Die Zuger mit Rückenwind

Der erstarkte EVZ schlägt den ZSC Lions aufs Gemüt

Drei Tore vorbereitet und eines selber geschossen: Genius und Captain Jan Kovar (links, gegen ZSC-Stürmer Justin Sigrist) führte den EVZ zum zweiten aufeinanderfolgenden 4:1-Sieg im Playoff-Final. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Jetzt ist richtig Musik drin in diesem grossen Final-Drama. Die Kräfteverhältnisse haben sich mit Beginn dieser Woche und den zwei Siegen des EV Zug deutlich verändert. Nach dem abermaligen 1:4 müssen nun die ZSC Lions gegen negative Gedanken ankämpfen.

So schnell kann es gehen im Playoff: Am Samstag waren die Zuger Fans nach der dritten und stets auf die gleiche Art und Weise erlittenen Niederlage noch richtig bedient (zentralplus berichtete). Die erfolgreiche Titelverteidigung des EVZ war in weite Ferne gerückt.

Vier Tage später sind die weiss-blauen Anhänger euphorisiert. Ihre Mannschaft, die sich keine weitere Niederlage mehr erlauben durfte, hat schon zweimal 4:1 zurückgeschlagen gegen die ZSC Lions (zentralplus berichtete). Jetzt fehlen noch zwei Siege für eine erfolgreiche Titelverteidigung des EVZ.

Wie sehr die grosse Auferstehung des Titelverteidigers den ZSC Lions aufs Gemüt geschlagen hat, zeigt eine Episode: Nach dem Matchende warten die Medienschaffenden im Bauch der Bossard Arena vergeblich auf eine Einschätzung von Löwen-Dompteur Rikard Grönborg zum Spiel. Der Trainer habe sich bereits in den Mannschaftsbus begeben, wird ihnen ausgerichtet.

EVZ setzt die ZSC Lions unter Erfolgszwang

Souverän ist anders. Der wichtigste Angestellte im Sportbereich, zweifacher Weltmeister mit Schweden 2017 und 2018, verzieht sich lieber als Auskunft zu geben. Der Druck auf Grönborg und die ZSC Lions muss schlagartig in die Höhe geschnellt sein. Nach einer 3:0-Führung müssen diese das Heimspiel am Freitag vor eigenem Publikum im mit über 11'000 Zuschauern ausverkauften Hallenstadion gewinnen und Meister werden. Sonst gnade vor allem dem ZSC-Trainer der liebe Hockey-Gott!

«Für mich war das Aufrechterhalten des Fokus meiner Spieler das absolute Highlight.»

Dan Tangnes, der Chefcoach der Zuger, ist im Schweizer Klub-Eishockey nicht nur souveräner, sondern auch erfolgreicher als Rikard Grönborg (zentralplus berichtete). Er ist bei den drei Zuger Niederlagen zu Beginn der Finalserie Red und Antwort gestanden. Getreu seinem selbst vorgelebten Motto: «Wir fliegen nicht hoch, wenn wir gewinnen. Aber wir sind auch nicht deprimiert, wenn wir verlieren.»

Selbstredend ist er an diesem späten Mittwochabend bester Laune. Voller Stolz sagt er: «Wir haben unser Spiel vom Montag kopiert. Für mich war das Aufrechterhalten des Fokus meiner Spieler das absolute Highlight. Nach den verpassten Überzahlgelegenheiten im zweiten Drittel wäre es ein Einfaches gewesen, sich ablenken zu lassen.»

Das magische Zuger Duo

Aber das taten seine Spieler nicht. Sie blieben fokussiert und schlugen vor Ablauf des Mitteldrittels durch Genius Jan Kovar und Vollstrecker Dario Simion zum 1:1 zurück. Und es sollte bloss das Erstlingswerk dieses magischen Duos am Mittwochabend sein.

«In den wichtigsten Momenten des Spiels gingen Jan Kovar und Dario Simion voran. Was für eine grandiose Leistung dieses Duos», zollt Dan Tangnes den beiden grossen Respekt.

Simion schaffte letztlich seinen ersten Playoff-Hattrick, Kovar assistierte drei Mal und machte zuletzt noch das 4:1 ins verwaiste ZSC-Tor. Sein erster Treffer gegen die Zürcher, die von seinem Bruder Jakub Kovar als Torhüter vorzüglich abgeschirmt werden.

Zuger Paradelinie genauso gut wie jene um Malgin

In diesem Final wird gerne und berechtigt von den Qualitäten von ZSC-Topskorer Denis Malgin geschwärmt. Aber mittlerweile steht das Gesamtskore nach fünf Finalspielen bei 12:9 Toren für den EV Zug. Jan Kovar und Dario Simion sind punktemässig mittlerweile in die Phalanx der ZSC-Paradelinie eingebrochen.

«Für mich ist Jan Kovar nach wie vor der beste Feldspieler auf Schweizer Eis.»

EVZ-Sturmpartner Dario Simion

Simion sagt darum im Brustton der Überzeugung: «Jan Kovar hat in diesem entscheidenden Spiel eine unglaubliche Leistung abgeliefert. Für mich ist er nach wie vor der beste Feldspieler auf Schweizer Eis.»

Mit dem Aufschwung der Zuger Offensive hat auch ZSC-Goalie Jakub Kovar seinen Nimbus der Unbezwingbarkeit eingebüsst. Mittlerweile haben sich er und EVZ-Goalie Leonardo Genoni bei 1,82 Gegentoren pro Match eingependelt. Allerdings musste Kovar bis anhin mehr Schüsse (147:126) parieren.

Kommt jetzt der Energie-Faktor ins Spiel?

Bei den EVZ-Spielern ist mittlerweile nicht nur die Breite der Brust durch das Selbstvertrauen um den einen oder anderen Zentimeter angewachsen. Die Zuger müssen vor dem sechsten Finalspiel auch mehr Energie in ihren Körpern haben. Und das könnte ein entscheidender Faktor werden.

Die ZSC Lions brauchten im Viertelfinal gegen Biel drei Spiele mehr als die Zuger gegen Lugano, um sich durchzusetzen. Und im Halbfinal gegen Fribourg haben sie wegen drei Verlängerungen de suite zusammengezählt nochmals ein Spiel mehr als die Zuger absolviert. Die Zürcher sind bislang also um die Hälfte mehr im Playoff-Einsatz gestanden.

Konkret: Die Zürcher haben schon gut und gerne 17 Playoff-Spiele in diesem Frühjahr absolviert. Die Zuger hingegen erst deren 13.

Aber diese Finalserie spielt zu verrückt, um bis dato eine Tendenz erkennen zu können. Allerdings hat bislang immer verloren, wer das erste Tor geschossen hat. Aber was heisst das schon für Finalspiel 6? Schliesslich wird die Regel erst durch eine Ausnahme bestätigt.

Verwendete Quellen
  • Matchbesuch in der Zuger Bossard Arena.
  • Gespräche mit Dan Tangnes und Dario Simion.

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