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«Reussbad» Luzern: Das fast perfekte Essen

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentare: 6
Bewertung:
★★★★★
Preiskategorie:
•••
  • Französisch
  • Schweizerisch
  • Gehoben
Neben dem markanten Nölliturm und mit schöner Gartenterrasse: Das Restaurant Reussbad ist im Besitz der Stadt Luzern. (Bild: hch)

Lange Zeit sah alles nach dem absolut perfekten Essen aus. Service, Ambiente, der Duft des Fleisches, butterzart und geschmackvoll. Doch dann schleicht sich eine Note an, erst leicht und immer intensiver: Der Testbesuch im Luzerner «» hielt eine ganz besondere Überraschung bereit. Daran lag es allerdings nicht, dass uns das Gebotene begeistert hat.

Nach dem Besuch in der «» (zentralplus berichtete) stand nun das auf der anderen Flussseite gelegene «» auf unserer Testliste. Von einer gutbürgerlichen Traditionsbeiz hat sich das «Reussbad» in den letzten Jahren deutlich entfernt. Gab es früher noch die Kegelbahn im Keller und Fischknusperli auf der Terrasse, sind es nun 15 Gault-Millau-Punkte an der Fassade und Hummer auf dem Teller.

Test im «Reussbad»

Auf , der seine Gäste danach in der «Krone» Blatten begeisterte (zentralplus berichtete) und nun auf den Bürgenstock weiterzog, folgten im Sommer 2020 Corinna und .

Auf der Mittagskarte stehen zwei Menüs à 24 Franken, darunter Bärlauchrisotto mit Spargeln als vegetarische Variante. Wer es etwas gehobener mag, kann sich für ein Fischmenü entscheiden (38 Franken) oder für den Business-Lunch ( oder Fleisch, drei Gänge für 58 Franken).

Tagesmenü zum Kampfpreis

Bei den Tagesmenüs werden Suppe und Salat zusammen serviert. Die Apfel-Sellerie-Suppe ist zwar schön cremig, jedoch eher etwas dünn geraten, im Aroma angenehm säuerlich. Der Meerrettich kommt gegen Ende schön zur Geltung, als sich der Löffel immer mehr dem Tassenboden annähert. Gut gefällt der Salat aus Eisberg, Nüssli, Rüebli, Gurken, Tomatencoulis und Crouton, begleitet von einer leichten, schön harmonischen Sauce.

Als Hauptgang habe ich mich für das erste der beiden Tagesmenüs entschieden, ein Kalbs-Onglet mit Barbecue-Sauce und Beilagen.  

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Koriander, geht das?

Dann jedoch das Todesurteil jedes Geschmackserlebnisses: Barbecue-Sauce mit … frischem Koriander. Sparsam zwar, fein geschnitten. Aber unverkennbar und für empfindsame Gaumen dominant. Ausgerechnet jenes Kraut also, das ich seit meinem ersten Kontakt in Lateinamerika verabscheue – eine über 30-jährige Leidensgeschichte. Wer sich nicht dafür interessiert: einfach den nächsten Abschnitt überspringen.

Etwa jeder Fünfte soll Koriander hierzulande verabscheuen. Ob tatsächlich ein Gen daran schuld sei, dass der im Kraut stark enthaltene Rezeptor Aldehyde bei diesen Leuten für eine verstärkte Wahrnehmung des Geschmacks sorgt, sei einmal dahingestellt. Viele nennen das Aroma seifig, ich hingegen halte mich an die alten Griechen. Diese sollen das Kraut nach Wanzen benannt haben, «Koris». So schmeckt es denn auch, zumindest für mich.

Es selbst in dieser kleinen Dosis in einer harmlosen Fleischsauce zu verstecken, nenne ich fast schon hinterhältig und nehme mit einem Punkteabzug Rache.

Unbekanntes von der Kuh

Unfair? Nicht doch. Denn den verlorenen Punkt gibt’s gleich wieder dazu. Glaubt man, die Kuh in allen Facetten durchgekaut zu haben, hält der «Reussbad»-Maître doch tatsächlich noch eine handfeste Überraschung parat: Nierenzapfen vom Kalb, als Onglet/Hanging Tender auf der Tageskarte geführt. Perfekt rosa gebraten, nur mit ausreichend Salz gewürzt und mit seinen Fettadern zart wie Filet, einfach deutlich aromatischer. Und laut meinem Metzger des Vertrauens eigentlich eine Innerei, weshalb es auch so einmalig schmecke – charaktervoll wie ein im Barrique gereifter Bordeaux.

Und, ganz nebenbei: Ein solches Fleisch isst man grundsätzlich besser ohne Sauce, ich vermisse also nichts auf dem Teller, Koriander hin oder her. Dazu gab es Bratkartoffeln und Spinat mit Wurzelgemüsen, gut harmonierend und nicht allzu auffällig.

Das Beste aus dem Meer

Meine Begleitung wählte den Hauptgang des Business-Lunchs, grillierte Crevetten, Seezunge und Jakobsmuscheln. Mit Skrei fand sich auf dem Teller ein weiteres Edelstück, der norwegische Winterkabeljau ist seit kurzer Zeit schwer angesagt. Das Gericht wurde gelobt, wenngleich die Champagner-Hummer-Sauce etwas undefiniert daherkomme. Schade, denn genau für diese Krustentiere ist das «Reussbad» bekannt. Davon abgesehen sammelte die Küche auch hier das Punktemaximum.

Anstelle eines Desserts bestellten wir einen Espresso. Das Dessert gab es dennoch. Neben einer grosszügigen Menge schmackhafter Tuiles flankierte auch noch ein Stück Nusskeks den feinen Kaffee.

Fazit

Hier wird zum Zmittag tolle französische Küche serviert, noch dazu zu einem Preis, zu dem andernorts gerne mal zu Fertiggerichten gegriffen wird. Das begeistert, ebenso die saisonalen Zutaten und der Mut, unbekannte Second Cuts wie ein Onglet zu servieren. Beim Fisch böte der Vierwaldstättersee Alternativen zu den servierten Meerestieren.

Preis-Leistung
Um es in einem Wort zu sagen: Grandios. Diese Qualität für 24 Franken ist in Luzern wohl unschlagbar. Das erklärt auch, weshalb es abends und bei den Getränken deutlich teurer wird. Der Hauptgang beim Business Lunch kostet angemessene 40 Franken.
***** von *****

Ambiente
Leider war es an unserem Testtag im März noch etwas gar frisch für die schöne Terrasse gleich beim Nölliturm. Der Innenraum vermittelt elegante Sachlichkeit, die Anordnung der Tische bieten viel Privatsphäre. Man fühlt sich auf Anhieb wohl, dazu passt auch das elegante Gedeck.
**** von *****

Service
Sehr persönlich und präsent. Brotkrümel auf dem Tischtuch werden elegant weggewischt, Getränke aufmerksam nachgeschenkt. Wartezeiten sind eher kurz, die Rechnung kommt subito. Die Hinweise zum Koriander werden freundlich und professionell entgegengenommen.
***** von *****

Online-Faktor
Alles da: Online-Reservation, Koordinaten, sämtliche Karten, Menüs des aktuellen und folgenden Tages. Etwas mehr hätten wir uns unter dem Menüpunkt «Genuss Erleben» vorgestellt, wo einige eher kleinformatige Fotos zu finden sind. Dafür gibt es die Webseite auch auf Englisch.
**** von *****

Restaurant Reussbad

Adresse:

Brüggligasse 19
6004 Luzern

Telefon:

041 240 54 23

Öffnungszeiten:

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6 Kommentare
  1. Erwin Haldi, 05.04.2022, 11:40 Uhr

    Wenn jemand Investitionen und Gastronomie gleichsetzt, der ist wohl auch der Meinung ein Uhrmacher sei ein Urologe! Gastromitarbeitende, welche ihren Beruf mit Herzblut ausüben sind sicher nicht traurig wenn solche unsachlichen Kritiker ihre Lokale meiden.

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  2. Berthold Heisterkamp, 03.04.2022, 16:32 Uhr

    Liebes Zentralplus-Team,

    In letzter Zeit bewertet ihr nur noch Boomer-Lokale. Wie wäre es, uns wieder mal nicht-gutbürgerliche Küche näherzubringen. Vielleicht darf dann auch dafür mal die Redaktorin oder Redaktor bisschen Spesen machen und nicht nur der Chef ;).

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    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 03.04.2022, 17:28 Uhr

      Danke für den Input. Möglichmacherinnen von zentralplus können gerne konkrete Vorschläge machen, welches Lokal wir testen sollen. Nutzt dazu einfach das Formular am Ende der Artikel. Noch kein Möglichmacher? Mehr dazu gibt es hier und auch, warum es diese Unterstützung braucht.

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  3. Luzerner01, 02.04.2022, 21:28 Uhr

    Das Gebäude gehört der Stadt Luzern. inwiefern dies ein Investment eines Bankers sein soll, erschliesst sich mir nicht.

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  4. Michel von der Schwand, 02.04.2022, 16:12 Uhr

    Das Reussbad ist ein Investment eines bekannten Brokers, welcher mit Provisionen auf Vorsorgegelder reich geworden ist. Der Koch kocht unter dessen Gnade. Solche Restaurants sind genauso zu meiden, wie die Credit Suisse.

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    1. Huther Heinrich, 04.04.2022, 07:46 Uhr

      Bitte bewertet die Arbeit der Küche und des Servicepersonals.Das andere mit dem Investor ist ein anderes Thema das mit dem Gebotenen nichts zu tun hat.

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