Projekt Landschaftspark Reuss

Grillieren und Chillen: So wird die Reuss zum Naherholungsgebiet

Für 200 Millionen Franken verbessert der Kanton Luzern den Hochwasserschutz an der Reuss. Davon sollen nicht nur die Natur, sondern auch die Anwohner im Kanton Luzern profitieren – mit dem neuen Landschaftspark Reuss, der zum Baden und Bräteln einlädt.

Die Reuss gehört zu Luzern wie die Kapellbrücke und der Pilatus. Doch bei den beiden letzteren wurde das touristische Potenzial schon vor Jahren erkannt und konsequent ausgeschöpft. Die Reuss hingegen wurde bislang eher stiefmütterlich behandelt.

Das Flussschwimmen kam erst vor einigen Jahren in Mode, während es in Basel oder Bern seit Jahrzehnten die Volksportart Nummer 1 ist. Auch das «Böötlen» auf dem Fluss, auf der Aare schon lange eine beliebte Sommeraktivität, kam auf der Reuss erst in den letzten Jahren auf (zentralplus berichtete). Und während es entlang Luzerns zweitgrösstem Fluss, der kleinen Emme, einen Wanderweg praktisch von der Quelle im Entlebuch bis zur Mündung am Reusszopf gibt, ist das Ufer der Reuss wenig erschlossen.

Luzern Plus lanciert Landschaftspark Reuss

Etwas Bewegung brachte die Juso-Initiative «Reussoase» in die Sache, die von der Stimmbevölkerung vergangenes Jahr angenommen wurde (zentralplus berichtete). Doch beschränken sich die darin enthaltenen Massnahmen zur Aufwertung der Reuss auf den Flussabschnitt in der Stadt Luzern. Emmen, Buchrain, Ebikon, Inwil, Root, Gisikon und Honau können davon nicht profitieren.

Darum hat der Kanton Luzern gemeinsam mit dem regionalen Entwicklungsträger «Luzern Plus» ein eigenes Projekt lanciert. Dieses macht aus dem gesamten Reuss-Abschnitt vom Reusszopf in Emmen bis zur Kantonsgrenze in Honau einen neuen Park – den Landschaftspark Reuss.

«Die Natur ist die Hauptprotagonistin im Landschaftspark Reuss. Aber der Mensch soll auch seinen Platz erhalten.»

Mario Baumgartner, Projektleiter Landschaftspark Reuss

Der Landschaftspark entsteht im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt des Kantons an der Reuss. Denn damit die Hochwassersicherheit auch in Zukunft gewährleistet ist, müssen die bestehenden Dämme saniert und streckenweise erhöht werden. Gleichzeitig verbreitert der Kanton den Fluss an mehreren Stellen und wertet ihn auf der gesamten Strecke ökologisch auf. Damit will der Kanton Überschwemmungen wie beispielsweise 2005 oder 2021 vorbeugen und den heute an vielen Stellen verbauten Fluss ökologisch aufwerten.

Natur und Mensch im Einklang

Stehen beim Hochwasser-Projekt die Sicherheit und die Renaturierung der Reuss im Fokus, geht es beim Landschaftspark Reuss vermehrt auch um den Menschen. «In den Gesprächen mit den Gemeinden hat sich gezeigt, dass es ein grosses Bedürfnis gibt nach neuen Naherholungsgebieten an der Reuss», sagt Mario Baumgartner, Raumplaner bei Luzern Plus und Projektleiter für den Landschaftspark Reuss.

Eines der ersten, kleinen Projekte des Landschaftsparks Reuss. Die Gemeinde Gisikon hat mit einfachen Massnahmen deutlich markiert, wo man zum Reussböötlen die Boote einwassern kann. (Bild: ewi)

Also hat Luzern Plus gemeinsam mit dem Kanton, den Gemeinden und einem Raumplanungsbüro das Konzept für den Landschaftspark Reuss erarbeitet. Zwei Begriffe sind für diesen zentral: Naherholung und Besucherlenkung. An der Reuss sollen also neue Plätze entstehen, die für die Bevölkerung einfach zugänglich sind und öffentlich genutzt werden können. Gleichzeitig soll sich das Reussufer nicht in eine Attraktionsmeile verwandeln. Die öffentliche Nutzung soll sich – mehr oder weniger intensiv – auf klar definierte Stellen beschränken.

Mario Baumgartner stellt klar. «Die Natur ist die Hauptprotagonistin im Landschaftspark Reuss. Aber der Mensch soll auch seinen Platz erhalten.» Dabei richtet sich dieses Angebot nicht an Touristen von ausserhalb, sondern an die lokalen Anwohner. «Gerade sie haben ein grosses Bedürfnis nach zusätzlichen Freiräumen», so Baumgartner.

Es entstehen neue Velowege und Grillstellen

Das Konzept, das Luzern Plus mit dem Projektteam erarbeitet hat, konzentriert sich auf vier Schwerpunkte: Die Erschliessung des Raums, neue Orte zur Erholung, neue Orte für Naturbeobachtungen und die Wassernutzung für Schwimmen und Böötlen.

Künftig soll es entlang beider Reussufer Velowege wie hier in Root geben. (Bild: ewi)

«Der Landschaftspark Reuss soll zu Fuss, mit dem Velo oder dem ÖV gut erschlossen sein», betont Baumgartner. Für diese Verkehrsmittel soll darum die Infrastruktur ausgebaut werden. Einheitliche Informationstafeln an diesen Ankunftsorten sollen die Besucherinnen darüber informieren, dass sie sich jetzt im Landschaftspark Reuss befinden.

Künftig soll es entlang beider Ufer einen durchgehenden Velo- und Fussweg geben. Die Gemeinden Root, Inwil und Buchrain denken sogar über eine neue Brücke über die Reuss nach, die eine Anbindung des Seetals an das Rontal für den Langsamverkehr darstellen würde. Zusätzliche Parkplätze für Autos sind hingegen nicht vorgesehen.

In Root gibt es bereits heute inoffizielle Grill- und Spielplätze entlang der Reuss. Mit dem Landschaftspark Reuss entstehen mehr solcher Plätze mit einer einfachen öffentlichen Infrastruktur. (Bild: ewi)

Zentrales Element des Landschaftsparks Reuss sind die sogenannten Erholungsorte. Zehn davon sind geplant, die sich in ihrer Grösse und Infrastruktur voneinander unterscheiden. An manchen Stellen, zum Beispiel in Emmen oder weiter flussabwärts in Root, sind die Massnahmen überschaubar. Es entstehen neue Sitzgelegenheiten, vielleicht eine Grillstelle und ein neuer Zugang zum Wasser. Auf der Grossmatte in Buchrain in der Nähe des Autobahnanschlusses sieht das Projekt grössere Veränderungen vor.

«Dieser Erholungsort in Buchrain wird von der Bevölkerung bereits heute intensiv genutzt», sagt Mario Baumgartner. «Durch das Hochwasserschutzprojekt wird sich der Bereich verändern. Er soll aber weiterhin der Bevölkerung als attraktiver Naherholungsort dienen und schattige Aufenthaltsbereiche, Grillstellen und Wasserzugänge bieten.» Die Gemeinde Buchrain könne sich hier gar die Eröffnung einer Buvette vorstellen. Hier soll auch eine offizielle Schwimmstrecke enden, die weiter oben bei der Autobahnbrücke beginnt. Nebst dieser Schwimmstrecke ist eine weitere in Emmen geplant und für eine dritte Schwimmstrecke in Root laufen derzeit die nötigen Abklärungen. So soll die Reuss als Naherholungsgebiet noch attraktiver werden.

Von hoch oben die Natur beobachten

Schliesslich plant Luzern Plus im Landschaftspark Reuss auch Orte zur Naturbeobachtung. Denn mit der Renaturierung der Reuss wird der Fluss als Lebensraum für Tiere und Pflanzen attraktiver. Am linken Reussufer entsteht im Schiltwald in der Gemeinde Emmen ein grosses «Naturvorranggebiet». Hier wertet der Kanton die Reuss deutlich auf. Durch ständige kleinere Überschwemmungen und wechselnde Flussläufe soll hier ein Auengebiet entstehen. Solche Auenlandschaften gibt es in der Schweiz fast keine mehr, dabei ist die Biodiversität gerade hier sehr hoch. Mit einem Aussichtsturm am Rande dieses Gebiets sollen Besucherinnen Einblicke in dieses natürliche Gebiet erhalten.

Im Schiltwald am linken Reussufer wird der Fluss an manchen Stellen stark verbreitert. Hier entsteht eine Auenlandschaft, die sich von bestimmten Plätzen aus beobachten lässt. (Bild: ewi)

Realisiert werden die einzelnen Massnahmen durch die Gemeinden. Der Kanton hat sich jedoch bereit erklärt, die Kosten für jene Bauarbeiten zu übernehmen, die sich direkt im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz-Projekt realisieren lassen.

Auch wenn die Pläne schon ziemlich konkret klingen – noch ist das alles Zukunftsmusik. Denn der Landschaftspark Reuss steht in direkter Abhängigkeit zum Hochwasserschutzprojekt des Kantons. Und dieses wurde im Rahmen der öffentlichen Auflage mit knapp 60 Beschwerden eingedeckt (zentralplus berichtete). Bis diese behandelt sind, dauert es noch eine Weile. Dann muss das 200-Millionen-Projekt auch noch an der Urne bestehen. Dies wird frühstens 2024 der Fall sein.

Bis am Reusszopf die ersten Bagger auffahren, dauert es darum noch mehrere Jahre. Und bis die Arbeiten an der Kantonsgrenze in Honau abgeschlossen sind, rund zehn bis zwölf weitere Jahre. Bis dahin fliesst im wahrsten Sinne des Wortes noch viel Wasser die Reuss runter.

Verwendete Quellen
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