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Kunst in der Raviolibar: Mit dem Fumetto die Stadt entdecken
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Ausstellungseröffnung der Satellitenausstellung in den Räumen der IG Kultur. (Bild: jwy)

Comix-Festival nimmt Luzern in Beschlag Kunst in der Raviolibar: Mit dem Fumetto die Stadt entdecken

5 min Lesezeit 23.03.2017, 15:46 Uhr

Nirgendwo lässt sich die Vielfalt des Comix-Festivals Fumetto so einfach erleben wie an den unzähligen Satelliten-Ausstellungen. Wir haben für Sie vorgeschnuppert – und landeten in einem neuen «place to be» und auf einem Schiff kurz vor der Verschrottung.

Endlich mal rein in all die Lokale, an denen man sonst vorbeispaziert. Weil man keine Zeit hat, weil man sich nicht reintraut oder weil man sonst eine gute Ausrede hat. Es gibt kaum eine bessere Gelegenheit, die Stadt mit all ihren Räumen, Löchern und Lokalen zu entdecken, als während des Comix-Festivals Fumetto.

Halt, werden Sie jetzt sagen, das Fumetto geht erst am 1. April los! Stimmt, doch nur halbwegs: Das eigentliche Festival mit all den Hauptausstellungen startet zwar dann. Aber jetzt schon sind viele der kleinen Geschwister – die Satelliten-Ausstellungen – zu entdecken.

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Über 50 solcher Ausstellungen gibt es – in Schaufenstern, Restaurants, Büros, Coiffeursalons, Werkstätten oder sogar auf einem ausrangierten Schiff. Nie lässt sich so niederschwellig und beiläufig so viel Kunst aufschnappen.

Wir begaben uns am Mittwoch auf einen Rundgang durch fünf der Ausstellungen – was angesichts der Fülle nur ein erstes Beschnuppern ist. Und doch hat’s gereicht, um dem Schreibenden den Ärmel reinzunehmen.

Zwei Preisträger zu Beginn

Start war in den Räumen der IG Kultur an der Bruchstrasse 53. Dort stellen zwei der derzeit talentiertesten Zeichner aus: der Luzerner Luca Bartulović und die St. Gallerin Lika Nüssli. Kann man so sagen, weil die beiden vor einem Jahr das Comic-Stipendium der Städte Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich gewannen (zentralplus berichtete). Für Lika Nüssli gab’s den Hauptpreis (30’000 Franken), für Luca Bartulović den Förderpreis (15’000).

Luca Bartulović stellt bei der IG Kultur aus.

Luca Bartulović stellt bei der IG Kultur aus.

(Bild: jwy)

Das Geld gibt ihnen Luft, um ein grösseres Projekt als üblich umzusetzen. Jetzt ist ein erster Zwischenschritt auf dem Weg zur fertigen Publikation zu sehen.

Comix-Festival Fumetto

Vernissage der Ausstellung von Felice Bruno in der Raviolibar, Hirschmattstrasse 13: Freitag, 31. März, 19 Uhr.

Informationen zu den Öffnungszeiten und Dauer der Satellitenausstellungen gibt’s auf der Fumetto-Webseite. Das Fumetto Comix-Festival dauert vom 1. bis 9. April.

Nüssli, die sich als Grenzgängerin zwischen verschiedenen Disziplinen sieht, wählte als Thema die Demenz-Krankheit ihrer Mutter. Bartulović nutzt das Preisgeld für einen mehrmonatigen Aufenthalt in Rom. An der Fensterfront prangt ein grosser gelber Fiat Cinquecento – kein Zufall: Es soll in der Geschichte um Autos gehen. Doch bis sein erster grösserer Comic vorliegt, dürfte es noch zwei Jahre dauern.

Für eingehende Betrachtung der Ausstellung war noch keine Gelegenheit: zu dicht die Menschenmenge und zu dicht auch das Programm – die nächste Station wartete.

Die neue Raviolibar beschnuppern

Im Restaurant Drei Könige stellt die Westschweizerin Camille Perrochet aus. Kindliche, kleine Tiere verteilen sich auf die Wände des Lokals. Vögel, Füchse, Rehe und anderes. Die Künstlerin will die Tiere im menschlichen Kontext zeigen – das gelingt: Hängen sie doch zwischen speisenden und Aperitif trinkenden Menschen.

Am nächsten Ort ist man definitiv etwas überfordert: Soll man die Augen auf die schmucke neue Bar richten, die just an diesem Abend eröffnet? Oder auf die Kunst die da dicht an dicht an den Wänden hängt? Am besten zusammen wirken lassen, denn es passt wie die Faust aufs Auge.

Felice Brunos Werke zieren die Wände der Raviolibar.

Felice Brunos Werke zieren die Wände der Raviolibar.

(Bild: jwy)

Felice Bruno stattet die neuen Wände der nigelnagelneuen Raviolibar aus (zentralplus berichtete). Der Luzerner, den man unter anderem von seinen Illustrationen aus verschiedensten Schweizer Medien kennt, scheint ein fleissiger und vielfältiger Schaffer zu sein. Ältere und neuere Arbeiten hängen in der Bar, und von Felice Bruno stammen auch die Fumetto-Pokale der letzten 25 Jahre, vernimmt man von Jana Jakoubek, der künstlerischen Leiterin des Fumetto.

Es wird eng, als sich die Besucher des Rundgangs zu den Gästen der Raviolibar gesellen. Erkenntnis 1: Diese Bar dürfte zu einem neuen «place to be» in der Neustadt werden. Erkenntnis 2: Unbedingt noch in Ruhe anschauen gehen. Denn ehe man sich’s versieht, hat man den Anschluss an die Gruppe verpasst. Diese marschiert bereits durchs Vögeligärtli Richtung Hotel Continental.

Roger Duvoisin (links) hat die Raviolibar eröffnet, Felice Bruno stellt seine Bilder aus.

Roger Duvoisin (links) hat die Raviolibar eröffnet, Felice Bruno stellt seine Bilder aus.

(Bild: jwy)

Wieder mal Moskau besuchen

Die Russin Ekaterina Zenina hat ihre Reihe unter dem Titel «Secrets» in die Fenster des Restaurants Bellini gehängt. Das Gute dabei: Man muss die Gäste nicht stören, sondern betrachtet die Bilder von aussen. Ein ganzes Grüppchen unter der Gruppe entpuppt sich als russische Besucher. Auch etwas tolles am Fumetto: Aus allen Ecken Europas und der Welt reisen sie an und drücken der Stadt ihren Stempel auf.

Festivalleiterin Jana Jakoubek (links) und die Künstlerin Ekaterina Zenina aus Moskau.

Festivalleiterin Jana Jakoubek (links) und die Künstlerin Ekaterina Zenina aus Moskau.

(Bild: jwy)

Zenina jedenfalls studiert in Moskau an der British Higher School of Art and Design, und sie nutzt die kurze Ansprache vor dem Hotel, um Werbung in eigener Sache zu machen. Denn Moskau habe viele coole Festivals zu bieten, gute Künstler und eine vitale Szene. «Eine gute Gelegenheit, Moskau zu besuchen», sagt sie – und man nimmt es sich vor.

Ein Schiff, kurz vor seinem Tod

Beim KKL hat die MS Rigi geankert, ein Schiff mit Jahrgang 1955. Während die Ersatzbusse um den Wagenbachbrunnen kurven, um die gestrandeten Bahnpassagiere in Luzern aufzugabeln, begibt sich die Wandertruppe auf Deck. Es sei die letzte Gelegenheit, das Schiff anzuschauen, sagt Christine Portmann von der Fumetto-Festivalleitung. Nach der Ausstellung wird es eingestampft.

Wieder ein doppelter Grund für einen Besuch – denn neben dem charmanten Schiff gibt es dort eine Doppelausstellung, organisiert von «Kunstaheu», dem Verein, der ungewöhnliche Orte in temporäre Kunstplattformen verwandelt. Das gelingt hier vorbildlich.

Hinein ins Schiff, es ist die letzte Gelegenheit.

Hinein ins Schiff, es ist die letzte Gelegenheit.

(Bild: jwy)

Benedikt Notter präsentiert seine «Zirkusbilder», die während seiner Auszeit beim Zirkus Monti entstanden sind (zentralplus berichtete). Man wird von seinen grossen, grünen Werken förmlich angezogen, wenn man das Schiff betritt. Und man kann sich wie gewohnt in seinen Bildern verlieren, die von tragischen Absurditäten strotzen.

Der Sinn des Lebens

Weiter hinten wartet «The Meaning of Life» der Luzernerin Anja Wicki (siehe auch unsere Rezension). So heisst die Publikation, die jetzt herauskommt: Kurzgeschichten, die von einem Sinn des Lebens erzählen. Viele davon sind während eines Atelieraufenthalts in Chicago im Winter 205/2016 entstanden. Das Witzige ist: Wicki stellt nicht nur die Originalzeichnungen aus, sondern hat zu jeder Geschichte ein liebevolles Schiffsmodell gebaut. Von schnittig («Control») bis eher seeuntüchtig («Faith»).

«The Meaning of Life»: So heissen Ausstellung und Publikation von Anja Wicki.

«The Meaning of Life»: So heissen Ausstellung und Publikation von Anja Wicki.

(Bild: jwy)

Wicki ihrerseits hat 2014 ein Comics-Stipendium gewonnen – und gibt mit dem eingangs erwähnten Luca Bartulović das Ampel-Magazin heraus. Womit sich der Kreis schön schliesst.

Ein Apéro wird gereicht – und man stellt sich die Frage, wo man die Zeit hernehmen soll, die restlichen 47 Satelliten anzuschauen.

Weitere Bilder aus den Ausstellungen in der Galerie:

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