Im Jahr 2040 dreht Luzern den Gashahn zu

Der See wird die Neustadt heizen und der Kehricht Reussbühl

Die Abwärme der Verbrennungsanlage Renergia in Perlen beheizt schon heute Teile der Stadt Luzern. Zukünftig soll es noch mehr werden. (Bild: Renergia)

Die Stadt Luzern präsentiert ihre Vision des erneuerbaren Heizens. Auf einer Karte kann jede Luzernerin nachschauen, wie künftig im eigenen Quartier geheizt werden soll.

Mit der «Energieplanung 2.0» legt Luzern einen Plan vor, wo in der Stadt künftig mit welcher Energie geheizt wird. Das Ziel ist klar: Bis 2040 soll die Stadt Luzern klimaneutral werden. Das haben die Stimmbürger im September 2022 deutlich entschieden (zentralplus berichtete).

Doch um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen die bisherigen Anstrengungen massiv erhöht werden, auch bei den Heizungen. Denn die 6000 Feuerungsanlagen verursachen derzeit die Hälfte aller Treibhausgasemissionen in der Stadt.

Wärmenetze sind die Zukunft

Eine der Lösungen sind sogenannte Wärmenetze. Sie werden in Luzern stark an Bedeutung gewinnen, schreibt die Stadt. Rund die Hälfte des städtischen Siedlungsgebiets will sie auf diese Art versorgen. Als Wärmequelle dient entweder Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage in Perlen und dem Stahlwerk in Emmen. Oder Energie aus dem See, die mittels Wärmepumpen zum Heizen genutzt wird.

Das Fernwärmenetz sei bereits sehr weit entwickelt, sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). Ein Grossteil der Energie komme aus der Kehrichtverbrennungsanlage. Anders sieht es bei der Seewärme aus. Es seien zwar bereits gewisse Leitungen im Tribschen-Quartier verlegt, viele Gebiete würden aber noch fehlen.

Werner Häller, Geschäftsführer des Wärmeverbundes Seetalplatz, zeigt die neue Wärmezentrale. Zukünftig braucht es noch viel mehr solche Anlagen in Luzern. (Bild: zvg)

Dazu zählen Wartegg, Obergrund, die Neustadt, die Kleinstadt, Kreuzstutz, die Altstadt, Halde und Bellerive, das Gebiet Zürichstrasse, Würzenbach und Büttenen - überall hier soll künftig Seewasserwärme die Heizungen zum Laufen bringen. Die Stadt befände sich in diesen Gebieten aber noch in der Planungsphase, meint Borgula.

Aufgrund der Komplexität der Bauvorhaben benötigt die Realisierung viel Zeit. Die Stadt arbeitet dafür eng mit der Energieversorgerin EWL zusammen. Etwa bis 2035 will die Stadt das Verbundgebiet Seewärme ausgebaut haben.

Es geht nicht ohne individuelle Lösungen

Doch bei Standorten, an denen die Stadt kein Wärmenetz plant, müssen individuelle Lösungen her. Insbesondere in den Hanglagen sei Erdwärme eine gute und klimafreundliche Energiequelle. Eine weitere Alternative seien Luft/Wasser-Wärmepumpen. Eigentümer könnten das alleine machen – oder mit Nachbarn zusammenspannen, schreibt die Stadt.

«Erneuerbare Lösungen haben höhere Investitionskosten als die herkömmlichen Technologien, rechnen sich aber langfristig.»

Adrian Borgula, Stadtrat Luzern

Damit sich Interessierte darüber informieren können, welche Heizung bei der eigenen Adresse geeignet ist, hat die Stadt jetzt eine eigene Website lanciert. Auf Klimafreundlichheizen.ch können Luzerner nachschauen, welchen Energieträger die Stadt für das eigene Haus empfiehlt. Denn wer bis 2040 seine Heizung nicht umgestellt hat, könnte ein Problem bekommen – denn dann will Luzern, genau wie andere Schweizer Städte, den Gashahn zudrehen.

Diese erneuerbaren Wärmequellen empfiehlt die Stadt Luzern. (Bild: Stadt Luzern)

Langfristig soll sich erneuerbares Heizen lohnen

Welchen Einfluss die neue Versorgung auf die Heizpreise haben wird, sei schwer einschätzbar. Langfristig wird sich die erneuerbare Heizung aber nicht nur aus ökologischen, sondern auch ökonomischen Gesichtspunkten lohnen, meint der Stadtrat. «Erneuerbare Lösungen haben höhere Investitionskosten als die herkömmlichen Technologien, rechnen sich aber langfristig.»

Gleichzeitig könne Luzern so seine Abhängigkeit vom Ausland reduzieren. «Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien stärken wir die eigene Wirtschaft und das Gewerbe», so Borgula. Falls es doch zu Preissteigerungen komme, müsse darauf geachtet werden, dass sie «sozial verträglich» sind.

Verwendete Quellen
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