Zug investiert viel Geld

Historisches Haus am Postplatz erhält «andere Präsenz»

Im Haus an der Neugasse 1 befindet sich unter anderem das kantonale Sozialamt. (Bild: wia)

Das kantonseigene Gebäude an der Neugasse 1 in Zug wird saniert. Nach einem Planerwahlverfahren ist nun klar, wer den Umbau leiten wird und was sich gegen innen wie aussen verändern wird.

Augen zu! Deine Gedanken reisen an den Zuger Postplatz. Vor dem inneren Auge erscheint auf der Ostseite sogleich die Namensgeberin des Platzes: die alte Post, in der heute Pizza gegessen wird. Ebenfalls klar sieht man in der Entfernung, im Westen, das Regierungsgebäude, davor ein Parkplatz, vielleicht auch den architektonisch spannenden Kiosk. Doch was befindet sich südlich des Postplatzes? Ein Gebäude, ganz bestimmt. Doch wie sieht dieses aus? Handelt es sich um einen mässig schönen 80er-Jahre-Bau? Ist das Haus hellblau? Grau? Aus Sandstein oder mit einer Bronzefassade versehen?

In der Tat: Das Gebäude an der Neugasse 1 wird von seinen jüngeren Kollegen in den Schatten gestellt. Zu Unrecht, denn das ehemalige Apothekerhaus hat eine fast 200-jährige Geschichte hinter sich.

Pillen, Puder und Pastillen

Der einfache klassizistische Bau wurde 1837/38 von Bäckermeister Joachim Wyss errichtet. Sein Sohn Fidel Wyss eröffnete darin eine Apotheke, welche die Firma «Gebrüder Wyss» führte. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in dieser Apotheke Pillen, Kräuter und Hustensirups verkauft. Pharmazeutische Embleme im Relief des Hauses zeugen nach wie vor von dieser Zeit.

Dereinst wurde im Haus am Postplatz Medizin verkauft. (Bild: Kanton Zug)

Was früher normal war, bringt heutige Denkmalpfleger zum Ächzen

Nicht immer zollte man dem bedeutsamen Zuger Bau den gebührenden Respekt. So erfuhr das Wohn- und Geschäftshaus in den vergangenen Jahrhunderten verschiedene Um- und Ausbauten. So insbesondere auch in den 80er-Jahren, als das Gebäude etwas rabiat grundsaniert wurde. In dieser Zeit entstand auch eine für Zug eher atypische Arkade auf der Seite der Neugasse.

Die Arkade im Erdgeschoss des Gebäudes kommt weg. Stattdessen entsteht zusätzlicher Raum im Gebäudeinnern. (Bild: wia)

Nun ist es wieder so weit. Das Gebäude, in dem heute neben gewerblicher Nutzungen auch das kantonale Sozialamt untergebracht ist, wird ein weiteres Mal saniert. Zu diesem Zweck hat das kantonale Hochbauamt ein Planerwahlverfahren durchgeführt.

«Im Gegensatz zum Architekturwettbewerb wird ein solches Verfahren dann eingesetzt, wenn der Handlungsspielraum beim Projekt eher begrenzt ist», sagt Urs Kamber, der Leiter des Hochbauamts bei der Vorstellung des Projekts. «Insbesondere waren zwei Teilaspekte wichtig: zum einen, wie die Grundrisse neu organisiert werden. Zum anderen, wie das Haus vertikal erschlossen ist.»

Die Gewinner geben dem Bau seine Eigenständigkeit zurück

Sechs Planerteams schafften es ins engere Rennen. Diese wurden anhand ihrer Architektur, der Funktionalität sowie ihrem Umgang mit der Bausubstanz bewertet. Auch der finanzielle Aspekt der Vorschläge hatte einen Einfluss.

Den Zuschlag erhielten letztlich Hummburkart Architekten aus Luzern für ihr Projekt «Auf die Dosis kommt es an». «Der Entscheid der Jury war einstimmig», betont Kamber. «Überzeugt hat uns das Projekt hauptsächlich aufgrund des sensiblen Umgangs mit dem Baubestand», sagt der Zuger Baudirektor Florian Weber. Städtebaulich sei der Vorschlag gelungen. Ausserdem erhalte das Gebäude seine ursprüngliche Eigenständigkeit zurück. Dies durch den neu zu erstellenden, zurückversetzten Zwischenbau.

Konkret geht es hierbei um den Streifen zwischen dem zu sanierenden Gebäude und dem nebenan stehenden Haus, in dem die Mobiliar-Versicherung zu Hause ist. Dieser schmale Bau – es handelte sich früher um eine Gasse – soll etwas weiter zurückversetzt werden. Dadurch werde das Haus an der Neugasse 1 klarer als Solitärbau erkennbar. «Er erhält damit eine andere Präsenz», so Kamber. Künftig befindet sich der Eingang für Mitarbeitende und Klientel an der Ostseite dieses Zwischenbaus.

Die heutige Passerelle auf der Westseite kommt zudem weg. Dies wiederum sorgt für mehr nutzbare Quadratmeter im Erdgeschoss. Last, but not least war die Jury von der offenen Grundrissstruktur für die Arbeitsplätze im Hauptvolumen.

Das betreffende Haus befindet sich direkt am Postplatz. (Bild: zvg) (Bild: zvg)

7,7 Millionen Franken kostet die Sanierung

«Besonders bei diesem Bau ist, dass von seiner Geschichte fast nur noch die Fassade übrig ist. Dies ist insbesondere dem Umbau 1985 geschuldet», erklärt Peter Humm vom Gewinnerteam. «Auch mussten wir die Nutzung des Gebäudes berücksichtigen. Aus Sicherheitsgründen sollte beim Sozialamt der Empfang von jenem Teil getrennt sein, wo die Mitarbeiterinnen ihre Alltagsgeschäfte tätigen.»

Der gesamte Umbau wiegt finanziell schwer. Der Kanton rechnet mit Investitionen von 7,7 Millionen Franken. Über diesen Betrag darf der Regierungsrat eigenhändig entscheiden. «Es handelt sich um eine sogenannte gebundene Ausgabe, welche dem Erhalt eines bestehenden Gebäudes dient.» Würde es sich um einen Neubau handeln, sähe die Sache anders aus, erklärt Baudirektor Florian Weber.

Verwendete Quellen
  • Besuch Informationsveranstaltung zum Sanierungsprojekt
  • Augenschein vor Ort
  • Medienmitteilung der Baudirektion
  • Gespräche vor Ort
  • Inventurblatt der Denkmalpflege
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