EV Zug
Die Viertelfinalisten im Teamvergleich

Der Meister EV Zug hat klare Vorteile gegenüber Lugano

Bringt der Favorit EVZ den Aussenseiter Lugano in diesen Playoffs zu Fall – oder umgekehrt? Im Bild EVZ-Stürmer Sven Senteler (links) gegen Luganos Goalie Thibault Fatton. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die fünf Niederlagen zum Ende der Qualifikation haben die Anhänger des EV Zug verunsichert. Aber der Teamvergleich von zentralplus offenbart vor den am Freitag beginnenden Playoff-Viertelfinals: Es gibt keinen Anlass zur Beunruhigung.

Zwischen dem Qualifikationssieger und Titelverteidiger EV Zug lagen zum Tabellenneunten HC Lugano 24 Punkte Differenz in 52 Spielen. Das ist eine Menge Holz. Aber das spielt ab diesem Freitag keine Rolle mehr. Denn in den Viertelfinals beginnt alles bei Null. Nur der Heimvorteil bleibt den Zugern in der entscheidenden Phase der Meisterschaft.

Aber die Konkurrenz muss schon einiges auf dem Kasten haben, um den EVZ gefährden zu können. Zwar hat der HC Lugano einiges drauf. Und er hat mit Santeri Alatalo, Calvin Thürkauf und Justin Abdelkader vor und im Verlauf der Saison drei Meisterspieler verpflichtet.

Doch das wird aller Voraussicht nach nicht ausreichen, um den EVZ am Einzug in die Halbfinals in dieser Best-of-7-Serie hindern zu können – wie unser folgender Teamcheck klarmacht:

Torhüter

EV Zug: Leonard Genoni hat sein Meisterstück letzte Saison abgeliefert, als er seinen neuen Arbeitgeber bei erster Gelegenheit zu dem seit über zwei Jahrzehnten ersehnten Titelgewinn hexte. Und der 34-Jährige hat auch nach seinem sechsten Meistertitel noch lange nicht genug (zentralplus berichtete). Genonis Vorteil gegenüber seinen Berufskollegen in der Liga? Im Normalfall packt er sein bestes Niveau aus, wenn alles auf dem Spiel steht. Und er macht das mit einer unnachahmlichen Gelassenheit, die sich positiv auf seine Vorderleute auswirkt.

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HC Lugano: Niklas Schlegel war einer der Hauptgründe, warum sich die Tessiner in den Pre-Playoffs gegen den Genève-Servette HC durchsetzen konnten. Er hat seine Sache nach einer langen Verletzungspause sehr gut gemacht (95,2 Prozent Abwehrquote). Aber der 27-jährige Zürcher hat noch keinen Arbeitgeber zu einem Titelgewinn führen können. Dafür waren seine Leistungen bislang zu inkonstant. Niklas Schlegel hat den Nachweis, ein grosser Goalie zu sein, bisher nicht erbracht.

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Verteidigung

Niklas Hansson hat in seiner ersten Saison mit dem EV Zug die Führungsrolle in der Abwehr übernommen. (Bild: Marusca Rezzonico/freshfocus) (Bild: )

EV Zug: Mit Nati-Captain Raphael Diaz (zu Fribourg) und Santeri Alatalo (Lugano) hat der EVZ nach dem Gewinn des Meistertitels 2021 seine besten Verteidiger verloren. Aber er hat sie mit den Schweden Niklas Hansson und Christian Djoos gleichwertig ersetzt. Hansson ist in die Rolle des neuen Verteidigungsministers geschlüpft (zentralplus berichtete) und übernahm sofort Verantwortung. Trotz fünf Niederlagen zum Schluss: Kein Team hat weniger Treffer zugelassen als der Titelverteidiger. 31 weniger als Lugano.

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HC Lugano: Der gegen Servette zweimal verletzt ausgefallene NHL-Verteidiger Mirco Müller, der defensiv ausgerichtete Samuel Guerra und die offensiv orientierten Santeri Alatalo und Romain Loeffel bilden das Gerüst der Abwehr. An guten Tagen bewirken sie einiges, an gewöhnlichen Tagen schüchtern sie keinen Gegner ein. Aber sie haben mehr schlechte als gute Tage. Luganos Defensive gehört zu den wackligsten der ganzen Liga. Nur die Tabellenletzten Ajoie und Langnau bekamen das eigene Tornetz häufiger gefüllt.

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Sturm

EV Zug: Mit 177 Toren blieb der EVZ deren 20 unter der Rekord-Qualifikation 2020/21. Aber diese Marke hat auch noch kein anderer Liga-Konkurrent je erreicht. Hätte Grégory Hofmann auf sein NHL-Abenteuer verzichtet, hätte sie der EVZ vermutlich ein weiteres Mal geknackt. Klar, das ist eine hypothetische Annahme. Sicher ist: Die Rückkehr des Meisterschützen 2021 aus der NHL hat das Zuger Offensivspiel dynamisiert (zentralplus berichtete). Und was den EVZ offensiv unberechenbar macht: Jan Kovar als bester Punktesammler (9 Tore und 34 Assists in 46 Spielen) erscheint erst auf Platz 20 der nationalen Hitliste. Heisst: Alle vier Zuger Sturmreihen können Tore schiessen und lassen der gegnerischen Abwehr keine Verschnaufpause.

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HC Lugano: Die Tessiner spielen Vorwärts-Hockey kanadischer Prägung. Zielstrebig und unnachgiebig. Und dabei kombinieren sie mit Mark Arcobello, Daniel Carr, Shane Prince, Calvin Thürkauf, Luca Fazzini, Justin Abdelkader und Alessio Bertaggial individuelle Klasse mit beachtlicher Feuerkraft und erst recht Wucht. Gerade Abdelkader, Meister mit dem EVZ im letzten Frühjahr, kann in der entscheidenden Phase der Meisterschaft viel mit seiner physischen Präsenz bewegen. Man kann wohl sagen, dass die Luganesi im Vorwärtsgang mehr zerstören als sie im Rückwärtsgang ausbügeln können. Doch mit diesem Layout gewinnt man kaum Meisterschaften.

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Ausländer

EV Zug: Der Center Jan Kovar ist ein nahezu kompletter Spieler: eine Leaderfigur, ein offensives Genie und defensiv absolut zuverlässig. Der 31-jährige Tscheche ist jetzt schon einer der besten Spieler in der Zuger Klub-Historie. Niklas Hansson ist in der Verteidigung eine Bank. Die schwedischen Stürmer Anton Lander, Captain seiner Olympia-Mannschaft in Peking, Carl Klingberg und Offensivverteidiger Christian Djoos haben die Fähigkeiten, eine noch grössere Rolle als bisher einzunehmen. Überzeugungsarbeit tut not. Schliesslich ist für einen aus diesem Trio ein Tribünenplatz reserviert.

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HC Lugano: Sieben Ausländer haben die Tessiner unter Vertrag. Entscheidend für ihr sportliches Wohl werden in erster Linie die vier Stürmer Mark Arcobello (Meister mit dem SC Bern 2017 und 2019), die Amerikaner Justin Abdelkader (Meister mit Zug 2021) und Shane Prince wie auch der Kanadier Daniel Carr sein. Das Quartett hat durchaus gehobenes Playoff-Niveau. Aber es wird die Zuger nicht in ihren Grundfesten erschüttern können.

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Special Teams

EV Zug: Unter dem Begriff «special teams» werden im Eishockey die Formationen im Über- und Unterzahlspiel zusammengefasst. Gerade in den Playoffs kommt ihnen eine übergeordnete Bedeutung zu, was den Ausgang eines Spiels betrifft. Auch wenn es im Quali-Finish mit fünf Niederlagen en suite nicht mehr so passte: Keine andere Mannschaft hat in der «regular season» so viele Unterzahl-Situationen unbeschadet überstanden wie der EVZ (87,7 %). Und mit der Rückkehr von Grégory Hofmann ging es auch im Überzahlspiel aufwärts (EVZ auf Platz 5 mit 20,2 %).

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HC Lugano: Mit einem Mann weniger auf dem Eis haben es die Tessiner ebenfalls auf einen beachtlichen Wert (rund 84 Prozent) geschafft. Das bedeutete Platz 4 in der Qualifikation. Noch besser als der EV Zug schnitten sie im Powerplay (fast 20,7 Prozent) als Vierte ab. In diesem wichtigen Bereich kann der Viertelfinal-Gegner dem Favoriten durchaus das Wasser reichen.

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Cheftrainer

EV Zug: Statistisch betrachtet hat es bislang noch keinen besseren Trainer für den EVZ gegeben als Dan Tangnes (Vertrag bis 2024). Er wurde 2019 Cupsieger und zog im gleichen Frühjahr in den Playoff-Final gegen den späteren Meister SC Bern ein. 2021 beendete der 43-jährige Norweger die Qualifikation mit einer neuen Bestmarke in der National League (119 Punkte in 52 Spielen) und wurde anschliessend zum ersten Mal seit der Titelpremiere von 1998 Meister. Mittlerweile hat Dan Tangnes schon den nächsten Qualifikationssieg nachgelegt.

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HC Lugano: An diesem Dienstag ist Chris McSorley 60 Jahre alt geworden. Kaum ein anderer Fachmann hat das Schweizer Klub-Eishockey seit Beginn dieses Jahrtausends so sehr geprägt wie der charismatische Feuerkopf aus Kanada. Bei Lugano baut er sich derzeit ein zweites Standbein ausserhalb von Genf auf. Dem dort ansässigen Eishockeyklub hat Chris McSorley seit 2001 zu nationaler Bedeutung verholfen und ihn am Sonntag aus den Pre-Playoffs gekickt. Mit den Romands liegt der Bruder des legendären Beschützers von Wayne Gretzky in einem millionenschweren Rechtsstreit. Doch einen Meistertitel hat er noch nicht erreicht.

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Endergebnis

EV Zug: 27 von 30 Pucks.

HC Lugano: 19 von 30 Pucks

Unser Tipp für den Ausgang dieses Viertelfinals: 4:1-Siege für den EV Zug.

Verwendete Quellen
  • Jahrelange Erfahrung des Autors
  • Gespräche mit verschiedenen Protagonisten
  • Statistik via National League.
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