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Hier darf gequalmt werden
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Für viele gehört zum Feierabendbier eine Zigarette. In Luzern ist die Auswahl an Beizen gross, in denen man beides zusammen geniessen kann. (Bild: Fotolia )

Luzern ist Rauchermekka – warum eigentlich? Hier darf gequalmt werden

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.03.2016, 05:33 Uhr

Raucherbeizen sind in Luzern äusserst beliebt: 134 gibt es im ganzen Kanton – 65 davon befinden sich in der Stadt. Verglichen mit dem Kanton Zug ist Luzern damit ein «Rauchermekka». Woher kommt der Unterschied trotz ähnlicher Gesetzgebung?

Feierabend – und ab in die Beiz! Mit den Kollegen bei einem kühlen Bier den hektischen Tag ausklingen zu lassen gehört für viele dazu – genau wie eine Zigarette zum Alkohol. Qualmen entspannt die einen, den anderen ist es ein Ärgernis. Mit der Einführung des Rauchverbots am 1. Mai 2010 haben die Nichtraucher zumindest einen Teilsieg errungen – aufatmen konnten sie jedoch nicht. Denn: Noch immer werden Raucher nicht überall vor die Tür gestellt.

Im Kanton Luzern darf in vielen Gastronomiebetrieben weiter geraucht werden. Das erstaunt Besucher aus anderen Kantonen immer wieder. Doch Ausnahmeregelungen machen es möglich. In Luzern gelten nämlich nur die Mindeststandards des Bundesgetzes zum Schutz vor Passivrauchen (siehe Box). Gemäss der Gewerbepolizei haben im Kanton Luzern derzeit 134 Betriebe eine Bewilligung, um ein Raucherlokal zu führen. Und: 65 davon befinden sich in der Stadt Luzern.

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«Das Rauchen gehört einfach zum Beizenfeeling dazu.»
Anouschka Barrus, Houdini

Zahl der Raucher bleibt konstant

Diese Zahlen blieben in den letzten Jahren relativ konstant. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 verfügten 132 Betriebe über eine entsprechende Bewilligung. Luzern ist und bleibt also ein «Rauchermekka» – vor allem da es in den meisten anderen Kantonen keine solchen Ausnahmeregelungen gibt (siehe Grafik).

Rauchverbote der Kantone in der Gastronomie. (Quelle: Wikipedia)

Rauchverbote der Kantone in der Gastronomie. (Quelle: Wikipedia)

Als «Rauchermekka» will man sich seitens des Kantons Luzern jedoch nicht sehen. «Auch von einem Boom an Raucherbeizen kann nicht gesprochen werden», sagt Philipp Berger, Kommunikationsbeauftragter der Staatskanzlei Luzern, und verweist auf die letzte schweizerische Gesundheitsbefragung. «Gemäss dieser blieb der Anteil der rauchenden Bevölkerung im Kanton Luzern in den letzten Jahren relativ konstant, wobei der Anteil der stark Rauchenden in der Tendenz eher abnahm.»

Rauchverbot im Kanton Luzern

Seit dem dem 1. Mai 2010 ist im Kanton Luzern das Rauchen in allen geschlossenen, öffentlich zugänglichen Räumen verboten. Allerdings sind auch Ausnahmen möglich, in Luzern gelten nur die Mindeststandards des Bundesgetzes . Das heisst: In vielen Beizen darf weitergequalmt werden – zumindest wenn sie nicht grösser als 80 msind. Dann kann nämlich beim Kanton eine Bewilligung als Raucherlokal beantragt werden. Grössere Lokale haben die Möglichkeit, Fumoirs einzurichten. Sie müssen sich dabei jedoch an gesetzliche Vorgaben halten. Wie ein Raucherlokal muss auch ein Raucherraum mit einer ausreichenden Belüftung ausgestattet und gekennzeichnet sein. Mitarbeiter, die im Raucherlokal beschäftigt werden, müssen ihre schriftliche Zustimmung geben. Über die Einhaltung der Vorgaben wacht die Luzerner Polizei. Betriebe, die sich nicht daran halten, können mit bis zu 1000 Franken gebüsst werden.

Positive Reaktionen

«Das Rauchen gehört einfach zum Beizenfeeling dazu», meint Anouschka Barrus vom Houdini in der Neustadt. Deshalb war für sie auch von Anfang an klar, dass auch in ihrem Lokal geraucht werden darf. «Ich bin selbst Raucherin und viele aus meinem Bekanntenkreis auch – daher kann ich auf Gäste zählen», so die Wirtin. Essen und Rauchen, das würde heute jedoch nicht mehr funktionieren, meint sie weiter. Deshalb wird im Houdini auch erst ab 17 Uhr gequalmt. «Dachach wird gut gelüftet, damit bis zum nächsten Mittag alles wieder frisch ist.»

Raucherlokale kämen in der Stadt Luzern sehr gut an, meint eine Angestellte im Sopranos am Mühlenplatz. «Die Raucher schätzen solche Beizen insbesondere in der kalten Jahreszeit.» Immer wieder erlebe sie auch positive Reaktionen von Besuchern aus dem In- und Ausland, die ins Sopranos kämen. «Touristen freuen sich, dass sie hier einen guten Kaffee bei einer Zigarette geniessen können.» Auch für sie würde beides irgendwie zusammengehören, lacht sie.

«Ich bin selbst Raucherin und würde nicht in einem Nichtraucherlokal arbeiten wollen», meint die Angestellte weiter. Dass das Sopranos als Raucherbeiz geführt werde, passe einfach zu der kleinen, gemütlichen Lokalität. Manchmal sei es zwar schon etwas viel Dunst in dem kleinen Lokal, aber durch die Lüftung ziehe alles gut ab. Sie fände es gut, dass man in Luzern die Wahl zwischen Raucher- und Nichtraucherbeizen hat. «Die Stadt ist gross genug, es ist für jeden etwas dabei.»

Das Sopranos am Mühlenplatz ist eine von 65 Raucherbeizen in der Stadt Luzern und bei den Gästen sehr beliebt.

Das Sopranos am Mühlenplatz ist eine von 65 Raucherbeizen in der Stadt Luzern und bei den Gästen sehr beliebt.

(Bild: azi)

«Kneipe» bleibt rauchfrei

Nicht als Raucherbeiz geführt wird hingegen «Die Kneipe» an der Klosterstrasse (zentral+ berichtete), obwohl die Grösse des Lokals es ermöglichen würde. Dass die neu eröffnete Beiz rauchfrei bleibt, war der Wunsch von Claudia Egli, einer der beiden Wirtinnen der «Kneipe», die selbst Nichtraucherin ist. Irene Bergmans hingegen ist Raucherin, hat aber dem Wunsch ihrer Kollegin nachgegeben. Bei ihrer langjährigen Tätigkeit in der «Jazzkantine» haben es beide eine Zeit lang miterlebt, was es heisst, in einer Raucherbeiz zu arbeiten.

«Mittlerweile haben sich die Leute längst daran gewöhnt, zum Rauchen nach draussen zu gehen», meint Bergmans. Daher sei es auch für sie kein Problem, dass in ihrem neuen Lokal nicht geraucht werden darf. Zudem: Raucherbeizen gibt es in Luzern ja bereits genügend.

Weniger Raucherbeizen im Kanton Zug

Das ist nicht überall so. Ein Blick in unseren Nachbarkanton Zug zeigt, dass Raucherbeizen trotz ähnlicher Gesetzgebung wie im Kanton Luzern anscheinend weitaus weniger gefragt sind. In Zug sind es die Gemeinden, welche den Betrieben die Bewilligung ausstellen. Deshalb ist die Anzahl der Raucherbeizen nicht ohne Weiteres zu ermitteln. Auf einer Online-Plattform für Raucherbeizen in der ganzen Schweiz lassen sich im Kanton Zug lediglich vier Betriebe finden: Die Avo Zigarre Lounge, die Pizzeria Feldhof und das Parkhotel in der Stadt Zug. In Baar kann im Cherry Bowl geraucht werden.

«Das Nebeneinander von Rauchern und Nichtrauchern funktioniert.»
Martin Pfister, Gesundheitsdirektor Kanton Zug 

Warum sind Raucherbeizen in Zug nicht so gefragt? «Einige Restaurationsbetriebe in der Stadt Zug haben Rauchergelegenheiten ausserhalb des Lokals eingerichtet», erklärt der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister. Er vermutet, dass die Beizen so den Bedürfnissen ihrer Kunden nachkommen, auch ohne ein Raucherlokal zu sein.

Pfister ist sich deshalb sicher: «Das Nebeneinander von Rauchern und Nichtrauchern funktioniert.» Bei der Zuger Gesundheitsdirektion würden wenige bis keine Klagen eingehen. «Aus meiner Sicht hat der Kanton Zug mit der gültigen Regelung einen guten Weg gefunden, um den Bedürfnissen der Konsumenten, aber auch der Betreiber nachzukommen.»

«Ich möchte das Rauchen nicht verteufeln.»
Martin Pfister

Ob in Zug generell weniger geraucht wird als in Luzern, kann Pfister nicht sagen. «Wir richten unsere Präventionstätigkeit vor allem auf Jugendliche aus», sagt er. Und hierbei scheinen die Bemühungen mittlerweile Früchte zu tragen: Der Tabakkonsum der Jugendlichen im Kanton Zug war 2014 im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2006 rückläufig (zentral+ berichtete). «Ich möchte das Rauchen nicht verteufeln», sagt Pfister. «Dennoch ist es aus meiner Sicht als Gesundheitsdirektor erfreulich, dass die Zahl der jugendlichen Raucherinnen und Raucher rückläufig ist, wie die Auswertung dieser Schülerinnen- und Schülerbefragung zeigt.» 

Hier kann in der Stadt Luzern geraucht werden*:

*teilweise erst ab einer gewissen Uhrzeit; Liste nicht abschliessend

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1 Kommentare
  1. Tobias Bjornsen, 07.03.2016, 11:01 Uhr

    Luzern ist diesbezüglich tatsächlich eine Oase. Der Unterschied mit Zug könnte auch aber daran liegen, dass Luzern eine lebendigere (Innen)Stadt mit viel mehr Ausgängern hat als Zug.