Die «coolste Frau der Stadt» prägte die alte Himmelrich-Siedlung. (Bild: lwo)
Gesellschaft Kunst

Die «coolste Frau der Stadt» prägte die alte Himmelrich-Siedlung. (Bild: lwo)

Die Häuser der Stadt – die Leinwände der Zukunft?

6min Lesezeit

Was man vom Neubad und ehemaligen Himmelrich kennt, soll sich in der Stadt Luzern etablieren: Street Art. Die SP verlangt vom Stadtrat, dass er die Grundlagen dafür schafft. Die Wandbilder dürfen gemäss Initiant Cyrill Studer Korevaar durchaus kritisch sein – illegale Sprayereien will er aber nicht verharmlosen.

«Die coolste Frau der Stadt»: Lange lächelte sie uns von der Hausfassade bei der alten Himmelrich-Siedlung in der Neustadt entgegen. Nach dem Auffahren der Abrissbirne verschwand sie indes wieder aus dem Stadtbild. Doch das Wandbild des Luzerner Künstlerpaars Queenkong hat so manch einen inspiriert.

Offensichtlich auch die Politik. Die SP, unterstützt von den Grünen, will nun nämlich Street Art in Luzern stärker etablieren. In einem Postulat verlangt SP-Grossstadtrat Cyrill Studer Korevaar, dass der Stadtrat prüft, wie die öffentliche Hand dazu beitragen kann, dass sich die Street-Art-Ansätze weiter ausbreiten können.

Luzerner Tradition?

«Ich bin seit längerer Zeit fasziniert von Street Art und verfolge die Entwicklung intensiv, auch wenn ich persönlich keine Berührungspunkte zur Szene habe», begründet Cyrill Studer Korevaar sein Interesse. Für ihn steht die Ausdrucksform in einem geschichtlichen Kontext, der in Luzern durchaus nicht neu sei. Er stellt Street Art nämlich in eine Reihe mit den Hausfassadenmalereien in der Altstadt und mit den Bildern auf der Kapell- und Spreuerbrücke – einen «jahrhundertealten Kern in Sachen öffentliche Kunst», so Studer. «In diesem Kontext gesehen kann man das als Weiterentwicklung der städtischen Tradition verstehen», sagt Studer.

Schon jetzt ein Star: der Wal von Nevercrew an der Neubad-Fassade.
Schon jetzt ein Star: der Wal vom Street-Art-Duo Nevercrew an der Neubad-Fassade. (Bild: jwy)

Aber nicht nur das: In Luzern sind auch die entsprechenden Leute beheimatet, so der SP-Grossstadtrat. Konkret beispielsweise das Comix-Festival Fumetto oder die Fachklasse Grafik. «Ich bin überzeugt, dass diese künstlerische Ausdrucksweise stärker ins Stadtbild integriert werden könnte.» Zurzeit zieren Street-Art-Bilder in Luzern nur wenige Orte, beispielsweise das Neubad oder einen Teil der Steinenstrasse.

«Unsere Forderung soll illegale Sprayereien nicht verharmlosen, das ist ein ganz anderes Thema.»

Cyrill Studer Korevaar, SP-Grossstadtrat

Der Stadtrat wird im Postulat nun aufgefordert, mit Fachklasse, Fumetto und weiteren Interessierten zusammenzusitzen und das Potenzial zu prüfen. Zudem soll die Stadt mögliche Objekte auflisten, die infrage kommen, und schauen, wie interessierte private Immobilienbesitzer involviert werden könnten und wie konkrete Projekte finanziert werden könnten. Darüber hinaus soll das Bewilligungsverfahren möglichst einfach und klar gehalten werden. 

Kritik erwünscht, illegale Sprayer nicht

SP-Grossstadtrat Cyrill Studer Korevaar.
SP-Grossstadtrat Cyrill Studer Korevaar. (Bild: zvg)
Also nicht mehr nur klassische Skulpturen und Malereien sollen das Stadtbild prägen, sondern progressive und unkonventionelle Wandbilder – Banksy lässt grüssen. Street Art hat seine Wurzeln in der Punk- und Graffitiszene und ist oft Ausdruck von Gesellschaftskritik, teilweise auch Produkt illegaler Sprayereien. Wie geht das mit der im Postulat erwähnten «touristischen Wirkung» und dem Engagement der Behörden zusammen?

Für Studer Korevaar ist klar: «Unsere Forderung soll illegale Sprayereien nicht verharmlosen, das ist ein ganz anderes Thema.» Es gehe in erster Linie um grosse, optisch ansprechende Fassadenmalereien. Kritische Töne sind jedoch nicht ausgeschlossen, sondern ausdrücklich erwünscht. «Es geht keineswegs nur um eine heile Welt und darum, dass bloss das Löwendenkmal dutzendfach auf Fassaden gemalt wird», sagt Studer Korevaar, «sondern um eine zeitgemässe und kritische Auseinandersetzung mit der Stadt Luzern als Lebensraum.»

Dass comicähnliche Bilder auf Häuserfassaden in der Bevölkerung auf breite Gegenwehr stossen, glaubt Studer Korevaar nicht. «Es ist eine breite öffentliche Akzeptanz zu beobachten. Die ‹coolste Frau der Stadt› im ehemaligen Himmelrich oder der Wal am Neubad haben viele positive Reaktionen hervorgerufen.» Und deshalb denkt er auch, dass das Thema in den politischen Reihen auf Zustimmung stösst. «Ich hoffe, dass durch die angestossene Diskussion nun auch der eine oder andere Politiker anderer Parteien aufmerksamer durch die Strassen geht und sieht, dass dies unsere Stadt beleben könnte.»

Das grosse Wandgemälde in der Steinenstrasse in Luzern. (Bild: Ondrej Michal)
Das grosse Wandgemälde in der Steinenstrasse in Luzern. (Bild: Ondrej Michal)

Wie das letztlich konkret aussehen könnte, kann Studer Korevaar noch nicht sagen. Das Künstler-Duo Queenkong hat für zentralplus bereits einmal gezeigt, wie man die Stadt Luzern mit Street Art etwas aufbrezeln könnte (siehe Bild unten). Der SP-Parlamentarier kann sich vorstellen, dass beispielsweise das Fumetto anlässlich des Festivals eine Fassade bemalt. Aber auch Neubauten – etwa in der Industriestrasse oder auf dem EWL-Areal – kämen infrage.

«Auch die Langensandbrücke ist für mich so ein Hot Spot.» Auch wenn die Stadt diese – ironischerweise – zurzeit gerade farblich saniert und mit einem Graffiti-Schutz versieht (zentralplus berichtete). Klar ist für Studer Korevaar hingegen, dass die historische Altstadt wohl kaum dafür infrage kommt.

So würde das Luzerner Künstler-Duo Queen Kong Luzern verschönern.
Zum Beispiel so würde das Luzerner Künstler-Duo Queenkong Luzern verschönern – eine Visualisierung an der Pilatusstrasse. (Bild: Montage: Queenkong)

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