Lukratives Geschäft oder Luftschloss?

Luzernerin lebt den Traum vom eigenen Buchcafé

Luana Betschen hat sich den Traum eines Buchcafés erfüllt. (Bild: cbu)

Was im Ausland längst Standard ist, gibt es in Luzern kaum: Buchcafés. Eine Luzernerin spricht über die Licht- und Schattenseiten des oft gehegten Traums.

Ein eigenes Buchcafé zu eröffnen, ist der Traum vieler Leute – zumindest wenn es nach Videos aus den sozialen Medien geht. Sei es auf Booktok – der buchaffinen Ecke von Tiktok – oder Instagram, besonders Frauen schwärmen von einem kleinen Café, das viel Lesestoff, Heissgetränke und im absoluten Idealfall noch eine zufrieden schnurrende Katze bietet.

In vielen Ländern sind kleine Buchcafés gang und gäbe. In Wales widmet sich mit Hay-on-Wye gar eine ganze Ortschaft der Literatur – Tearooms inklusive. So weit ist die Zentralschweiz noch nicht. Aber es gibt sie auch hier, die Buchcafés – man muss nur wissen, wo.

Krienser Buchcafé ist ein Unikat

Luana Betschen lebt den Buchcafé-Traum im «BuK – Buch und Kaffee» in Kriens. Seit rund zwei Jahren leitet sie die Geschicke des 2018 eröffneten Ladens. Obwohl sie als Kind eine Leseratte war und schon früh den Wunsch nach einer eigenen Bücherei in sich trug, verschlug es die Luzernerin nach der Schule erst ins Kaufmännische.

Zum «BuK» kam sie während der Pandemie. «Der damalige Betreiber suchte nach freiwilligen Helfern, um das Geschäft während der Krise über Wasser halten zu können», erzählt Luana Betschen zu zentralplus. Ihr als begeisterte Leserin habe die Idee und später die Arbeit im Laden gefallen. Als es knapp zwei Jahre später Fragen zum Weiterbestehen der Buchhandlung gab, hat sie zugesagt, das Geschäft zu übernehmen. Betschen liess ihren Job an der Hochschule Luzern hinter sich und erfüllte sich ihren Jugendwunsch.

Bücher und Kaffee gibts hier en masse. Nur das Büsi fehlt. (Bild: cbu)

Heute ist Luana Betschen die Herrin über rund 3000 Bücher, eine Kaffeemaschine und insgesamt 20 Sitzplätze im Innen- und Aussenbereich. Wichtig bei einem Buchcafé sei vor allem die Atmosphäre, sagt sie. «Man muss sich sofort wohlfühlen.» Ein Buchcafé müsse eine Oase sein, in der keine Hektik herrsche und in der man gerne Zeit verbringt und miteinander ins Gespräch kommt.

Buchcafés sind ein hartes Geschäft

Dieses Heimelige und Persönliche seien denn auch zwei wichtige Faktoren, die ein Buchcafé von grossen Buchhandlungen unterscheiden, erklärt Luana Betschen. Als Verkäuferin könne sie sich mehr Zeit für die einzelnen Kundinnen nehmen, bei einem Kaffee auf deren Buchpräferenzen eingehen und bei der Warenbestellung auch mal mit Blick auf die Vorlieben ihrer Stammkundschaft einkaufen. In ihrer Buchhandlung finden sich hauptsächlich zeitgenössische Romane – Bücher, die sie selber gerne liest – aber auch Sachbücher und eine Ecke für Kinder- und Jugendliteratur.

«Man muss Bücher wirklich lieben.»

Luana Betschen, Buchhändlerin

Um den Traum des eigenen Buchcafés am Leben zu erhalten, braucht es aber mehr als guten Kaffee und romantische Ideale. Wie jeder andere Gastrobetrieb ist auch ein Buchcafé kein Selbstläufer. Gemäss Luana Betschen ist es in ihrem Buchcafé ein Fall von «sowohl als auch».

Einerseits entspricht das Bild des gemütlichen Buchcafés, wo die Uhren langsamer schlagen, durchaus der Wahrheit. Es sei jedoch ein «hartes Business». Nur Bücher zu mögen, reiche nicht. «Man muss Bücher wirklich lieben.» Und sich nicht nur in die Verlagswelt reinfuchsen, sondern auch in die Gastronomie. Betschen hat sich das Wirtepatent erarbeitet, um vor Ort nebst Heissgetränken und Gebäck auch Bier und Wein ausschenken zu können.

Das Buch bleibt ein Bestseller

Bücher erfreuen sich nicht zuletzt seit der Pandemie grösserer Beliebtheit. 2023 verzeichnete der Deutschschweizer Buchmarkt gemäss dem Schweizer Buchhandels- und Verlagsverband einen Gesamtumsatz von 586,4 Millionen Franken. Das sind zwei Prozent mehr als im Jahr davor.

Das gestiegene Interesse bestätigt auch Luana Betschen. Besonders ein junges Publikum hat durch Instagram, Tiktok und Co. vermehrt zum Buch zurückgefunden. Selbst würde Betschen lieber im bequemen Sessel unter dem Dachfenster ein Buch lesen als stundenlang durch Social Media zu scrollen. Ganz verschliessen kann und will sie sich aber nicht. «Sowohl der Online-Shop als auch die Präsenz auf Instagram sind elementare Bestandteile des Geschäfts», sagt sie. Zudem führt Betschen zusammen mit einer anderen Buchhändlerin einen Podcast, in dem sie über Bücher sprechen.

Das «unsterbliche» Buch

Trotzdem ist der stationäre Buchhandel kein Zuckerschlecken. Besonders kleine Buchhandlungen kämpfen gegen den oft günstigeren Onlinehandel vom Ausland. Und manchmal verlieren sie diesen Kampf. So etwa gab Susanne Giger Ende 2023 nach rund 30 Jahren ihre Buchhandlung in der St. Oswalds-Gasse in der Zuger Altstadt auf. Gründe waren der etwas abgelegene Standort abseits des Stadtzentrums und die veränderten Einkaufsgewohnheiten (zentralplus berichtete).

«Das gedruckte Buch wird niemals aussterben.»

Luana Betschen, Buchhändlerin

Die Tage des «Buch und Kaffee» in Kriens sind ebenfalls gezählt. Allerdings nur im Hinblick auf den Standort. Im Juni zügelt das Geschäft an die Bruchstrasse 58. Kistenweise Bücher zu zügeln, sei dabei noch ihre kleinste Sorge, sagt Betschen lachend. Am neuen Ort steht ihr der Ausbau des Ladenlokals bevor. Allen Unkenrufen zum Trotz glaubt Luana Betschen an eine Zukunft des klassischen Buchhandels. «Das gedruckte Buch wird niemals aussterben», ist sie überzeugt.

Auch die «Grossen» mischen mit

Dass die Kombination zwischen Buch und Café funktioniert, haben auch die grossen Bücherhäuser begriffen. Und das nicht erst seit gestern. Sowohl das Buchhaus Stocker in Luzern als auch die Orell-Füssli-Filiale im Bahnhof bieten Sitzplätze, warme Getränke und Gebäck an. Orell Füssli ist dafür eine Zusammenarbeit mit der Luzerner Kaffeerösterei Kaffeekranz eingegangen (zentralplus berichtete).

Inmitten der Bücher findet sich auch die Kaffeebar von Kaffeekranz.
Die Buchhandlung am Bahnhof hat eine Kaffeebar von «Kaffeekranz». (Bild: Orell Füssli)

Erfolgreiche Buchhandlungen seien heute Orte mit breitem Angebot, schreibt Orell-Füssli-Sprecher Alfredo Schilirò auf Anfrage. Dazu gehören auch Zusatzangebote wie Kaffeebars. Bislang betreibt Orell Füssli solche Cafés nebst Luzern noch in Basel und demnächst in Aarau. Das Unternehmen will die Cafés künftig über eine Verweilecke hinaus nutzen. «Zum Beispiel für Veranstaltungen von Lesungen mit Frühstück», wie Schilirò schreibt.

Verwendete Quellen
  • Verschiedene Kanäle auf Instagram und Tiktok
  • Gespräch mit Luana Betschen, «Buch und Kaffee» Kriens
  • Website «Buch und Kaffee» Kriens
  • Schriftlicher Austausch mit Alfredo Schilirò, Orell Füssli
  • Artikel über Buchpreise vom «Tages-Anzeiger»
  • Marktreport 2023 vom Deutschschweizer Buchmarkt, SBVV
  • Schriftlicher Austausch mit Gabi Bearth, Buchhaus Stocker
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