Betriebskonzept überprüft

Neues Luzerner Theater: Besucherzahlen geben zu reden

Das Siegerprojekt «überall» sorgte Ende 2022 für Wirbel. (Bild: zvg)

Ein Fachbüro hat das Betriebskonzept für das neue Luzerner Theater auf Herz und Nieren überprüft. Viele Ziele seien realistisch, andere sehr «ambitioniert»: zum Beispiel die Besucherzahlen.

Diese Woche fallen gleich zwei Schleier. Am Freitag will die Stadt Luzern mit der Projektierungsgesellschaft den überarbeiteten Siegerentwurf für das neue Luzerner Theater präsentieren. Seit Dezember 2022 haben die Ilg Santer Architekten am Siegerprojekt «überall» gefeilt.

Und am Montag traten Kulturdirektor Armin Hartmann und Stadtpräsident Beat Züsli vor die Presse, wegen der Vorevaluation des Betriebskonzepts. Eine externe Prüfung hatte Mitte-Kantonsrat Adrian Nussbaumer verlangt, weil das Konzept für das neue Luzerner Theater aus dem Jahr 2020 veraltet sei. Regierungsrat und Kantonsrat unterstützten sein Anliegen (zentralplus berichtete).

Stadt und Kanton sehen sich von Rückmeldungen bestärkt

zentralplus hat den Bericht des Münchner Fachbüros Metrum Managementberatung im Detail gelesen. Tatsächlich bestätigen die Münchner zentrale Punkte des Betriebskonzepts. Andere Vorgaben seien allerdings «ambitioniert». Sowohl bei den Besucherzahlen als auch den künftigen Kosten könnte das Konzept angepasst werden.

Armin Hartmann hält die Prüfung für einen vollen Erfolg. «Die Ampeln für das künftige Theater stehen für uns auf Grün», lässt er sich in einer Mitteilung zitieren. Und Beat Züsli meint: «Es liegt ein überzeugender Plan vor, der im vorgesehenen finanziellen Rahmen umsetzbar ist.»

Das Betriebskonzept enthält Vorgaben zur Kulturpolitik und der Erfolgsrechnung des künftigen Theaters und wurde bereits im April – auf Basis der Rückmeldungen – angepasst.

Staatskosten pro Theaterbesuch sollen sinken

Aktuell finanzieren Stadt und Kanton den Theaterbetrieb mit rund 20 Millionen Franken pro Jahr durch den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe Kanton Luzern. Die Eigenfinanzierung liegt bei rund 16 Prozent. Pro Theaterbesucher steuert die öffentliche Hand somit 420 Franken bei.

Gemäss Betriebskonzept soll der öffentliche Beitrag im Jahr 2030 bei 22 Millionen Franken liegen und die Eigenfinanzierung bei 35 Prozent. Durch die höheren Besucherzahlen soll jeder Theaterbesucher den Staat künftig «nur» 220 Franken kosten.

Das neu projektierte Haus von Santer/Ilner (hier im Seitenriss) schafft die Möglichkeit, dass freies und institutionelles Theater mehr als bisher voneinander profitieren können.
Das neue Haus im Querschnitt. (Bild: Ilg Santer Architekten)

Das Fachbüro merkt an, dass die Teuerung die Staatskosten um bis zu vier Millionen Franken in die Höhe treiben könnte und nicht eingerechnet sei. Auch den Wert zur Eigenfinanzierung hält das Büro nicht für aussagekräftig. Zudem seien die Prognosen von den künftigen Besucherzahlen abhängig – diese seien allerdings sehr «ambitioniert» geschätzt.

Besucherzahlen des neuen Luzerner Theaters hoch angesetzt

In den vergangenen zwei Spielzeiten besuchten jeweils rund 44’000 Personen das Luzerner Theater. In den zwei Jahren vor der Coronapandemie waren es 62’000 bis 73’000. Geht es nach der Stadt, wird die Nachfrage bis zur Spielzeit 2030/31 deutlich zunehmen: 100’000 Besucherinnen sind dann erwartet.

Das Fachbüro schreibt, dass nach der Eröffnung des Neubaus die Besucherzahlen steigen würden. «Die strategisch wichtige Frage ist aber, wie ein dauerhafter Zuwachs der Besucherzahlen erreicht werden kann.» Das städtische Ziel sei nur realistisch, wenn deutlich mehr Geld ins Marketing fliesse und der Tourismussektor angezapft werde.

Künftiges Angebot ist für Abstimmung entscheidend

Beim künftigen Angebot bestätigt das Fachbüro, dass ein Dreispartenbetrieb mit Schauspiel, Musiktheater und Tanz und mit eigenem Ensemble für «eine Stadt wie Luzern eindeutig angemessen» sei. Die geplanten Erweiterungen des Repertoires sollten im Betriebskonzept allerdings «breiter» erläutert werden.

Denn: Um den geplanten Neubau zu kommunizieren, sei die Qualitätsverbesserung ein sehr wichtiges Thema. Zumal damit auch höhere Kosten einhergehen. Sprich: Die Luzerner werden bei der Abstimmung zum neuen Luzerner Theater wohl nur ein Ja in die Urne legen, wenn sie überzeugt sind, dass sich das Theaterangebot verbessert.

Die Nähe zur Jesuitenkirche sorgte bereits für Aufregung in der Stadt. (Bild: Visualisierung LT)

Dazu empfiehlt der Bericht einen Partizipationsprozess mit Kulturveranstaltern, damit das neue Luzerner Theater später auch extern genutzt wird. Die Stadt hat dem Vorschlag bereits zugestimmt.

Noch unklar, wer Gastronomie betreiben soll

Eine deutliche Verbesserung im neuen Luzerner Theater wird auch bei der Gastronomie angestrebt. Im vierten Obergeschoss soll die Theatergastronomie inklusive Terrasse entstehen, dazu gibt es eine Bar, Pausengastronomie, eine Theaterkantine und die Bewirtschaftung von Anlässen. Offen ist, ob die Gastronomie verpachtet werden soll.

Die Antwort darauf und auf weitere Details des künftigen Betriebs wird die Projektierungsphase liefern. Der dafür nötige Kredit wird dem Grossen Stadtrat gemeinsam mit einem Bericht und Antrag in Kürze vorgelegt. Wann das Projekt vors Volk kommt, ist noch nicht geklärt. Ein Termin im Winter 2025 sei möglich.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung Zweckverband Grosse Kulturbetriebe Kanton Luzern
  • Bericht von Metrum Managementberatung
  • Website des neuen Luzerner Theaters
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