30-jähriges Jungtalent am Herd

Zuger Mini-Beiz «Unico» geht in neue Hände

Noémie Migliore (Mitte) übernimmt das Restaurant «Unico» von Andrea und Michael Weingartner. (Bild: cbu)

Im wohl kleinsten Restaurant der Stadt Zug kehrt frischer Wind ein. Noémie Migliore übernimmt das «Unico» vom Vorgängerpaar – führt es aber in ähnlicher Tradition weiter.

Es ist sicher eines der kleinsten Gasthäuser in der Stadt Zug. Das «Unico» an der Aegeristrasse 17. Knapp 20 Plätze bietet das Restaurant, das die gastronomischen Quereinsteiger Michael und Andrea Weingartner 2019 eröffnet haben. Die passionierten Weinbauer haben in ihrer Mikrogastronomie jeweils abends ein Vier-Gänge-Menü serviert (zentralplus berichtete).

Rund zweieinhalb Jahre haben sie das Lokal geführt, aus gesundheitlichen Gründen mussten sich die Weingartners im vergangenen Sommer jedoch aus dem Restaurant zurückziehen. Seither hat das Paar nach einer Nachfolge gesucht. Jetzt ist mit Noémie Migliore ein neues Kochtalent in den Startlöchern. Die 30-jährige Baarerin mit italienischen Wurzeln übernimmt das Lokal – und damit ihr zweites eigenes Restaurant. Ein erstes führte sie im zarten Alter von 20 Jahren. zentralplus hat vor der offiziellen Eröffnung am 16. März im «Unico» vorbeigeschaut und sich mit Noémie Migliore und dem Ehepaar Weingartner an den Longtable gesetzt.

Das Konzept bleibt, die Gastgeberin wechselt

Zum ersten Mal vom Restaurant «Unico» habe sie auf dem Schragen im Beauty-Salon gehört, erzählt uns die Baarerin gut gelaunt. Mehrmals sei sie dann am Lokal vorbeigelaufen, ehe sie sich dazu entschloss, bei den Weingartners vorstellig zu werden. Ein Glücksgriff für das Ehepaar. Zwar habe es schon früher Interessenten gegeben, von Sterneköchen bis zu Kebabwirten, aber «mit Noémie hat es für uns gleich gepasst», erinnert sich Andrea Weingartner. Denn am eigentlichen Konzept – ein Viergänger zum Abendessen – hält Noémie Migliore fest.

Loslassen fällt dem Ehepaar trotzdem nicht leicht. «Wir waren mit Leidenschaft dabei», sagt Michael Weingartner. «Aber mit jemandem wie Noémie als Nachfolge können wir das Lokal guten Gewissens übergeben.» Bis zur Eröffnung helfen die Weingartners noch tatkräftig mit, danach überlassen sie Noémie Migliore das Feld und starten ein neues Abenteuer. Michael Weingartner: «Wir haben uns einen Camper gekauft und werden damit auf Reisen gehen.»

Das «Unico», ein Geheimtipp

Eine Mikrogastronomie mit reduzierten Öffnungszeiten zu führen, ist keine leichte Aufgabe. Glücklicherweise hat sich das «Unico» in den rund zweieinhalb Jahren zu einem Geheimtipp entwickelt. «Nach den Lockdowns hatten wir regelmässig volles Haus», erinnert sich Michael Weingartner. Nebst Gästen aus der Nachbarschaft seien es besonders Gruppen gewesen, die gerne hier eingekehrt seien. Das Konzept habe sich schnell und werbewirksam herumgesprochen. «Die effektivste Form der Werbung war die Mundpropaganda», sagt Andrea Weingartner.

Wie beliebt das kleine Lokal ist, zeigt sich jetzt auch bei der bevorstehenden Wiedereröffnung. «Mein Handy und die Social-Media-Accounts sind zusammengebrochen, als ich die Information über die Neueröffnung gepostet habe», sagt Noémie Migliore lachend. Viele ihrer Freunde aus der Gastronomie können es kaum erwarten, vorbeizukommen.

Kunterbunte Menüs im neuen «Unico»

Denn die dreissigjährige Noémie Migliore arbeitet seit ihrer Ausbildung im einstigen Restaurant Fontana in Baar in der Branche. «Von der Mitarbeiterkantine über die Metzgerei bis zum Gourmetladen, total war ich in über 85 verschiedenen Küchen unterwegs und habe von überallher Erfahrungen mitgenommen.» 2019 machte sie sich als Privatköchin, Caterer und Störköchin selbstständig, eine Beschäftigung, die sie zugunsten des «Unico» vorerst einstellt.

«Essenstechnisch passe ich mich keinen Regeln an.»

Noémie Migliore

Gekocht wird im neuen «Unico» grundsätzlich saisonal und regional, da legt Noémie Migliore grossen Wert drauf. «Beinahe alle Zutaten stammen aus dem Kanton Zug.» Und wo das nicht geht, wie beispielsweise beim Lachs oder den Shrimps, arbeitet sie mit Schweizer Partnern zusammen. Ausserdem setzt sie auf eigenes Handwerk. «Ich backe mein eigenes Brot, mache die Pasta selber und koche auch Knochen für Jus und Bouillon selber aus.»

Gäste dürfen kulinarisch mit allem rechnen. «Essenstechnisch passe ich mich keinen Regeln an», sagt die Wirtin. Seien es experimentelle Gerichte oder klassische Speisen wie Suppenhuhn oder «Bäggli», für Migliore gilt: «Ich koche gerne alles.» Auch Vegetarierinnen oder Menschen mit Allergien oder Intoleranzen sind herzlich willkommen.

Eröffnung am 16. März

Mit welchem Viergänger Migliore bei der Eröffnung an den Start geht, weiss sie selbst noch nicht definitiv. Ideen sind aber schon vorhanden. «Als Dessert könnte ich mir ein Schokoladen-Lavacake mit Randenespuma vorstellen.» Auch eine Pastinakencremesuppe steht zur Diskussion.

Zum Start wird sie das Lokal ohne angestelltes Personal schmeissen, kann aber auf Hilfe aus der Familie zählen – beispielsweise ihrem Mann Dejan, der als zweite treibende Kraft hinter dem Lokal steht. Geöffnet hat das «Unico» an drei Abenden, jeweils Donnerstag bis Samstag von 18.30 bis 23.00 Uhr. Für Gruppen ab zehn Personen steht das Restaurant nach Absprache aber auch an anderen Tagen zur Verfügung.

Bevor das Lokal am 16. März offiziell eröffnet, findet am Sonntag noch ein Willkommens-Apéro statt. Diesen bereitet Noémie Migliore weiter vor, als unser Gespräch zu Ende ist. Schliesslich gibt es noch warme und kalte Häppchen vorzubereiten und Wein kaltzustellen. Letzterer natürlich von den Weinreben der Weingartners.

Verwendete Quellen
  • Besuch im «Unico»
  • Gespräch mit Noémie Migliore, Andrea und Michael Weingartner
  • Website «Unico»
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