Statt Gäste aus Asien nun aus Amerika

Luzerner Tourismus erholt sich fast vollständig von Corona

In Luzern gibt es wieder so viele Touristen wie vor Corona. (Bild: Symbolbild: Emanuel Ammon/Aura)

Die Tourismusbranche hat ein Rekordjahr hinter sich: 2023 gab es so viele Übernachtungen wie noch nie. In Luzern sind die Zahlen fast auf dem Niveau von 2019. US-Amerikaner machen die fehlenden Gäste aus Asien wett.

Die Tourismusbranche überbietet sich in den Medienmitteilungen vom Donnerstag mit Superlativen: «Rekordjahr», «so erfolgreich wie nie», «historisch». Doch im Kern sagen alle das gleiche: Der Tourismus hat ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich. Erstmals habe die Hotellerie in der Schweiz die 40-Millionen-Marke für Logiernächte deutlich geknackt, wie das Bundesamt für Statistik schreibt. Zwar gab es schweizweit etwas weniger Schweizer Gäste als im Vorjahr (1,1 Prozent weniger), dafür deutlich mehr ausländische Gäste (21,8 Prozent mehr).

Vor allem die Städte konnten gegenüber dem Vorjahr zulegen, wie HotellerieSuisse mitteilt. Dort gab es 2023 14,5 Prozent mehr Logiernächte als im Vorjahr. Und gar 7,4 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019 – also vor Corona. Der Schweizer Hotellerie-Verband sieht die vermehrt reiselustigen Schweizer und die Erholung der ausländischen Reisemärkte für die Rekordzahlen verantwortlich.

Hat sich der Tourismus nun vollständig vom Dämpfer während der Corona-Pandemie erholt? In Luzern zumindest fast, wie Zahlen von Luzern Tourismus zeigen. Denn obwohl die Schweiz im Durchschnitt wieder Zahlen wie vor Corona präsentiert, bleiben die Stadtluzerner Logiernächte noch immer leicht hinter 2019 zurück (rund 4 Prozent weniger). Trotzdem spricht deren Verwaltungsratspräsident Martin Bütikofer auf Anfrage wieder von einem Niveau wie vor Corona.

Touristen aus Asien noch nicht komplett zurück

Insbesondere die Stadt Luzern habe wieder mehr Gäste angezogen. Bütikofer erklärt sich das mit einer erfolgreichen Positionierung von Luzern als «Hub»: «Gäste können auch von hier aus einen Tagesausflug ins Berner Oberland machen.» Zudem fänden in Luzern Events wie das Lichtfestival Lilu statt, die als Publikumsmagnet wirkten.

Grund für die bleibende Differenz ist vor allem der asiatische Markt. Zwar finden immer mehr Touristinnen aus Asien wieder den Weg nach Luzern, jedoch nur langsam (zentralplus berichtete). Das habe mit Engpässen bei der Ausstellung von Visa, dem Wiederaufbau von Flugkapazitäten und Luzerner Hotelengpässen im Sommer 2023 zu tun, wie die Tourismusorganisation schreibt.

Immerhin kamen 2023 gut 82 Prozent mehr asiatische Touristen in die Region Luzern – doch allgemein liegen die Zahlen nach wie vor rund 43 Prozent unter jenen von 2019. Was in den Statistiken von Luzern Tourismus auch auffällt: Russische Touristen meiden die Stadt Luzern noch immer. Dort liegen die Zahlen rund 82 Prozent hinter den Besucherzahlen von 2019. Deren Ausbleiben dürfte jedoch nicht nur an der Corona-Pandemie, sondern auch am Krieg mit der Ukraine liegen.

Immer beliebter für die USA

Während die Gäste aus dem Osten noch immer ausbleiben, kommen dafür immer mehr Gäste aus dem Westen: Inzwischen ist die Stadt Luzern für Amerikanerinnen die beliebtere Reisedestination als noch 2019 (rund 20 Prozent mehr Übernachtungen). Auch bei den nahen Nachbarn in Europa ist Luzern als Ferienort beliebter geworden. Diese übernachteten ebenfalls etwas mehr in Luzern, als noch vor Corona (2,4 Prozent mehr). Woher die Gäste der Stadt Luzern (links) und der Region Luzern (rechts) kamen, siehst du in der untenstehenden Grafik:

Wie Bütikofer sagt, habe Luzern Tourismus nicht extra mehr in Amerika geworben, die Amerikaner liebten einfach Luzern. Anhand der Grösse sei die Stadt für sie quasi ein Dorf – biete aber mit See, Bergen und Läden trotzdem ein Erlebnis. Das Marketing in den USA ausbauen wolle die Organisation nicht: «Wir setzen auf einen Mix von je einem Viertel Gäste aus Europa, Schweiz, USA und Asien. Die vier Standbeine sollen gleichwertig sein.»

Nebst der Herkunft der Gäste hat sich auch ihre Spendierfreudigkeit verändert: Wie Luzern Tourismus schreibt, lassen die Gäste auch mehr Geld liegen. Die durchschnittliche Tagesrate pro Zimmer sei gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent gestiegen. Wie Bütikofer auf Nachfrage zwar einräumt, habe das auch mit der allgemeinen Teuerung und höheren Preisen wegen gestiegenen Energie-, Heiz- und Personalkosten zu tun. Jedoch nicht nur. Seit Corona kämen mehr Individualgäste statt Gruppen, die jeweils früh buchten und günstige Preise aushandelten.

Längere Aufenthalte und zufriedenere Luzerner

Als Ziel fürs Jahr 2024 will Luzern Tourismus unter anderem die europäischen und Schweizer Gäste halten – denn gerade letztere neigten wieder mehr dazu, ins Ausland zu reisen. Zudem will Luzern Tourismus die Aufenthaltsdauer weiter erhöhen, so Bütikofer. Und mehr Gäste auch in die Region abseits des Zentrums locken. Beispielsweise für einen Ausflug in die Biosphäre Entlebuch oder in die kleineren Städte wie Sursee oder Willisau, wie Bütikofer aufzählt.

Insgesamt schaue die Tourismusbranche positiv in die Zukunft. Gemäss Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics verzeichne die Region Luzern und Vierwaldstättersee 2024 rund 4 Prozent mehr Übernachtungen. Womit sich die Luzerner Tourismusbranche endgültig von Corona erholt hätte. Womit jedoch die «Overtourism»-Frage und die Akzeptanz in der Bevölkerung wieder mehr zum Thema wird, wie auch Bütikofer betont.

Mit den angestossenen Massnahmen wie dem Projekt zur Besucherlenkung und -messung oder verstärkter Kommunikation will Luzern Tourismus eine positive Einstellung zum Tourismus in der Bevölkerung bewahren. Gleichzeitig verspricht Bütikofer: «Luzern soll keine Kitsch-Stadt nur mit Geschäften werden, sondern sie soll auch leben.» Um wirklich gute Gastgeber sein zu können, müsse es auch der lokalen Bevölkerung wohl sein. Ob sie sich das nach der Rückkehr der Touristinnen noch fühlt, zeigt sich spätestens im Sommer. Dann sollen die Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage zum Luzerner Tourismus vorliegen (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
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