Politik
Bund ruft zum Sparen von Gas auf

Auf 19 Grad heizen? Luzerner Politiker monieren Massnahme

Für einmal sind sie sich einig: Armin Hartmann (links) und Michael Töngi finden, eine Verpflichtung, die Heizung auf 19 Grad zu drosseln, würde nicht funktionieren. (Bild: Symbolbild: Pixabay/zvg)

Der Bundesrat hat mögliche Gas-Sparmassnahmen vorgestellt. Eine davon eckt besonders an: Personen mit Gasheizung dürfen diese nur noch bis 19 Grad aufdrehen. Beim Luzerner Mieter- und Hauseigentümerverband kommt der Vorschlag nicht gut an.

Der bekannte Song der deutschen Band 2Raumwohnung würde in Luzern vermutlich bald anders gesungen werden: «19 Grad und es wird noch kälter.» Um Energie zu sparen, nimmt die Stadt Luzern Heizungen ins Visier (zentralplus berichtete).

Doch nicht nur. Am Mittwoch hat der Bundesrat an einer Medienkonferenz seine Sparkampagne im Hinblick auf den befürchteten Energiemangel im Winter vorgestellt. Für verschiedene Haushaltsbereiche stellt er über eine Website je fünf Tipps vor.

Wird Gas knapp, ist's mit wohliger Wärme vorbei

Sollten diese Tipps nicht reichen und das Gas trotzdem knapp werden, hat der Bundesrat zwei Notfallpläne parat. Zum einen eine Verordnung, die den Gebrauch von Gas stark einschränkt und zum Teil auch verbietet. Für den schlimmsten Fall hat der Bundesrat gar eine Verordnung zur Kontingentierung von Gas vorbereitet. Diese betrifft aber vor allem Unternehmen, denn Privathaushalte sind explizit ausgeschlossen.

Die Verordnungen gehen nun bei Kantonen, Verbänden und weiteren interessierten Kreisen in eine dreiwöchige Konsultation. Diese Frist hat zwar erst angefangen – doch besonders eine der vorgeschlagenen Massnahmen gibt zu reden: Wird das Gas knapp, dürfen Gasheizungen künftig nur noch auf 19 Grad Celsius aufgedreht werden. Ausgenommen sind nur Spitäler, Praxisräume, Geburtshäuser und Alters- sowie Pflegeheime.

«Beim Heizen besteht ein grosses Einsparpotenzial. Wer kann, soll auch noch etwas tiefer runterschalten.»

Michael Töngi, Vize-Präsident Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz

«Die Privathaushalte haben einen Anteil von über 40 Prozent am Gasverbrauch. Ohne sie ist eine substanzielle Reduktion des Gasverbrauchs in der Schweiz nicht möglich», steht in einer Medienmitteilung dazu.

Nur 19 Grad heizen ist nicht für alle umsetzbar

Freudensprünge macht der Mieterinnen- und Mieterverband deswegen nicht. Zwar steht dieser voll und ganz hinter der Energie-Sparkampagne – eine solche fordert er bereits seit Ende März. Dessen Vize-Präsident und Grünen-Nationalrat Michael Töngi moniert jedoch die Verordnungsentwürfe. Über Twitter schreibt er knapp: «Bei Mangellage Verbot von Sauna oder Schwimmbädern voll ok, aber Vorgabe Heizen 19 Grad funktioniert nicht.»

Am Telefon führt er aus: «Es gibt Leute, die eine höhere Raumtemperatur als 19 Grad benötigen. Beispielsweise bettlägerige Personen oder Kleinkinder.» Dass der Bundesrat beim Heizen den Hebel ansetzen will, kritisiert Michael Töngi indes nicht. «Beim Heizen besteht ein grosses Einsparpotenzial. Wer kann, soll auch noch etwas tiefer runterdrehen.»

Wer kontrolliert, wie warm deine Wohnung ist?

Es ist mehr die Art und Weise, wie er diese Massnahme umsetzen will. Eine Verordnung ist für den 55-Jährigen klar der falsche Weg: «Der Bundesrat muss sich schon überlegen, wie diese Verordnung umgesetzt werden könnte. Der Entwurf wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. So beispielsweise, wie man das kontrollieren will.»

Die vorgeschlagenen Massnahmen gehören für ihn deshalb eher in den Sparappell. Dieser könnte seiner Meinung nach auch noch intensiviert werden.

Bedenken, dass diese freiwilligen Massnahmen dann letztlich nicht umgesetzt werden, hat Töngi nicht: «Ich finde, es ist eine solidarische Aufgabe, bei der jeder mithelfen kann.» Als Beispiel könnten Vermieterinnen mit ihren Mietern den Dialog suchen und ihnen das Sparpotenzial im Verbrauch aufzeigen. Oder miteinander festlegen, auf welche Temperatur die Heizung heruntergeschraubt werde.

Verordnung stellt Hauseigentümer vor rechtliche Probleme

Auch beim Hauseigentümerverband kommt die Verordnung mit den Gas-Sparmassnahmen nicht gut an. Der Direktor des Schweizer Hauseigentümerverbands, Markus Meier, erwähnt in der «Tagesschau», dass diese Temperatursenkung Hauseigentümer vor rechtliche Probleme stelle.

«Können gewisse Räume in einer vermieteten Wohnung nicht auf 20 Grad geheizt werden, liegt ein Mangel an der Mietsache vor, was zu Mietzinsreduktionen führen kann», führt Armin Hartmann, Präsident des Luzerner Hauseigentümerverbands, auf Anfrage aus. Vermieter könnten deshalb nicht von sich aus die Heizung herunterdrehen.

«Den Aufruf, mit sinnvollem Heizen Energie zu sparen, unterstützen wir», fügt der Luzerner SVP-Kantonsrat an. Jedoch sei eine Verpflichtung dazu keine Option. Und würde auch nicht funktionieren. Trotzdem könne jeder mit individuellem Verhalten dazu beitragen, weniger Energie zu verbrauchen. So beispielsweise durch das Heizen nach Bedarf, regelmässiges Lüften oder das Schliessen der Roll- und Fensterläden.

Bund nimmt Kantone in die Verantwortung

Wie diese Verordnungen konkret umgesetzt werden, ist derweil noch nicht vollständig geklärt. Während der Medienkonferenz beteuert beispielsweise Bundesrat Guy Parmelin, dass der Bund keine koordinierten Kontrollen durchführen werde. Die Überprüfung der Umsetzung obliegt den Kantonen. Was der Kanton Luzern zu dieser künftigen Aufgabe sagt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

In der Zwischenzeit hat Luzern eine kantonale Website zum Thema «Mangellage Energie» veröffentlicht. Und auch die Umweltberatung Luzern veröffentlicht seit einer Weile Tipps zum Energiesparen (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung Bund zur Energie-Sparkampagne
  • Medienmitteilung zu den Energie-Verordnungen
  • Website des Bundes mit Tipps zum Energiesparen
  • Entwurf Verordnung zur Beschränkung von Gas
  • Entwurf Verordnung zur Kontingentierung von Gas
  • SRF Sendung «Tagesschau» vom 31. August
  • Telefonat mit Michael Töngi, Vize-Präsident Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz
  • Medienmitteilung Mieterinnen- und Mieterverband
  • Website Kanton Luzern zu Mangellage Energie
  • Schriftlicher Austausch mit Armin Hartmann, Präsident Hauseigentümerverband Luzern
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