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Restaurant-Test

«Neville’s» Luzern: Intimität statt indischer Touristenfalle

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Asiatisch, Orientalisch
  • Ambiente Modern
Seit 2009 bietet das kleine und auffällige Nevilles in der Luzerner Neustadt kreative indische Küche. (Bild: hch)

Mit gerade einmal sieben Tischen ist das «Neville's» ein heisser Kandidat auf den Titel «Luzerns intimstes Lokal». Doch auch mit seiner Kreativität hebt es sich wohltuend von vielen indischen Restaurants ab. Wir haben das Lokal in der Neustadt getestet und dabei die Vorliebe des Chefs für Pfefferminze und frischen Koriander entdeckt.

Ein Koch erzählte uns einmal, dass Inder ihre einheimische Küche sehr schnell vermissen würden und so auch im Ausland indisch essen möchten. Dies mag erklären, weshalb sich in Luzern acht Restaurants auf die indische Küche spezialisiert haben. Sprechen diese in der Regel Touristen an, geht Neville Senevinatre in der Neustadt andere Wege.

Mit gerade einmal sieben Tischen wäre sein «Neville's» für Gruppen natürlich viel zu klein. Und das würde dem 60-Jährigen, der vom Einkauf bis zum Gästekontakt am liebsten alles selber macht und bis 2006 im Gütsch tätig war, wohl auch nicht entsprechen.

Indische Küche mit individueller Note

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde das nur abends geöffnete «Neville's» zu einer orientalischen Lounge umgestaltet. Womit zwar das «Fine Indian Dining» aus dem Namen getilgt wurde. Am Konzept mit gehobenem Essen aber hat sich glücklicherweise nicht allzu viel verändert. Angeboten werden im 2009 eröffneten Restaurant nord- und südindische Gerichte. Teilweise haben diese einen eher arabischen oder auch tibetischen Einschlag, immer aber weisen sie eine kreative, eigene Note auf.

So auch unsere erste Vorspeise, Momos mit Crevetten. Die Teigtaschen stammen ursprünglich aus den nepalesischen und tibetischen Bergen. Entsprechend ungewöhnlich ist eine Füllung mit Meeresfrüchten. Serviert werden die schön geformten Momos im Nevilles mit einer scharfen grünen Chilisauce, die auch bei zurückhaltendem Einsatz rasch die zarten Aromen überdeckt. Der servierte Coleslaw-Salat sorgt für eine erfrischende Note, zumal er erfreulicherweise mit Zitronensaft angemacht ist und ohne Mayonnaise auskommt.

Da wäre er wieder, der Koriander

Fast besser passt die Sauce zur zweiten Vorspeise, Uttapam, eines der wenigen südindischen Gerichte auf der Karte. Der dicke Pfannkuchen aus Kichererbsen oder Linsen und Reis ist schön knusprig und wird mit rohen Rüebli, Zwiebeln und Tomaten belegt.

Serviert wird das neu angebotene Gericht, das in seiner Ursprungsregion gerne auch als Frühstück oder als Snack gegessen wird, mit Sambar. Bei dieser Sauce auf Basis von Linsen und Tamarinde hat Neville seine eigene Note in Form von Pfefferminze eingebracht, eine nicht alltägliche Kombination, die dem ganzen einen orientalischen Touch verleiht.

Ebenfalls mit auf den Pfannkuchen gestreut worden: frischer Koriander. Zu diesem Kraut haben wir uns bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausgelassen (zentralplus berichtete). Und nicht zu verwechseln mit gemahlenen Koriandersamen, die unaufdringlich bleiben. Doch es bleibt dabei: Man liebt oder hasst dieses Grün, die Aufteilung an unserem Tischchen betrug 1:1. Da es die Pflanze mittlerweile aber gar zu einem internationalen «I hate Corander Day» gebracht hat (jeweils am 24. Februar), wäre ein dezenter Hinweis auf der Karte sicher nicht falsch.

Spinat, Käse und tolles Lamm

Grün geht es beim Hauptgang gleich weiter. Saag Paneer besteht aus einem hausgemachten Frischkäse, der kochfest ist und beim Erhitzen nicht zerfliesst. «Saag »steht dabei laut Neville Senevinatre für «alles, was grün ist» – neben Spinat natürlich auch Koriander und Pfefferminze. Das üblicherweise eher milde Gericht wird hier ungewöhnlich scharf serviert, und ist zusammen mit viel Knoblauch recht eigenwillig interpretiert. Wir wählen dazu ein köstliches Fladenbrot, das noch leicht warm serviert wird.

Der Gastgeber selbst ist übrigens Vegetarier und hat das Fleisch im Restaurant noch nie gekostet, wie er in einer Kochsendung sagte. Auch möge er kein scharfes Essen, dieses sei seinen Gästen vorbehalten. Dass die Kombination auch ohne vorgängiges Kosten durch den Chef stimmt, zeigte unser zweite Hauptgang. Wie bestellt kommt das Lamb Korma mittelscharf und ohne Koriander. Die Lammfleischwürfel sind schön zart, die mit gemixten Cashewnüssen verfeinerte Masalasauce in der Konsistenz sämig und geschmacklich schön abgestimmt – das würde man gerne wieder bestellen.

Fazit: Kein Inder für die Masse, sondern ein charmantes Mikro-Lokal mit sehr persönlicher Note und hohem Anspruch. Die interessant und kreativ abgestimmten Gerichte werden alle frisch zubereitet, was zu etwas längeren Wartezeiten führen kann.

Bewertung

Preis-Leistung
**** von *****
Die Karte ist für ein kleines Lokal überraschend umfassend und enthält zahlreiche Vorspeisen/Meze. Die Küche ist kreativ und frisch, das Lokal klein und persönlich. Das hat seinen Preis. Unsere Hauptgänge gingen mit 39 Franken (Lamb Korma) und 29 Franken (Saag Paneer) in Ordnung, dazu wurde nach Wahl Brot oder Reis serviert. Für 14.50 Franken hätte man etwas mehr als drei Momos erwarten dürfen, die Omelette kostete 12.50 Franken. Der indische Wein (Dindor Reserve) war interessant und kann mit vielen offenen Weinen aus Europa mithalten. Die Preise der bestellten Gerichte waren vor Ort rund zehn Prozent höher als im Internet publiziert.

Ambiente
***** von *****
Liebevolles Ambiente mit einem Mix aus indischem und europäischem Interieur und Dekoration. Teilweise loungeartige Sitzgelegenheiten auf der Fensterbank. Essen ist ein sinnliches Erlebnis – da passen die farbenfrohen Bilder mit erotischem Touch, bei denen es sich um persönliche Erbstücke des Gastgebers handelt. Im Sommer stehen draussen zehn zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung.

Service
**** von *****
Persönlicher Empfang, aufmerksam und freundlich. Zur Ermittelung der gewünschten Schärfe erkundigt sich die Bedienung jeweils vorbildlich. Wenn der Chef nicht in der Küche steht, schätzt er den Austausch mit seinen Gästen. Die Wartezeiten sind teilweise etwas länger, man sollte ausreichend Zeit mitbringen.

Online-Faktor
*** von *****
Die Webseite ist nicht perfekt, enthält aber die wichtigsten Informationen. Die publizierte Speisekarte weicht etwas von den im Lokal angebotenen Gerichten ab, die Online-Reservation funktioniert.

Die Rechnung kommt wie üblich zuletzt, auch im Nevilles.
Die Rechnung kommt wie üblich zuletzt, auch im Nevilles.
Verwendete Quellen

Neville's Indi Oriental Lounge

Adresse:
Kaufmannweg 20
6003 Luzern

Telefon:
041 210 30 60

E-Mail-Adresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag von 18 bis 22 Uhr
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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