Waldbesucher empört

Das hat es mit der «Verwüstung» im Krienser Wald auf sich

Herumliegende Äste im Schachenwald nach Holzschlag. (Bild: Facebook)

Im Schachenwald in Kriens haben Förster fast hundert Bäume gefällt – teils auch gesunde. Das Bild, das die Arbeiter zurückliessen, gefällt einigen Waldbesuchern gar nicht. Der Oberförster klärt auf.

Im oberen Teil des Schachenwalds in Kriens sieht es momentan nicht schön aus. Stattliche Fichten sind zu kargen Baumstümpfen geschrumpft. Äste sind zu unordentlichen Haufen getürmt, wo zuvor sanftes Moos den Waldboden bedeckte. Grosse Reifenspuren ziehen sich entlang des ehemals idyllischen Fussgängerpfades. Das haben auch die Anwohner bemerkt. In einer lokalen Facebook-Gruppe kam es zu einem regelrechten Aufschrei ob der «Verwüstung» und der Art, wie die Förster im Schachenwald vorgehen.

«Das hat nichts mehr mit Waldpflege zu tun», schreibt eine Nutzerin zum Beitrag, in welchem sie Bilder des Waldes veröffentlicht. Ein anderer Nutzer nennt den Zustand des Gehölzes eine «Sauerei». Eine weitere Nutzerin schreibt offensichtlich traurig: «Das isch nöme dä Schachewald wo ich kenne.» Einige Kommentare beanstanden weiter, dass auch scheinbar gesunde Bäume der Kettensäge zum Opfer fielen. Raphael Müller, Oberförster der Korporation Luzern, erklärt, weshalb im Schachenwald so viele Bäume geschlagen wurden und was die herumliegenden Äste sollen.

Holz nutzen, nicht nur pflegen

Die Förster der Korporation Luzern, welche für den Schachenwald in Kriens zuständig sind, haben dort diesen Winter 80 Bäume gefällt. Die Hälfte dieser Bäume waren Fichten, wie Müller gegenüber zentralplus sagt. Den Fichten sei es in den letzten Jahren nicht gut ergangen im Schachenwald. Viele dieser Kieferngewächse seien vom Borkenkäfer befallen und extreme Trockenperioden, ausgelöst durch den Klimawandel, hätten ihnen ebenfalls stark zugesetzt. Bevor die übrigen, gesunden Fichten ebenfalls krank werden, habe die Korporation sie abgesägt, um ihr Holz zu nutzen, so Müller. Zudem fällten die Förster 14 Weymouth-Föhren, deren Holz im neuen Forsthof in Kriens verbaut werden.

«Aus einem morschen Stück Holz kann ich keinen Balken für ein Haus sägen oder einen Massivholztisch schreinern.»

Raphael Müller, Oberförster der Korporation Luzern

In Bezug auf das Fällen gesunder Bäume sagt Müller: «Waldbewirtschaftung ist eben nicht nur Schützen und Pflegen, sondern auch die Nutzung des nachwachsenden und CO2-neutralen Rohstoffes Holz, aus dem viele Gegenstände unseres Alltages sind.» Der Oberförster gibt zu bedenken: «Aus einem morschen Stück Holz kann ich keinen Balken für ein Haus sägen oder einen Massivholztisch schreinern.»

Pilzkrankheit weit verbreitet

Die einzigen kranken Bäume, die geschlagen wurden, waren Eschen entlang des Waldwegs. Wie Müller erklärt, waren diese vom Eschentriebsterben befallen. Die Pilzkrankheit greife in den Wäldern der Korporation um sich und die betroffenen Bäume fielen reihenweise um. Bäume mit dieser Krankheit sind nicht heilbar und gefährden mit ihrem wackligen Stand die Waldbesucher.

Dieser Facebook-Beitrag machte den Zustand im Schachenwald publik. (Bild: Facebook)

Im Übrigen verfolgte die Korporation Luzern das Ziel, mit den gefällten Bäumen dem Jungwald Platz zu geben. Der Jungwald sei praktisch überall vorhanden, schreibt der Oberförster. Fast die ganze Fläche sei immer noch mit grossen und kleinen Bäumen bestockt. Diese könnten nun besser wachsen und gedeihen.

Nährstoffe für den Boden

Was den Zustand des Schachenwalds betrifft, zeigt Raphael Müller Verständnis für die Facebook-Kommentare der Krienser Anwohnerinnen. «Da gebe ich zu, dass dies im Moment vielleicht nicht besonders schön aussieht», wie er sagt. Aber die verstreuten Äste lägen nicht grundlos herum. In diesen, in den Tannennadeln und den zurückgebliebenen Rindenstücken seien die meisten Nährstoffe eines Baumes. Der Zersetzungsprozess führt die Stoffe wieder zurück in den Waldboden.

Von den Nährstoffen profitiert nicht nur der wachsende Jungwald. «Die Zersetzung geschieht durch viele unscheinbare Insekten und Pilze, die darauf eine Lebensgrundlage finden», führt Müller aus. Und was die Asthaufen betrifft, so böten diese Schutz und Lebensraum für Tiere wie beispielsweise Vögel und Kleinsäuger.

Warten auf den Regen

Letztlich vertröstet der Oberförster die Liebhaber des Schachenwalds. In Kürze werde das Bild wieder ganz ein anderes sein. Sobald das restliche Holz abtransportiert sei, alle Bäume wieder austrieben und der Regen die Strasse etwas abgewaschen habe, werde der Wald wieder besser aussehen, versichert Müller.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Raphael Müller, Oberförster der Korporation Luzern
  • Beitrag auf Facebook
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