Gesellschaft
Umweltberatung Luzern gibt Stromspartipps

Ein Kippfenster kostet dich 300 Franken

Auch wenn die Tipps banal klingen: Gemäss Cyrill Studer Korevaar lohnt sich Energiesparen allemal. (Bild: Adobe Stock/zvg)

Die Schweiz bereitet sich auf eine Energiekrise vor. Dazu hagelt es hüben wie drüben Tipps zum Stromsparen. Doch wie viel nützen die? Ein Luzerner Umweltberater ordnet ein.

«Nicht verschwenden» heisst derzeit das Gebot der Stunde. In einer breit angelegten Kampagne rufen derzeit die Behörden auf allen Ebenen zum Stromsparen auf. Dies, um die drohende Strommangellage im Winter abzufedern. Und, um das eigene Portemonnaie zu schonen – denn die nächste Stromrechnung wird um einiges teuer ausfallen (zentralplus berichtete).

Doch was bringen diese ganzen Stromspartipps überhaupt? Gemäss dem Leiter der Luzerner Umweltberatung, Cyrill Studer Korevaar, eine ganze Menge. Er berät die Luzernerinnen auch in «Nicht-Krisen-Zeiten» darüber, wie sie energieeffizienter wohnen können. Und hat deshalb gute Neuigkeiten: Durch konsequentes Stromsparen könne es möglich sein, den Preisanstieg beim Stromtarif zu kompensieren. «Von einem durchschnittlichen Stromverbrauch ausgehend, sollten Einsparungen von zirka einem Viertel möglich sein.»

Stellt sich die Frage, mit welchen Spartipps dies möglich ist. zentralplus hat Studer fünf gängige Stromspartipps zur Bewertung des Nutzens vorgelegt. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass du je nach Mietvertrag die Einsparungen nicht eins zu eins im Portemonnaie spürst (zentralplus berichtete).

Kühlere Wohnung für ein dickeres Portemonnaie

Im Moment ist das Abdrehen der Heizung noch als Tipp formuliert. Doch sollte es wirklich zu einem Strommangel im Winter kommen, plant der Bund via Verordnung eine Heiztemperatur von 19 Grad vorzuschreiben. Eine Massnahme, die nicht allen gefällt (zentralplus berichtete).

Die aber ordentlich Energie spart. Wie Studer schreibt, kann pro Grad tiefere Temperatur 6 Prozent der Heizenergie gespart werden. Hast du also bisher auf wohlige 22 Grad geheizt, sparst du damit im Winter knapp ein Fünftel der Energie. Ausserdem hat das den netten Nebeneffekt, dass du einen beträchtlichen Teil deines CO₂-Ausstosses senkst. Der Grossteil der Stadt Luzern heizt mit Öl und Gas. Würden alle rund drei Grad weniger heizen, würde sich der CO₂-Ausstoss der Stadt Luzern um 10 Prozent senken, wie Studer vorrechnet.

Kalt und kürzer duschen

Die Warmduscher unter uns dürften bereits beim Gedanken daran erschaudern: Doch mit kalt duschen lässt sich einiges an Energie sparen. «Die Warmwassererwärmung ist sehr energieintensiv. Kaltwasser hingegen ist mit wenig Energieaufwand verbunden, somit wäre diese Massnahme sehr wirksam, und läge wohl nahezu bei 100 Prozent Energieeinsparung», meint Studer dazu.

Er fügt jedoch sogleich an, dass eine solche Massnahme für die meisten wohl wenig realistisch ist. Wer trotzdem den Hebel bei der täglichen Hygiene ansetzen will, solle es mit einer «zweckmässigen Kurzdusche» versuchen: «Mit mässig warmem Wasser nass machen, Wasser während Einseifen und Haare waschen abstellen, anschliessend abspülen.» Zudem empfiehlt der Umweltberater den Umstieg auf eine Sparduschbrause. Diese können den Wasser- und Energiebedarf um gut die Hälfte reduzieren – und dies ohne Komforteinbusse.

Bye-bye Stand-by

Kaffeemaschine, Fernseher, Computer, Radio, DVD-Player, Modem oder Router ... In einem Haushalt sammeln sich so einige Geräte an. Und nicht alle werden jeweils konsequent nach Gebrauch wieder ausgeschaltet. Hand aufs Herz: Wer schaltet den Router vor dem Schlafen jeweils aus? Eben.

Dabei liesse sich auch hier viel Energie sparen. Wie viel, sei jedoch schwer zu beziffern. «Das kommt auf die jeweiligen Geräte und deren Jahrgang darauf an», meint Studer. Doch Energieschweiz schätzt, dass nur mit konsequentem Ausschalten der Geräte jährlich 160 Millionen Franken an Energiekosten gespart werden könnten. Für eine auf dich und deine Situation zugeschnittene Analyse empfiehlt der Leiter der Umweltberatung deinen Verbrauch über Energybox zu checken. Ein einfacher Anfang bietet eine Steckleiste mit Kippschalter.

Aus dem Raum raus, Licht aus

Nicht nur den Geräte-, auch den Lichtschalter gilt es konsequent auszuschalten. Studer illustriert den Nutzen an einem Beispiel: Nehmen wir an, du schaltest das Licht jeweils nur in den Räumen an, in denen du dich aufhältst. Und auch nur während der rund vier Stunden täglich, zu denen es wirklich dunkel ist. Dann beträgt dein Stromverbrauch für die Beleuchtung nur 6 Prozent von jemanden, der alle Lampen während 12 Stunden durchgehend leuchten lässt.

Für das Tüpfelchen auf dem i empfiehlt Studer den konsequenten Einsatz von LED-Lampen. Diese sparen gegenüber älteren Modellen bis zu 90 Prozent des benötigten Stroms.

Richtig lüften: Ganz oder gar nicht

Dieser Tipp war schon zu Hochzeiten der Corona-Pandemie beliebt: richtig Lüften. Damit meint der Bund, dass du dein Fenster nicht ständig schrägstellen solltest. Wenn Lüften, dann das ganze Fenster für rund fünf bis zehn Minuten ganz aufmachen, etwa dreimal über den Tag verteilt.

Gemäss dem Amt für Umwelt und Energie von St. Gallen entweicht wegen eines Kippfensters pro Winter Wärme im Wert von rund 200 Litern Heizöl. Bei den derzeitigen Preisen entspräche das Öl im Wert von rund 300 Franken, so Studer.

Energiesparen bleibt vorerst wichtig

Das sind natürlich längst nicht alle Energiespar-Tipps. Doch mit diesen lässt sich schon einiges bewegen. Denn wie Studer schreibt, dürften die Strompreise bei der aktuellen Marktlage noch einige Zeit so hoch bleiben. Mit konsequentem Energiesparen dürfte dich die nächste Stromrechnung nur halb so sehr aus den Extra-Wollsocken hauen.

Verwendete Quellen
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