Erhält Luzerner Stadtrat erstmals linke Mehrheit?

Die zweiten Wahlgänge stehen an – das musst du wissen

Am 9. Juni entscheidet sich, wer es in die Luzerner Gemeinde- und Stadträte schafft. (Bild: ida)

Am 9. Juni finden im Kanton Luzern diverse zweite Wahlgänge statt. In mehreren Gemeinden gibt es spannende Ausgangslagen. zentralplus liefert dir eine Übersicht.

Nach dem 9. Juni wird im Kanton Luzern drei Jahre lang Ruhe herrschen, was Wahlen angeht. Hinter der Bevölkerung liegen dann die Ausmarchungen auf kantonaler, eidgenössischer und kommunaler Ebene – in dieser zeitlichen Reihenfolge. Im April und Mai 2023 bestellten die Luzerner den Kantons- und Regierungsrat neu. Ein halbes Jahr später waren die National- und Ständeräte an der Reihe. Und vor zwei Wochen wählte die Bevölkerung die Kommunalpolitiker.

Nun stehen einzig noch die zweiten Wahlgänge für die Gemeinde- und Stadtratswahlen an. Die Ausgangslage präsentiert sich dabei in verschiedenen Gemeinden spannend. Ein Überblick:

Luzern: Drei von fünf Sitzen offen – Bisherige unter Druck

Die Stadtluzerner Bevölkerung wählte am 28. April den Grossen Stadtrat neu, wobei die bürgerliche Seite leicht zulegen konnte. Anders sieht es hingegen bei der städtischen Exekutive, dem Stadtrat, aus. Dieser könnte am 9. Juni erstmals eine linke Mehrheit erhalten.

Doch von vorne: Bei den Stadtratswahlen schafften mit Stadtpräsident Beat Züsli (SP, bisher) und Korintha Bärtsch (Grüne, neu) zwei Linke auf Anhieb den Sprung in die Stadtregierung (zentralplus berichtete). Damit bleiben noch drei Sitze zu vergeben. Ihren Hut in den Ring werfen sechs Personen: Franziska Bitzi (Mitte), Marco Baumann (FDP), Melanie Setz (SP), Stefan Sägesser (GLP), Julian Gerber (Junge Grüne) und Zoé Stehlin (Juso).

Die SVP tritt nach dem Rückzug von Peter With derweil nicht mehr an. Bitzi hat als Einzige den Bisherigenbonus. Doch konnte sie von diesem im ersten Wahlgang etwas überraschend nicht profitieren. Sie schaffte es hinter den beiden Gewählten sowie Marco Baumann und Melanie Setz «nur» auf den fünften Platz und verfehlte das absolute Mehr deutlich. Sie habe gehofft, dass sie etwas besser abschneiden würde, gab sie gegenüber zentralplus nach dem ersten Wahlgang zu Protokoll (zentralplus berichtete).

Nun ist Bitzi also unter Druck. Doch trotzdem wäre eine Nichtwiederwahl der Finanzdirektorin im zweiten Wahlgang eine faustdicke Überraschung, ist sie doch weitherum akzeptiert. Auch für Marco Baumann sollte die Wahl als Drittplatzierter nach dem ersten Wahlgang zu schaffen sein. Er würde damit den FDP-Sitz des zurücktretenden Martin Merki verteidigen.

Spannendes Duell zwischen SP und GLP

Bleibt die Frage, wer sich den letzten Sitz schnappt. Die Favoriten: Melanie Setz und Stefan Sägesser. Die SP-Kandidatin erhielt am 28. April über 2000 Stimmen mehr als der Grünliberale. Sollte sie diesen Vorsprung über die Ziellinie bringen – was durchaus realistisch erscheint –, würde der Stadtrat erstmals in seiner Geschichte eine linke Mehrheit erhalten. Sägesser kann derweil auf bürgerliche Unterstützung zählen. Neben der GLP empfehlen ihn auch die Mitte und die FDP zur Wahl. Damit könnte er noch aufholen und den Sitz seiner abtretenden Parteikollegin Manuela Jost verteidigen.

Im ersten Wahlgang machten die beiden Jungkandidaten Julian Gerber und Zoé Stehlin ein gutes Resultat – beide holten gar mehr Stimmen als Stefan Sägesser. Dass sie den Sprung in die Stadtregierung schaffen, erscheint trotzdem wenig realistisch.

Emmen: Ein Sitz offen – schafft es die SVP?

In der zweitgrössten Luzerner Gemeinde wurden sämtliche vier Bisherigen im ersten Wahlgang wiedergewählt. Es bleibt in Emmen also noch ein Sitz zu besetzen. Stand heute hat die Mitte zwei, die FDP und die SP je einen. Die Freisinnigen wollen den fünften Sitz verteidigen – Thomas Lehmann tritt nach zwölf Jahren ab. Sie treten auch im zweiten Wahlgang mit Einwohnerrat Beat Niederberger an. Er belegte im ersten Wahlgang den fünften Platz, schaffte das absolute Mehr aber nicht.

Auch die SVP (mit Alex Granja) und die GLP (mit Christian Kravogel) kämpfen um den Sitz. Die SVP will ihren 2018 verlorenen Sitz endlich zurückerobern. Damals trat ihr Gemeinderat Urs Dickerhof ab, der damalige Nationalrat Felix Müri schaffte die Wahl aber überraschenderweise nicht. Stattdessen ging der Sitz an den SP-Kandidaten Brahim Aakti.

SVP-Frau Granja kann aber auf keine Unterstützung von anderen Parteien zählen. Die FDP und die Mitte setzen gemeinsam auf Beat Niederberger. Der Verein «Frauen engagiert in Emmen» unterstützt Granja anders als im ersten Wahlgang nicht mehr. GLP-Kandidat Kravogel, der sich zwar im Einwohnerrat der Mitte-Fraktion angeschlossen hat, erhält von dieser keine Rückendeckung. Dafür empfehlen ihn die linken Parteien.

Mehrere Sitze in der Agglo zu vergeben

In Ebikon sind drei der fünf Gemeinderatssitze besetzt, alle von Bisherigen: Gemeindepräsident Daniel Gasser (Mitte), Susanne Troesch-Portmann (Mitte) und Mark Pfyffer (FDP). Die beiden parteilosen Bisherigen Hans Peter Bienz und Andreas Michel schafften die Wiederwahl nicht auf Anhieb. Während Bienz erneut antritt, zieht sich Michel zurück (zentralplus berichtete).

Die SP will derweil ebenfalls in den Gemeinderat und tritt erneut mit André Renggli an. Dieser hatte die Wahl im ersten Wahlgang um gerade einmal fünf Stimmen verpasst. Spannend machen das Rennen die beiden SVP-Kandidaten Stefan Bühler und Esther Winiger, die im ersten Wahlgang nicht angetreten waren. Damit verhindern sie stille Wahlen.

In Rothenburg ist noch ein Sitz im fünfköpfigen Gremium offen. Gemeindepräsident Bernhard Büchler (Mitte, bisher) und die Gemeinderäte Michael Riedweg (Mitte, bisher), Raphael Bühlmann (FDP, bisher) und Gisela Doenni-Widmer (parteilos, bisher) schafften die Wiederwahl auf Anhieb. Den letzten Sitz machen Janine Gasser-Wolfisberg (SVP) und Thomas Wespi (SP) unter sich aus. Die SVP-Kandidatin schnitt am 28. April mit knapp 200 Stimmen mehr besser ab als Wespi. Nicht mehr antreten wird GLP-Kandidat Tobias Lang.

In Meggen ist ebenfalls noch ein Sitz im Gemeinderat zu haben. Carmen Holdener (Mitte) ist neue Gemeindepräsidentin, Pascal Frei (FDP) neuer Gemeindeammann. Olivier Class (FDP) und Karin Flück Felder (FDP) schafften ihre Wiederwahl. Um den letzten Sitz kämpfen gleich fünf Personen: Stefan Kölbener (Mitte), Lukas Portmann (GLP), Mario Zwyssig (SP), Katja Staub (SVP) und Reto Frank (Zukunft Meggen). SP-Kandidat Mario Zwyssig schnitt im ersten Wahlgang von den Nichtgewählten am besten ab, knapp dahinter lag Lukas Portmann. Dass die SVP zum ersten Mal in den Megger Gemeinderat einziehen kann, ist eher unwahrscheinlich. Katja Staub holte im ersten Wahlgang am zweitwenigsten Stimmen.

Sursee: Parlament ja oder nein?

In Sursee gibt es zwar keinen zweiten Wahlgang, aber dafür eine interessante Abstimmung. Erhält die Stadt ein Parlament? Die Gemeindeversammlung soll abgeschafft und durch ein Stadtparlament ersetzt werden. Dahinter steckt eine Gemeindeinitiative der Ortsparteien Grüne, GLP, FDP und SVP. Die SP unterstützt die Idee. Dagegen sind allerdings die Mitte und der Gewerbeverein, welche mit einer IG gegen die Einführung kämpfen (zentralplus berichtete).

Sursee wäre die sechste Luzerner Gemeinde, welche ein Kommunalparlament einführt. Heute gibt es solche in Luzern, Horw, Kriens, Emmen und ab kommendem Herbst auch in Ebikon.

Verwendete Quellen
  • Wahlvorschläge für den zweiten Wahlgang in der Stadt Luzern
  • Medienarchiv zentralplus
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