Menschen, die sich auf einer Bühne inszenieren, bilden den Kern von Notters neuster Arbeit.  (Zeichnung: Benedikt Notter).
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Menschen, die sich auf einer Bühne inszenieren, bilden den Kern von Notters neuster Arbeit.  (Zeichnung: Benedikt Notter).

Luzerner Zeichner lebt seinen Kindheitstraum

4min Lesezeit

Für Benedikt Notter erfüllte sich ein Traum. Er durfte den Circus Monti während zwei Monaten begleiten. Der Luzerner Zeichner ging, um sich von der Fantasiewelt und dem Leben hinter den Kulissen zu inspirieren. Und entdeckte dabei eine neue Leidenschaft.

Dass sich Notter in der Zirkuswelt wohlfühlen würde, diese Vermutung liegt beim Betrachten seiner bisherigen Werke auf der Hand. Seine bunten Zeichnungen, kuriosen Figuren und tiefgründigen Kompositionen ähneln sehr den dramatischen, theatralischen und manchmal tragischen Inhalten einer Zirkusaufführung.

Diese Fantasiewelt voller Magie und Abenteuer faszinierte den heute 39-Jährigen bereits in seiner Kindheit. Seine «grosse Zirkusvergangenheit» besteht aus einem Gastspiel im Schulzirkus Pipistrello, seiner Begabung als Kunstturner und Einradfahrer sowie den improvisierten Zirkusaufführungen mit Nachbarskindern an Quartierfesten, erzählt Notter augenzwinkernd.

An dieser Zirkusromantik war Notter bei seinem neusten Projekt aber nur teilweise interessiert. Er wollte hinter die Kulissen blicken, das Technische entdecken und den Artisten in ihrem Alltag begegnen. Dass nun dennoch die Showaspekte im Fokus stehen, erklärt er mit dem Reiz, den diese Szenen bei ihm auslösen.

 

Idee in Chicago geboren

Die Idee, den Circus Monti (zentralplus berichtete) eine Zeit lang zu begleiten, entstand ein Jahr zuvor in Chicago. Notter verbrachte vier Monate im Atelier des Vereins «Städtepartnerschaft Luzern–Chicago», um an seinem neusten Buch «Die halbe Wahrheit» zu arbeiten (zentralplus berichtete). Weil es ihm damals schwerfiel, Kontakte zu anderen Menschen herzustellen, suchte er für sein nächstes Projekt ein gegenteiliges Umfeld. Im Zirkus sagte ihm daher der verbindende Gemeinschaftsgedanke sehr zu. Wenn es ihm zu viel wurde, konnte er sich in sein Wohnmobil der Stiftung Otto Pfeifer zurückziehen.

Auf der Suche nach Inspiration für weitere Zeichnungsprojekte entstanden zahlreiche feine schwarz-weisse Entwürfe, die nun auf dem Tisch in seinem Atelier liegen. Der Zirkus war die erhoffte Inspiration. Clowns, Tänzer und Objektstudien in seinem Skizzenbuch zeugen von einer äusserst bereichernden Zeit. Tiere fehlen dagegen. «Der Circus Monti ist ein reiner Akrobatikzirkus. Tiere regen meine zeichnerische Fantasie aber auch sehr an.» Gut möglich also, dass in der nun entstehenden Postkartenserie auch Tiere auftauchen werden.

Der Autor bei der Vernissage in der Galerie
Der Autor bei der Vernissage in der Galerie (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Im Scheinwerferlicht

Zur Person

In Luzern aufgewachsen, besuchte Benedikt Notter die renommierte Grafikklasse und entwickelt seither freie Zeichnungsprojekte. Grosse Aufmerksamkeit erhielt er beispielsweise für seine neu interpretierten Jasskarten. Heute ist der 39-Jährige Mitglied des Werkvereins Bildzwang.

Das Interesse des Zeichners gilt ganz allgemein runden Bühnen, der Manege oder einer Arena, und den darin auftretenden Akteuren: Artisten im Zirkus, Politiker in Debatten. «Ich untersuche das Persönliche, das Menschliche, unabhängig von der Gesinnung.» Solche Bühnen offenbarten im Scheinwerferlicht den Charakter von Persönlichkeiten, fährt Notter fort. Und er erklärt: «Auch Figuren wie Christoph Blocher zu beobachten, finde ich wahnsinnig spannend.»

So vielseitig ein Leben im Circus Monti ist, so vielseitig war das Praktikum des Luzerners. Er arbeitete in der Werkstadt, ging mit auf Werbung, stellte Requisiten her, half in der Küche und als Platzanweiser. «Extrem anstrengend und spannend», meint er dazu rückblickend. Und er entdeckte dabei sogar eine neue Leidenschaft: das Handwerken.

Mit ins Zirkuszelt nahm Notter das Skizzenbuch derweil nie. Seine Zeichnungen mit den charakteristischen Figuren entstehen aus dem Kopf heraus. Der Prozess der Verfremdung hat für den Luzerner dabei einen speziellen Reiz. Die grosse Bühne betritt Benedikt Notter selber dann wieder, wenn er seine Postkarten zum Thema Zirkus präsentieren wird. Der Monti zieht in der Zwischenzeit weiter.

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