Politischer Vorstoss

Nur rückwärts möglich: Parkplatzpuff beim Zuger Ökihof

Wer beim Ökihof in Zug zum Entsorgen geht, muss die Augen offen halten. Nicht immer wird man von Automobilisten gesehen (Bild: wia)

Blechschaden beim Entsorgen: Weil im Zuger Ökihof rückwarts ausparkiert werden müsse, habe es bereits mehrmals Verkehrsunfälle gegeben, sagen Besucher. Eine Zuger Mitte-Politikerin will, dass der Stadtrat nochmals über die Bücher geht.

Dienstagnachmittag, kurz nach 13.30 Uhr: Auf dem Zuger Ökihof im Göbli herrscht Betrieb. Nicht übertrieben viel, doch kommen im Minutentakt Entsorgungswütige mit ihren Autos an, um nach wenigen Minuten wieder abzubrausen. Auch Kinder helfen ihren Eltern beim Entsorgungstermin, sie wuseln mehr oder weniger kontrolliert auf dem Gelände herum.

Die Situation an diesem Tag ist überschaubar. An Frei- und Samstagen, für viele Zuger die heiligen Recyclingtage, zeigt sich hier ein anderes Bild. Dann sind nicht selten alle 60 Parkplätze vor dem Recyclingzentrum belegt. Die Schlaufe, die Zuger nach dem Abzweigen von der Industriestrasse fahren müssen, damit sich der Stau nicht auf ebendiese auswirkt, macht an diesen Tagen durchaus Sinn.

Viele Autos, die nur wenige Minuten lang parkiert bleiben

Erst einmal angekommen und parkiert, heisst es aufpassen. Denn die hohe Kadenz, mit der hier Autos ankommen und wegfahren, sorgt für teils heikle Situationen. Das ist auch der Zuger Mitte-Gemeinderätin Mariann Hegglin unlängst aufgefallen. «Als ich vor einem Monat zum ersten Mal im Ökihof zum Entsorgen ging, war ich erstaunt ob des ‹Puffs›, das vor Ort aufgrund des grossen Verkehrsaufkommens herrschte. Bei diesem Besuch wurde ich auch gleich Augenzeugin eines Blechschadens», sagt die Politikerin.

«Ich beobachtete die Situation etwas länger. Das Problem ist, dass die Autos vorwärts parkieren müssen, da sie Zugang zum Kofferraum brauchen. Das heisst, beim Ausparkieren müssen sie mindestens einmal, wenn nicht öfters, im rechten Winkel zurücksetzen, bevor sie zum Ausgang fahren können», sagt Hegglin. Und weiter: «Ich merkte, wie gestresst die Leute grundsätzlich beim Entsorgen sind. Weil sie lange warten müssen, geben sie später Gas, so scheint es.»

«Im Gegensatz zu einem Supermarkt verbringen die Besuchenden schätzungsweise nur fünf bis zehn Minuten auf dem Gelände.»

Mariann Hegglin, Zuger Mitte-Stadtparlamentarierin

Hegglins Haltung könnte man nun entgegenhalten, dass die Situation in jedem Einkaufsparkhaus ähnlich sei. Dazu sagt sie: «Im Gegensatz zu einem Supermarkt verbringen die Besuchenden schätzungsweise nur fünf bis zehn Minuten auf dem Gelände des Ökihofs, was zu einer sehr hohen Anzahl von Verkehrsbewegungen führt.»

Augenzeugen sprechen von kleineren Unfällen

Die Zugerin sprach daraufhin ihren Bekanntenkreis auf das Thema an. «Dort stimmte man mir zu. Auch Freunde von mir hatten bereits miterlebt, dass es auf dem Gelände gekracht hat.» Ihre persönlichen Beobachtungen nimmt Hegglin nun zum Anlass für eine Interpellation.

Darin gibt sie zu bedenken: «Es scheint, dass bei der Planung der Parkfelder der Sicherheitsaspekt stark vernachlässigt wurde, da die Autos nur rückwärts aus den Parkplätzen fahren können.» Durch alternative Verkehrskonzepte – wie sie in anderen Ökihöfen umgesetzt worden seien – sei das hohe Risiko für Kinder und erwachsene Personen vermeidbar.

Hegglin verweist zwar auf die Eigenverantwortung der Autofahrerinnen und Fussgänger, auf den Verkehr zu achten. Dennoch nimmt sie auch die Stadt in die Pflicht. So will die Parlamentarierin wissen, ob der Stadtrat eine Anpassung der heutigen Parkplätze plane und ob die Stadt mögliche Ein- und Ausfahrten ohne Rückwärtsfahren in Erwägung ziehe.

Weiter stellt Hegglin dem Stadtrat die Frage, ob in den vergangenen eineinhalb Jahren seit der Eröffnung des Ökihofs Unfälle mit Personenschäden sowie Beinahunfälle mit Personenschäden passiert seien, an denen Fahrzeuge beteiligt gewesen seien.

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Mariann Hegglin
  • Interpellationstext
  • Besuch vor Ort
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8 Kommentare
  • Profilfoto von Roli Greter
    Roli Greter, 21.03.2024, 14:45 Uhr

    Es gibt genügend gute Beispiele dafür, wie das Problem gelöst werden könnte, z.B. die Sammelstelle in Küssnacht.

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  • Profilfoto von Tom
    Tom, 21.03.2024, 13:20 Uhr

    Ich kann nur anschliessen. Und es geht nicht mal um „Panzer“ oder Fahrkünste…. Die Parkfelder sind relativ eng… das Rückwärstmanövrieren aufgrund aller Beteiligten auf dem Areal schon manchmal grenzwertig…. Damit meine ich Autofahrende und zu Fuss gehende… es wäre so einfach, wenn die Parkplätze in einem Winkel aufgezeichnet werden und nicht 90 Grad…. Das ginge ohne grossen Umbau sondern mit einer neuen Markierung….

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  • Profilfoto von Heimwehberner
    Heimwehberner, 21.03.2024, 12:34 Uhr

    Wenn alle mit den üblichen Zugern "Panzern" vorfahren ist ja klar dass hier auch Unfälle passieren. Man sollte halt auch ein wenig Autofahren können…
    Wenn ich aber die vielen SUV's sehe und das Verhalten der Fahrer:innen dann erklärt sich vieles.
    Mehr Rücksicht und weniger Panzer!
    Rücksicht?!!

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  • Profilfoto von Iris Luzzani-Brawand
    Iris Luzzani-Brawand, 21.03.2024, 10:47 Uhr

    Das Parkplatzkonzept ist wirklich das Schlechteste und sehr Gefährlich für die Menschen die gerade am Entsorgen sind, da keine Sicherheit mit solider Abschrankung besteht vor den Entsorgungskontainern. Man stelle sich vor, bei den Parkplätzen vorne bei den Containern, wenn ein Automobilist beim Einparken die Bremse mit dem Gas verwechselt. Bitte dringend und schnellstmöglich ändern, bevor es Verletzte gibt, danke.

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  • Profilfoto von Dagmar Michel
    Dagmar Michel, 21.03.2024, 09:19 Uhr

    Da ich 1-2 Mal pro Woche den Ökihof aufsuche, kann ich Frau Hegglin nur uneingeschränkt Recht geben!
    Das Architektenteam hat das Thema "entsorgen" bestens gelöst. Letzthin ist mir sogar für die Besucher ein Waschbecken mit Seife und Tüchern aufgefallen. Kompliment!
    Was aber die Parksituation betrifft, gibt es eine Note unbefriedigend.
    Eine Änderung wäre sehr wünschenswert.

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    • Profilfoto von mvonrotz
      mvonrotz, 21.03.2024, 11:57 Uhr

      Sorry, aber wer nicht ohne "Unfall" rückwärts ausparkieren kann soll einen Auffrischkurs machen. Weil die Fahrer*innen nicht fähig sind muss man sich ihnen anpassen? Geht gar nicht!!

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  • Profilfoto von Ebi Rordorf
    Ebi Rordorf, 21.03.2024, 07:40 Uhr

    Das rückwärts Parkieren ist nicht verboten. Ich parken regelmässig rückwärts. Und fülle auch das Gebäude nicht mit Abgasen, da ich elektrisch unterwegs bin. Mit einer Abgasschleuder würde ich allerdings auch vorwärts parken. Und wenn ich ein Vehikel in den ortsüblichen zuger Dimensionen hätte, eine Hilfsperson zum Rausmanövrieten suchen.

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    • Profilfoto von mvonrotz
      mvonrotz, 21.03.2024, 11:55 Uhr

      Beim Entsorgen hat man meistens den Kofferraum gefüllt und dann geht rückwärts Parkieren nicht! Dann kann man nicht mehr entladen.

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