Mit Jill Nussbaumer und Arno Grüter

Zuger FDP will den verlorenen Nationalratssitz zurück

FDP-Kantonsrätin Jill Nussbaumer möchte im Herbst in den Nationalrat einziehen. (Bild: zvg)

Das Ziel der Zuger FDP für die Nationalratswahlen ist klar: den 2019 an die ALG verlorenen Sitz zurückerobern. Jill Nussbaumer und Arno Grüter sollen es richten.

Der Schock der FDP sitzt noch immer tief. Statt dass ihre Kandidatin Karen Umbach die Nachfolge des abtretenden Nationalrats Bruno Pezzatti (FDP) antritt, hat sich Manuela Weichelt (ALG) 2019 den Sitz geschnappt. An der Nominationsversammlung vom 31. Januar erklärt FDP-Präsident Cédric Schmid kämpferisch, dass die Partei diesen wieder zurückholt (zentralplus berichtete).

Richten sollen es zwei Zweier-Listen mit je einer Spitzenkandidatin. Auf der einen Liste kandidiert die Chamer Kantonsrätin Jill Nussbaumer, unterstützt vom Oberägerer Gemeindepräsidenten Marcel Güntert. Auf der anderen der Chamer Gemeinderat Arno Grüter, unterstützt von der Stadtzuger FDP-Parteipräsidentin Elisabeth Glas.

Tickets führten zu parteiinternen Diskussionen

Die Strategie war nicht unumstritten. Wie die «Luzerner Zeitung» schildert, habe es Diskussionen gegeben, sich auf einen Spitzenkandidaten zu fokussieren und mehrere Listenverbindungen einzugehen. Darauf angesprochen, schreibt die Medienverantwortliche Elyne Hager, dass solche Diskussionen wichtig seien, um Chancen und Risiken abzuwägen. Letztlich habe sich jedoch das beschriebene Vorgehen durchgesetzt. Da die zwei Kandidaten unterschiedliche Persönlichkeiten seien, hätten die Wählerinnen eine «echte Auswahl».

«Als Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz habe ich die letzten Jahre viel Zeit mit dem Sammeln von Unterschriften verbracht.»

Jill Nussbaumer, Chamer Kantonsrätin und Nationalratskandidatin

Bezüglich Listenverbindungen sei die Frage aber noch zu früh. «Wir würden gerne mit anderen bürgerlichen Parteien zusammenarbeiten, um eine bürgerliche Vertretung nach Bern schicken zu können. An uns soll es nicht liegen», spielt Hager den Ball den anderen Parteien zu.

FDP steht vor schwieriger Ausgangslage

Die Listenverbindungen werden jedoch eine wichtige Rolle spielen, denn mit dem Wiederantritt der drei bisherigen Nationalräte stellt sich der FDP eine schwierige Ausgangslage. Denn bisherige Amtsträgerinnen starten üblicherweise mit einem Vorsprung in den Wahlkampf. Die Chancen erhöhen würde eine erfolgreiche Wahl von Manuela Weichelt in den Ständerat, für den sie ebenfalls kandidiert. Doch könnte ein Erfolg Weichelts gleichzeitig auf Kosten des bisherigen FDP-Ständerats Matthias Michel gehen.

Hager räumt ein, dass die Ausgangslage nicht einfach ist. Doch gibt sich die Partei kämpferisch: «Wir sind zuversichtlich, dass Matthias Michel die Wiederwahl schaffen wird.» Mit Weichelts Doppelkandidatur verzettle sie die Kräfte. Zuversichtlich stimmt Hager auch der Wahlerfolg vom Super Sunday, an dem die FDP Zug um gut ein Prozent zugelegt hat und nun einen Wähleranteil von rund 22 Prozent hat (zentralplus berichtete).

Auf kantonaler Ebene noch neu, doch national bereits aktiv

Um das Ziel zu erreichen, setzt die Partei unter anderem auf Jill Nussbaumer. Die Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz ist vor gut einem Jahr in den Kantonsrat nachgerückt. Jetzt möchte sie den Kanton Zug bereits in Bundesbern vertreten. Überraschend kommt das nicht. Obschon die Chamerin erst frisch im Kantonsrat sitzt, war sie politisch alles andere als untätig.

«Als Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz habe ich die letzten Jahre viel Zeit mit dem Sammeln von Unterschriften verbracht», wie sie auf Anfrage schreibt. Als Beispiele nennt sie das Referendum gegen die Lex Netflix oder ihren Einsatz für die AHV21, bei denen sie sich national einen Namen gemacht hat. «Nach diesen Einblicken in die nationale Politik möchte ich Lösungen aktiv mitgestalten und liberale Ideen einbringen.»

«Ich spüre in der Bevölkerung eine starke Unterstützung und den Wunsch nach Veränderung.»

Arno Grüter, Chamer Gemeinderat und Nationalratskandidat

Themen, die ihr besonders am Herzen liegen, sind zum einen die Altersvorsorge und zum anderen die Klimawende. Eine nachhaltige Energieversorgung zu sichern, gelinge nicht mit Subventionen, sondern mit einem Lenkungssystem, ist die 29-Jährige überzeugt. Ein Anliegen ist ihr auch, den Wirtschaftsstandort Zug zu stärken, dessen Interessen sie in Bern vertreten will. «Dafür braucht es erschwinglichen Gewerberaum, gute Arbeitskräfte und unbürokratische Prozesse.»

Vor acht Jahren noch Unterstützung, nun als Spitzenkandidat

Der zweite «Spitzenkandidat» ist der wiedergewählte Chamer Gemeinderat Arno Grüter. Eine Kandidatur für die grosse Kammer wagt er nicht zum ersten Mal: Bereits 2015 hat er als Zuger Nationalrat kandidiert. Damals jedoch als Unterstützer auf einer Nebenliste. Eine Erfahrung, von der er nun profitieren könne, wie er auf Anfrage sagt. Denn diesmal soll es klappen. «Ich spüre in der Bevölkerung eine starke Unterstützung und den Wunsch nach Veränderung.»

Der Chamer Finanzvorsteher Arno Grüter kandidiert erneut als Zuger Nationalrat. (Bild: zvg)

Dieser Wunsch nach Veränderung ist es auch, welcher den 46-Jährigen zur Kandidatur bewogen hat. Mit der Politik in Bern ist er nicht zufrieden. «Es fehlt das strategische, langfristige Denken zur Lösung der dringenden Fragen unserer Zeit. Es fehlt die Orientierung an der Realität und der ökonomische Sachverstand», führt Grüter aus.

Für diese Herausforderungen sei er auch bereit, das Amt als Gemeinderat an den Nagel zu hängen, obwohl es ihm sehr gut gefalle. «In der Politik muss man die Chancen packen, wenn sie sich bieten und das familiäre und berufliche Umfeld mitspielt.» Als Thema liegt ihm besonders – nach typisch liberaler Manier – die Wirtschaft am Herzen. Für ihn ist sie die Lösung für die Herausforderungen des Klimawandels «nicht das Problem». Weshalb er sich auch für optimale Bedingungen für Innovation und Investition einsetzen möchte.

Ob diese beiden das bisherige Trio sprengen können? Elyne Hager räumt ein, dass beide Spitzenkandidatinnen im Kanton noch nicht so bekannt sind wie die bestehenden Amtsinhaber. Eine grosse Aufgabe werde im Wahlkampf demnach sein, die Kandidaten bei den Wählern «persönlich vorzustellen».

Verwendete Quellen
  • Artikel der «Luzerner Zeitung»
  • Schriftlicher Austausch mit Elyne Hager, Medienkontakt FDP Zug
  • Medienmitteilung der FDP Kanton Zug
  • Schriftlicher Austausch mit Jill Nussbaumer, Chamer Kantonsrätin
  • Schriftlicher Austausch mit Arno Grüter, Gemeinderat Cham
  • Website Arno Grüter
  • Website Jill Nussbaumer
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1 Kommentar
  • Profilfoto von Ex-FDP-Wählerin
    Ex-FDP-Wählerin, 03.02.2023, 11:48 Uhr

    Wer grün will, wählt das Original. Die Klimafanatiker/-innen sind schon lange übervertreten in der Politik, besonders in Bundesbern. Eine Alternative ist die FDP nicht (mehr).

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