Gastronomie
Wut und Enttäuschung

Rekordverdächtig: Take-away-Lokal «Sona» bereits Konkurs

Wenige Wochen nach der Eröffnung ist das Take-away-Restaurant «Sona» an der Hertensteinstrasse 50 wieder zu. (Bild: cbu)

Statt Wraps mit frischen Fruchtsäften gibt es im neuen Take-away an der Hertensteinstrasse in Luzern nur noch schrumplige Äpfel hinter geschlossenen Türen. Nach nur einem Monat musste das Lokal per sofort schliessen. Das Team ist enttäuscht – und regelrecht wütend.

Frische Bowls, Wraps und Fruchtsäfte – damit wollte das Take-away-Lokal «Sona – so natürlich» Leute in die Filiale an der Hertensteinstrasse 50 locken. Am 12. November war die offizielle Eröffnung des Ladens (zentralplus berichtete).

Die Pläne des Inhabers Michael Schenk sahen vor, «Sona – so natürlich» bei Erfolg des Konzepts in ein Franchiseunternehmen mit mehreren Schweizer Filialen auszubauen. Daraus wird nun nichts. Inhaber Michael Schenk hat für «Sona» Konkurs angemeldet. «Das war, beziehungsweise ist, ein sehr schwerer Schritt für uns», schreibt er auf Anfrage.

Das Gemüse vegetiert vor sich hin

Das Take-away-Restaurant «Sona» hat sich nur wenige Wochen in Luzern gehalten. Wer heute das Einkaufsgebäude betritt, in dem unter anderem auch eine Aldi- und eine Ochsner-Sport-Filiale ansässig sind, findet im Eingangsbereich zwar noch Verkaufstheke, Tische und Stühle. Allerdings alles hinter geschlossenen Glasscheiben.

Beim Augenschein wirkt es, als wäre das Restaurant fluchtartig verlassen worden. Die Küchenutensilien stehen noch da, Früchte und andere Frischeprodukte sind nach wie vor in Schalen und den Behältern in der Auslage zu sehen – frisch sehen sie allerdings nicht mehr aus. Nichts deutet offiziell darauf hin, dass hier nicht bald wieder Gäste bedient werden. Kein Schild, kein Aufkleber, kein Zettel. Wie hastig die Schliessung vonstatten gegangen ist, zeigt die Tatsache, dass man über den Lieferdienst «Gastronovi» im Internet noch immer tagesaktuell die «Sona»-Spezialität bestellen kann – Abholung in 30 Minuten …

Ehemaliger Geschäftsführer ist enttäuscht

Das Lokal ist bereits seit dem 26. November geschlossen, wie Thomas Jenning, ehemaliger Geschäftsführer, gegenüber zentralplus sagt. Er wäre hauptsächlich für den operativen Betrieb zuständig gewesen, sei vom Konkurs aber ebenso überrascht worden wie das restliche Team. Über die Art und Weise, wie das Lokal hinterlassen worden ist, ist er entsetzt. «Das hat mit dem angestrebten Konzept der Nachhaltigkeit nichts zu tun», ärgert sich Jenning. «Das ist respektlos den Lebensmitteln gegenüber. Für diesen abrupten Abgang möchte ich mich entschuldigen. Bei der Kundschaft, den Lieferanten und den Angestellten.»

In der Auslage liegt auch Tage nach der Schliessung noch geschnittenes Gemüse. (Bild: Leserreporter)

Jenning kennt die Liegenschaft und die Hausverwaltung. Er war schon in der «Oil & Vinegar»-Filiale als Betriebsleiter aktiv, die im selben Haus eingemietet war. Zu «Sona – so natürlich» stiess er, als das Spezialitätengeschäft «Oil & Vinegar» sein Lokal in Luzern schloss und der neue Take-away die Ladenfläche der Bar Centrale bezog.

«Als junger Familienvater könnte ich mir Schöneres vorstellen, als über die Weihnachtszeit einen neuen Job suchen zu müssen.»

Thomas Jenning, ehemaliger Geschäftsführer

Gegen das unschöne Erscheinungsbild, dass sich derzeit Besucherinnen des Kaufhauses präsentiert, könne man jetzt nichts mehr unternehmen. Das Lokal darf nicht mehr betreten werden, sämtliche Gegenstände – auch die schrumpligen Äpfel in der Auslage – gehören in die Konkursmasse.

Team steht auf der Strasse

«Ich habe auch einige Mitarbeiter meines alten Teams ins ‹Sona› reingeholt», erklärt Thomas Jenning. «Das ist mir jetzt sehr unangenehm.» Insgesamt seien im «Sona» um die zehn Leute angestellt gewesen, die meisten davon in Teilzeitpensen. Dass sie nun alle ihren Job verloren haben, weckt in Jenning Schuldgefühle. Auch wenn er selbst die Schliessung nicht zu verantworten habe. Nicht zuletzt betrifft die Misere auch ihn selbst. «Als junger Familienvater könnte ich mir Schöneres vorstellen, als über die Weihnachtszeit einen neuen Job suchen zu müssen.»

Verärgert ist Jenning auch über die Art und Weise, wie der Konkurs seitens der Inhaberschaft kommuniziert worden ist. Wenige Tage zuvor habe er Michael Schenk konkret auf den Sachverhalt angesprochen. «Da war noch nicht die Rede von einem Konkurs.» Am 25. November am Abend, nach einem normalen Arbeitstag, wurden dann das Team und die Lieferanten via Whatsapp und Mail über die sofortige Schliessung informiert. Das zeigt ein Schriftverkehr, der zentralplus vorliegt.

Jenning ist enttäuscht von seinem ehemaligen Arbeitgeber. «Wir haben seither nichts mehr gehört, wir sind auf uns allein gestellt.» Den ausstehenden Lohn müssen sein Team und er nun eigenständig übers Konkursamt und die Arbeitslosenkasse beantragen. «So einen Tritt in den Hintern hat keiner verdient.»

Lieferverzögerungen und fehlende Kredite führten zum Aus

Auf die Art und Weise der Kommunikation angesprochen, sagt Michael Schenk, dass man sich nach vorgängigen Abklärungen zur Schliessung entschieden habe. «Wir haben dann im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen sofort die Partner und Mitarbeiter schriftlich informiert.»

«Wir haben das Vorhaben mit Eigenkapital finanziert und somit einen Totalverlust erlitten.»

Michael Schenk, Inhaber

Wie kommt es, dass ein brandneu eröffnetes Lokal bereits nach wenigen Wochen wieder schliessen muss? Schuld für die schnelle Schliessung seien unter anderem durch Lieferverzögerung verursachte Kosten gewesen, sagt Inhaber Michael Schenk. Das Lokal hätte schon einen Monat früher eröffnen sollen. Auch eine Anschlussfinanzierung für weitere drei bis vier Monate konnte nicht aufgetrieben werden. Nicht zuletzt mangelte es aber auch an Kundschaft.

Konkurs ist kein Novum für den Inhaber

Pro Tag habe das Geschäft einen Verlust zwischen 1400 und 1700 Franken eingefahren, so Schenk. «Dies konnten wir mehrere Wochen durchhalten.» Dann aber wurde der Verlust zu gross. Auch privat. Der Konkurs von «Sona – so natürlich» ist laut Michael Schenk auch ein persönlicher Verlust. «Wir haben das Vorhaben mit Eigenkapital finanziert und somit einen Totalverlust erlitten.»

Für Inhaber Michael Schenk ist «Sona – so natürlich» nicht der erste Konkurs. 2019 meldete er als Geschäftsführer einer Destillerie im deutschen Altenburg bereits Insolvenz an, wie die «Leipziger Volkszeitung» schrieb. Noch frühere Erfahrungen hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler in einem Buch niedergeschrieben. «Insolvenz – na und? Pleiten, Pech und neue Chancen» heisst das Werk. In der Buchbeschreibung, die auf der Website von Schenks Beratungsfirma Sebile AG mit Sitz in Kriens gelistet ist, steht: «In der allgemeinen Gesellschaft ist Scheitern und Misserfolg negativ angesehen. Doch genau dieses Scheitern und Misserfolg bringen uns jedoch weiter.»

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Thomas Jenning
  • Schriftlicher Austausch mit Michael Schenk
  • Website Sebile AG
  • Artikel in der «Leipziger Volkszeitung»
  • Bestellportal «Gastronovi»
  • Konkursanfragen beim Konkursamt Kriens und Bezirksgericht Kriens
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