Regionales Leben
Traditionsbeiz hat eine neue Pächterin

Das ehrwürdige Restaurant «Adler» in Emmen fliegt wieder

Gabriela Niederberger und Sara Stalder im neugestalteten Adler-Saal. (Bild: cbu)

Der «Adler» in Emmenbrücke ist weitherum bekannt. In den letzten zwei Jahren vor allem durch stetige Pächterwechsel. Nun hat Gabriela Niederberger das Zepter übernommen und will das Traditionslokal auch für Künstler öffnen. Doch die Uhr tickt in der alten Beiz unablässig weiter.

«Eröffnung am 7. Oktober» steht auf einem Flyer im Schaukasten des bekannten Emmer Restaurants Adler, was beweist, dass bald wieder Leben in die altehrwürdigen Räumlichkeiten einkehren wird. Und damit vielleicht auch etwas Stabilität in diesen eher unsicheren Zeiten. Denn das Traditionslokal an der Gerliswilstrasse hat eine turbulente Zeit mit mehreren Pächterwechseln hinter sich.

Zuletzt hatte Tuck-Tuck-Gastronom Reto Roos das Lokal unter seinen Fittichen, musste aber Ende Februar nach einem halben Jahr kapitulieren. Trotz hohem Besucheraufkommen entschied sich Roos, das Restaurant nach einem Corona-Lockdown nicht mehr zu öffnen (zentralplus berichtete). Seither stand das 1911 gegründete Lokal leer. Bis jetzt.

Von der Hochschule zum Restaurant

Die neue Gastgeberin heisst Gabriela Niederberger und sie zeigt sich bei unserem Besuch vor Ort hochmotiviert, den Adler wieder für die Gäste zu öffnen. Ein Restaurant hat sie bisher noch nie betrieben. «Ich war 20 Jahre lang bei der Hochschule Luzern für vielfältige Aufgaben zuständig», sagt Niederberger. Dabei hat sie zahlreiche Projekte umgesetzt wie beispielsweise die Kita Campus in Luzern.

«Es fühlt sich grandios an, Teil dieser Geschichte zu sein.»

Gabriela Niederberger

Das Projekt «Restaurant mit Kulturraum» geisterte ihr schon seit Jahren im Kopf herum. «Ich habe schon länger nach einem Lokal gesucht, aber bisher nichts Passendes gefunden.» Dann habe sie in der Zeitung von der Ausschreibung des Adlers erfahren und sich bei Besitzer Max Buholzer mit einem Konzept beworben. Mit Erfolg. Angst vor den grossen Fussstapfen hat sie jedoch nicht. «Es fühlt sich grandios an, Teil dieser Geschichte zu sein», schwärmt Niederberger.

Alte Bekannte ergänzen das Team

Das nötige gastronomische Know-how bringt ihr Team mit. Der zweite zentrale Kopf hinter dem Adler-Reboot heisst Sara Stalder – und die ist in der Luzerner Gastro-Szene beileibe keine Unbekannte. Bis 2013 gehörte sie zum Théâtre-La-Fourmi-Team und hat später im Alleingang den Schützengarten an der Bruchstrasse als Zwischennutzung betrieben.

Den Adler kennt die Emmerin bereits seit ihrer Jugend. «Ich war schon mit 16 hinten im Saal bei Rockkonzerten dabei», erinnert sie sich. Später hat sie hier als Aushilfe in der Küche gearbeitet – ein Posten, den sie nebst anderen Aufgaben auch jetzt wieder innehaben wird. «Ich freue mich darauf, wieder hier zu sein», sagt Stalder.

Zuerst wird die Karte getestet

Das restliche Team zusammenzustellen sei eine der grössten Herausforderungen gewesen, so Niederberger. Damit wurde sie mit einem Problem konfrontiert, mit dem die Luzerner Gastroszene schon seit einiger Zeit zu kämpfen hat (zentralplus berichtete). Mit Leonardo Aquilino hat sie aber einen Koch ins Boot geholt, der ebenfalls langjährige Erfahrung mitbringt. So war er unter anderem Betreiber des «Punto Giusto» an der Bleicherstrasse.

«Ich möchte einen Teil der Traditionen des Adlers bewahren.»

Andrea Niederberger

Kulinarisch setzt Aquilino auf regionale und saisonale Küche. Derzeit probieren sich Koch und Betreiberinnen zusammen mit Freunden und Bekannten durch die eigene Speisekarte, machen letzte Anpassungen. Beim letzten Testessen stehen beispielsweise eine vegetarische Herbstlasagne mit Cima di rapa und Pilzen als Hauptgang auf der Karte.

Als Dessert werden den auserwählten Gästen in Marsala caramelisierte Feigen mit Vanilleglace oder eine Zitronen-Quark-Torte gereicht. Aquilino und Niederberger legen grossen Wert auf hausgemachte Küche. Darum streben sie auch an, das Schweizer Gastro-Label «Fait Maison» zu erlangen.

«Es muss nicht immer Neues sein»

Was erwartet die Gäste im «neuen» Adler? Rein optisch gesehen wenig Neues. Zwar hat der Saal hinter dem Schankraum einen neuen Anstrich erhalten, aber sonst hat Niederberger auf grosse Umbauten oder Renovationen verzichtet. Auch aus Traditionsgründen. «Es muss nicht immer alles neu sein. Manchmal ist es spannender, etwas weiterzunutzen als etwas Neues aufzubauen.»

Und weiter: «Ich möchte einen Teil der Traditionen des Adlers bewahren.» Beispielsweise den Stammtisch, der um keinen Meter verrückt werden soll – ein Hinweis, den Niederberger von einer ihrer künftigen Service-Angestellten bekommen hat, die während Jahren im Adler serviert hat.

Der Adler soll eine Quartierbeiz werden, in der sich Leute alters- und parteiunabhängig zusammensetzen und austauschen können. Darum wollen Gabriela Niederberger und Sara Stalder auch den rückwärtigen Saal mehr nutzen. Auf der neu aufgebauten Bühne sollen Lesungen, Konzerte und andere Events stattfinden können, der Raum selbst für kostenlose Jassabende oder simples Verweilen zur Verfügung stehen. «Ich stelle mir vor, dass der Saal zu einem ungezwungenen Treffpunkt wird.»

Die Uhr tickt weiter

Wird in der langen und oft schwierigen Geschichte des Adlers nun wieder alles gut? Möglicherweise. Denn hinter Niederbergers und Stalders Engagement tickt bereits wieder eine Uhr. In den kommenden Jahren soll das Projekt Sonne – eine Wohn-Überbauung mit vier Gebäuden – zwischen Gersag- und Gerliswilstrasse realisiert werden (zentralplus berichtete). Und damit einhergehend, soll der denkmalgeschützte Adler saniert werden.

«Unsere grösste Baustelle ist derzeit noch die Küche.»

Gabriela Niederberger

«Wir werden dann das Lokal zeitweilig verlassen und uns nach einem Zwischenstandort umsehen müssen», sagt Niederberger. Quasi der Adler im Exil. «Mein Anliegen ist, die Räumlichkeiten bis dahin gut zu bespielen, damit die Leute den Adler-Saal auch weiter haben möchten.»

Erstmal steht aber die Eröffnung am 7. Oktober vor der Tür. Und bis dahin gibt es noch ein paar Dinge zu erledigen. «Unsere grösste Baustelle ist derzeit noch die Küche», sagt die Neuwirtin. Aber nicht etwa, weil noch Geräte fehlen, sondern weil sich das Team erst noch einspielen und zusammenfinden muss. Darum will man auch auf ein grosses Eröffnungsfest verzichten und für die ersten Wochen einen Dreitage-Betrieb von Donnerstag bis Samstag anstreben, bis sich alles eingependelt hat. «Vielleicht holen wir das Fest zu einem späteren Zeitpunkt nach», sagt die frischgebackene Wirtin.

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