Neben dem neuen Ökihof im Göbli

Wie sich das Zuger Brockenhaus am neuen Ort verändert hat

Christine Langhans leitet das Brockenhaus Zug seit Dezember 2017. (Bild: mik)

Im Göbli steht seit rund einem halben Jahr das neue Recyclingcenter – zusammen mit dem neuen Brockenhaus Zug. Laut Geschäftsführerin Christine Langhans läuft das Brocki gut. Doch es gilt, noch einige Herausforderungen zu meistern.

Wenn Zugerinnen ausmisten, können sie ihren ganzen Krimskrams an denselben Ort bringen: den Karton und die Glasflaschen zum Ökihof, die alten Kleider und Möbel ins Brockenhaus gleich daneben. Mit dem Neubau des Recyclingcenters im Göbli ist das Zuger Brocki gleich mitgezogen (zentralplus berichtete). Und sei am neuen Standort sehr gut angelaufen, wie Geschäftsleiterin Christine Langhans bei einem Besuch vor Ort sagt.

Von grossem Vorteil sei dabei die Nähe zum Ökihof. «Beim Entsorgen haben Personen dann auch gleich Taschen fürs Brocki dabei.» Oder Personen, die gwundrig das neue Recyclingcenter erkunden wollen und aus Neugier auch gleich ihr Brockenhaus besuchen. Im Gegensatz zum alten Standort sei dieses nämlich nicht nur grösser, sondern auch angenehmer. Beim alten Güterbahnhof war das Untergeschoss ohne Tageslicht und zum Teil modrig – hier sorgt die grosse Fensterfront für viel Licht und frische Luft.

Vorliebe für Secondhand steigt – dürfte jedoch noch wachsen

Was jedoch kein Garant für viele Besucher ist. Zwar haben die Leute während Corona ausgemistet und ihre alten Sachen in die Brockis gebracht (zentralplus berichtete). Jedoch habe gleichzeitig der Onlinehandel geboomt, weswegen sie nicht von einem generellen Boom bei den Brockis sprechen würde, so Langhans.

«Unsere Kunden sind zwar Brocki-Kunden, haben aber trotzdem Anspruch an die Produkte.»

Christine Langhans, Geschäftsleiterin Brockenhaus Zug

Tendenziell würde sie jedoch sagen, dass das Verständnis und Interesse an Secondhand zunimmt. «Die Leute werden sensibler darauf, dass wir es uns nicht mehr leisten können, alles neu zu kaufen. Irgendwann sind die Ressourcen unseres Planeten aufgebraucht. Und man kann auf einem eingesessenen Stuhl genauso gut sitzen.» Jedoch sei die Sensibilität dafür noch lange nicht da, wo sie sein sollte. «Wir sind eine Wegwerfgesellschaft.»

Grossteil der Kleiderspenden landet in der Altkleidertonne

Das zeige sich auch an der Menge an Spenden, die sie erhalten. «Wir erhalten von allem eigentlich genug.» Gerade Kleider würden sehr viele abgegeben – von variierender Qualität. «Sicher 70 Prozent der gespendeten Kleider landen in der Altkleidersammlung.»

Kleider von Chicorée und Co. nähmen sie schon gar nicht mehr an. «Wenn ein T-Shirt nur sechs Franken kostet, macht es keinen Sinn, das für zwei Franken anzubieten.» Sie wolle nicht nur Menge, sondern auch Qualität anbieten. «Unsere Kunden sind zwar Brocki-Kunden, haben aber trotzdem Anspruch an die Produkte. Sie wollen beispielsweise keine verfleckte Matratze.»

Das Ziel sei immer, die erhaltenen Waren auch verkaufen zu können. Dabei laufe grundsätzlich alles gut, was zeitgemäss sei und von guter Qualität. Wie der normale Detailhandel unterlägen die Produkte auch saisonalen Schwankungen – bei Regen würden Gartenmöbel zu Ladenhütern, Ski blieben im Lager und würden vorerst auch nicht mehr angenommen. Wenn etwas zu lange in den Regalen Staub ansammle, würfen sie es auch weg.

Hinter Brocki steckt viel Freiwilligenarbeit

Was angenommen wird, wird von den rund 150 Freiwilligen angeschaut, sortiert und in die Regale gestellt. Langhans überlässt die Gestaltung und Dekoration der einzelnen Brocki-Abteilungen jeweils den Freiwilligen selbst. Denn viele unter ihnen seien auch «Spezialisten», wie Langhans sie nennt. Beispielsweise fänden sich unter ihnen Ex-Bibliothekare oder Buchhändler, die sich dann um die Bücherabteilung kümmerten. Oder Personen, die sich speziell mit Teppichen oder Bildern auskennten.

In einem Jahr haben diese gemeinsam mit dem Brockehüsli in der Altstadt rund 24'000 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet, wie Langhans sagt. Sie sei darum auch immerzu bedacht, den Freiwilligen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gerne arbeiten. Das werde zum Spagat: «Für die Freiwilligen muss die Arbeit Freude bereiten, es ist jedoch keine Spassveranstaltung.» Ihr Ziel als Geschäftsleiterin sei es, genug Umsatz zu machen, um die anfallenden Kosten zu stemmen und einen Gewinn zu erwirtschaften, der der Frauenzentrale Zug zugutekomme. Dabei ist sie überzeugt: «Ohne diesen Freiwilligeneinsatz liesse sich das Brocki gar nicht zahlen.»

Umzug lohnt sich finanziell noch nicht

Gerade auch am neuen Standort. Denn dieser koste sehr viel mehr Miete als vorher, wie Langhans sagt. «Wir wollen gleich viel an die Frauenzentrale weitergeben können wie bisher. Dafür müssen wir uns aber wahnsinnig zur Decke strecken.» Um das zu schaffen, hätten sie etwa die Öffnungszeiten im neuen Brockenhaus erweitert. Ob das reiche, könne sie jedoch noch nicht wissen.

Zuerst mal müssten sie am neuen Ort ankommen, so die Geschäftsleiterin. In Zukunft könne sie sich aber vorstellen, Aktivitäten oder Events zu planen. «Ich fände es schön, auch mit Leuten ausserhalb des Brockis etwas zu machen.» Sie könne sich beispielsweise vorstellen, an einem Tag eine Schneiderin im Haus zu haben, die direkt kleinere Änderungen an den Kleidern vornehmen könnte. Oder ein Florist, der Blumensträusse bände, für die das Brocki die passende Vase anböte.

Gleichzeitig liebäugelt sie auch mit der Idee, das Brocki für Externe zu öffnen, etwa im Rahmen von Lesungen oder Ähnlichem: «Ich bin offen für vieles.» Damit würde das Brocki bekannter und somit auch präsenter bei den Zugerinnen – eine der grössten Herausforderungen, wie sie sagt. «Damit die Leute nicht vergessen, dass sie ihre alten Dinge auch zum Brocki bringen können, statt sie über Tutti oder Ricardo zu verkaufen.» Konkurrenz von anderen Brockis fürchtet sie hingegen weniger. «Es gibt so viel Ware, die Leute loswerden wollen – das reicht für alle.»

Verwendete Quellen
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