Komfort.» zentralplus hat darum den EV Zug gefragt, ob er die Ticketpreise entsprechend senken wird.

Wegen der Enge sicherlich nicht, wie Jannine Kamm klarstellt: «Weder das Achsmass noch die Beinfreiheit hatten bis dato einen Einfluss auf die Preisgestaltung.» Stattdessen sei die Sicht aufs Eisfeld der massgebliche Entscheidungsfaktor. Preisanpassungen seien darum nicht vorgesehen.

Was passiert mit den Mehreinnahmen?

Die Mehreinnahmen, die aus dem Verkauf zusätzlicher Tickets für die neuen Sitzplätze resultiert, würden in die Erweiterung der Bossard-Arena investiert, fährt Kamm fort. «Denn der EVZ möchte die Stadionerweiterung nicht auf Kosten der Steuerzahler realisieren und trägt die Kosten für den ganzen Erweiterungsbau selbst.»

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Mehr Platz für Fans und Gastronomie: Das will der EV Zug in der Bossard-Arena mit dem Umbau umsetzen. (Bild: Andreas Busslinger)

Selbst wenn der Bebauungsplan «Keep Building» noch nicht durch alle Instanzen hindurch ist, setzt der EVZ auf die nächste Saison hin also einen Teil des Erweiterungskonzepts um. Den Teil, für den der EVZ nicht auf die Erlaubnis des Stimmvolks oder der Verwaltung angewiesen ist.

2'000 zusätzliche Plätze als Ziel

EVZ-CEO Patrick Lengwiler betont, dass dieser Schritt unerlässlich sei, um beim einstigen Umbau Ausweichmöglichkeiten für Saisonkartenbesitzerinnen zu haben. So würden die neuen Plätze denn auch nur als Einzeltickets und nicht als Abo herausgegeben.

Aktuell liegt die Kapazität bei 7'200. Durch die neuen Sitzplätze haben ab nächster 7’800 Fans im Stadion Platz. Während des Umbaus könne die Kapazität aber wieder sinken, betont Kamm.

Der EVZ visiert mit der Stadionerweiterung eine Gesamtkapazität von 9'000 und mehr an.

Update: Der Artikel wurde um die Stellungnahme von Jannine Kamm, EVZ-Kommunikationsleiterin, ergänzt.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Jannine Kamm, Kommunikationsleiterin des EVZ
  • Schriftlicher Austausch mit der Fanszene Zug
  • Medienmitteilung des EVZ
  • EVZ-Forum
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