Millionen-Schäden drohen

Die Zentralschweiz wappnet sich gegen Muschel-Angriff

Auch Zuger Segelschiffe müssen nun regelmässig gereinigt werden. (Bild: Andreas Busslinger)

Die Zentralschweiz will verhindern, dass gebietsfremde Tiere und Pflanzen wie die invasive Quaggamuschel eingeschleppt werden, die innerhalb von kurzer Zeit den Zuger- oder den Vierwaldstättersee in Beschlag nehmen könnten. Die Zuger Behörden haben bereits Massnahmen beschlossen. Luzern wird bald folgen.

Muscheln gibt es im Zugersee schon lange. Laut Anwohnerinnen sind die Muschelpopulationen in den letzten Jahren im Zugersee förmlich explodiert (zentralplus berichtete). Dabei handle es sich jedoch um einheimische Arten, die ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems darstellen. Die schlimmsten Schäden, die sie verursachen, sind Schnitte in den Füssen. 

In Schweizer Seen gibt es aber auch gebietsfremde Muscheln. Es handelt sich dabei um die invasive Quaggamuschel. Die Behörden sind alarmiert, denn invasive Tiere und Pflanzen können zu enormen ökonomischen und ökologischen Schäden führen. Das teilt die Zentralschweizer Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (ZBPUK) mit. Die Quaggamuschel beispielsweise besiedelt in kurzer Zeit Seen ganzflächig und verdrängt dadurch heimische Arten.

Bussen bis zu 10'000 Franken

Seit dem 1. Juli gilt in der Zentralschweiz deshalb eine Reinigungspflicht für Schiffe und Boote, die von einem anderen Gewässer in Zentralschweizer Seen eingesetzt werden. Die Massnahmen gelten entsprechend auch für den Kanton Zug. «Die Schiffsreinigung ist eine effektive Massnahme, um die Einschleppung aquatischer invasiver Neobiota stark zu reduzieren. Nur so können wir die ökologische Vielfalt unserer Gewässer erhalten und massive wirtschaftliche Schäden verhindern», lässt sich der Zuger Regierungsrat Andreas Hostettler in einer Medienmitteilung zitieren.

Wer dieser Massnahme keine Folge leistet, muss mit Bussen in der Höhe von bis zu 10’000 Franken rechnen. Die Direktion des Innern des Kantons Zug schreibt: «Die Kostenschätzungen gehen alleine für den Zugersee von wirtschaftlichen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe aus. Dazu kommen irreparable und nicht abschätzbare ökologische Schäden.»

Auch Stand-up-Paddles und Schlauchboote betroffen

Die Behörden erklären, dass durch den Wechsel von Schiffen in andere Gewässer ungewollte Organismen eingeschleppt werden können. Die aus dem Schwarzmeerraum stammenden Quaggamuscheln können gemäss der ZBPUK Filter und Leitungen verstopfen und so zu Problemen bei der Wasserversorgung führen.

Das Amt für Wald und Wild des Kantons Zug macht mit der Kampagne «Schütz den See» ebenfalls auf die Problematik aufmerksam. Seien die gebietsfremden Organismen erst einmal im Gewässer, seien sie kaum noch zu entfernen oder einzudämmen. Präventionsmassnahmen seien daher zentral.

Brigitte C. Aschwanden, Vizepräsidentin des Zuger Motorbootclubs, sieht das ähnlich. Sie sagt auf Anfrage von zentralplus, dass sie die Massnahmen sehr begrüsse. «Wir hoffen, dass wir unseren schönen See und die Tiere darin schützen können. Denn wenn die Muscheln einmal hier sind, bringt man sie nicht mehr weg – und sie machen vieles kaputt.»

Der Zugersee sei momentan noch frei von diesen Muscheln. «Und es wäre schön, wenn das weiter so bleiben würde.» Das Problem seien die sogenannten Wanderboote. Also solche Gefährte, die beispielsweise an einem Tag in einem anderen See und am nächsten am Zugersee eingesetzt würden.

Gebietsfremde Arten können sich unter anderem auch an Stand-up-Paddles, Taucherausrüstungen sowie an Angelutensilien festsetzen, wie der Kanton schreibt. Die Präventionsmassnahmen betreffen somit viele Wasserliebhaber. Es wird empfohlen, die Gegenstände auf Rückstände von Pflanzen und Tieren zu kontrollieren. Weiter sollen sie möglichst mit heissem Wasser gespült werden. Vor der Nutzung in einem anderen Gewässer empfehlen die Behörden, die Ausrüstung zu trocknen.

Aquarien stellen ebenfalls eine Gefahr dar

Am Mittwoch lancierten verschiedene Kantone eine weitere Sensibilisierungs- und Informationskampagne. Diesmal geht es um die Tiere und Pflanzen in Aquarien und darum, dass diese dort bleiben sollen. Wie in einer Medienmitteilung erläutert, können in der Natur ausgesetzte Tiere und Pflanzen aus Aquarien einen grossen negativen Effekt auf Biodiversität und Infrastruktur haben. «Die Mehrheit der Aquarien- und Gartenteichlebewesen kann in unseren Gewässern nicht überleben. Und der kleine Teil, der sich zu etablieren vermag, kann als invasive Art grosse Schäden anrichten», betont Roman Keller, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd des Kantons Zug, in der Mitteilung. Die Behörden geben Empfehlungen für Personen ab, die vor einer Anschaffung stehen, sowie für die Situation, wenn man Tiere oder Pflanzen nicht mehr behalten kann. An der Kampagne beteiligen sich auch die Kantone Zug und Luzern.

Im Unterschied zu den invasiven Muscheln in der Reuss (zentralplus berichtete), die als Delikatesse in Luzern auf den Teller kommen, ist die Quaggamuschel nicht in der gehobenen Küche zu gebrauchen: Sie ist nämlich viel zu klein, um kulinarisch verwertet werden zu können.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilungen des Kantons Zug
  • Medienmitteilung der ZBPUK
  • Telefonat mit Brigitte C. Aschwanden, Vizepräsidentin des Zuger Motorbootclubs
  • Website umwelt-zentralschweiz.ch
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