50 Jahre Luzerner Fasnachts-Theater

Die letzte Chance, Domus live zu sehen

Die Lozärner Fasnacht verliert eine Truppe, die fast schon zum Inventar gehört: die Fasnachts-Theatergruppe Domus. Sie tragen ihre mobile Bühne in diesem Jahr zum 50. und gleichzeitig letzten Mal durch die Luzerner Gassen.

Auf dem Falkenplatz bildet sich langsam eine Menschentraube, alle blicken gebannt auf den Eingang zum Gotthard-Tunnel. Dann erklingt Musik, das Geräusch eines fahrenden Busses setzt ein. Maskierte Schauspieler tragen eine hölzerne Bus-Attrappe auf die gemalte Strasse. Aus den Lautsprechern ertönt ein vorab aufgenommener Dialog, den die Truppe passend dazu mimt.

Mit viel Schalk spielen die Schauspieler eine Geschichte um eine Situation, die wohl jedem bekannt vorkommt: Stau vor dem Gotthard-Tunnel. Ebenso bekannt sind die Spielerinnen an der Lozärner Fasnacht: die Theatergruppe Domus. Ihr Markenzeichen ist die aufwendige Bühne, die sie jeweils per Muskelkraft durch die Menge manövrieren. Damit bespielen sie die Gassen und Plätze der Leuchtenstadt bereits zum 50. Mal – doch gleichzeitig auch zum letzten.

Projekt geht samt Mitgliedern in Pension

An Zuschauern mangelt es Domus nicht: Sie haben sich inzwischen ein langjähriges Publikum aufgebaut, wie das viele Geproste vor und nach der Aufführung zeigt. Wie Mitglied Daniel von Arx erklärt, habe der Schlussstrich mehrere Gründe: «Wir müssten nächstes Jahr nicht mit einer coolen Kulisse unterwegs sein, sondern mit einem Leiterwagen.» Denn zwei ihrer Mitglieder – ihr Designer und ihr Schreiner – gehen in Pension, womit sie ihre Werkstatt nicht länger nutzen können.

Hinzu komme ein zunehmender Platzmangel in der Altstadt. Domus spielt jeweils nicht an fixen Plätzen, sondern zieht mit dem Bühnenbild durch die Strassen bis zu einem Ort, der genügend Platz für eine Aufführung bietet. «Für solche nomadisierenden Theatergruppen ist es immer schwerer geworden, Plätze zu finden.» Heute stünden auf offenen Plätzen oft Imbiss-Buden oder Kafi-Wagen, die wenig Raum für ihre mobile Bühne böten.

Keine Auflösung – da kein Verein

Ihre Freiheitsliebe und Spontanität zeigt sich auch in der Organisation: Die rund 25 Mitglieder von Domus sind kein Verein, haben weder Vorstand noch Statuten. Genau genommen können sie sich also nicht einmal offiziell auflösen. Auch gehören sie keiner grösseren Organisation wie den Vereinigten oder den Kulturfasnächtlern an. Nicht einmal eine Website haben sie. Auch das Sujet wird erst im Dezember geboren und gebastelt, wie das Lozärner Fasnachtskomitee in einem Porträt schreibt.

Hier kannst du eine Aufführung besuchen

Du willst den Besuch einer Aufführung nicht dem Zufall überlassen? Nebst den spontanen Darbietungen haben sie wenige fixe Termine:

Güdismontag

  • 11 Uhr: Suidtersche Apotheke (Burgerstrasse/Krienbrüggli)
  • 17.30 Uhr: Bourbaki Panorama
  • 22.15 Uhr: Falkenplatz

Güdisdienstag

  • 17 Uhr: Barbatti Bar
  • Ab ca. 19 Uhr: Sternenplatz

Bevor damit nun Schluss ist, tingelt Domus noch ein letztes Mal durch die Lozärner Fasnacht. Was die Zuschauer bei ihrem letzten Stück erwartet? Daniel von Arx umschreibt ihr Stück so: «Wir wollen alle eigentlich nach Bella Italia, doch kommen nicht viel weiter als Göschenen. Wir stehen im Stau vor dem Gotthard-Tunnel und hier spielen sich die üblichen Tragödien ab, wie man sie aus dem Stau kennt.»

Wie das in etwa aussieht, siehst du im obigen Video – oder per Zufall beim Spazieren durch die Luzerner Altstadt.

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Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Daniel von Arx, Mitglied von Domus
  • Besuch der Aufführung
  • Artikel im Magazin «Hauptsach Fasnacht» des Lozärner Fasnachtskomitee (2020)
  • Artikel im «Anzeiger Luzern» (2023)
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