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Das «Geisterhaus» an der Sternmattstrasse wurde plattgewalzt
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Das «Geisterhaus» vom Luzerner Sternmattquartier ist Geschichte. (Bild: ida)

Trotz des kuriosesten Testaments Luzerns Das «Geisterhaus» an der Sternmattstrasse wurde plattgewalzt

3 min Lesezeit 10.12.2018, 09:42 Uhr

Eigentlich hätte das Haus an der Sternmattstrasse 68, das durch die Stella-Matta-Besetzung bekannt wurde, für immer leer stehen sollen. Doch nun wurde es verkauft und abgerissen. Dies, obwohl die Liegenschaft laut Testament auf keinen Fall jemals wieder bewohnt werden darf.

Lange Zeit schlummerte das Haus an der Sternmattstrasse 68 verlassen vor sich hin. Sechs lange Jahre füllte keine Menschenseele das Haus. Erst als im Juni 2016 eine Gruppe namens Stella Matta das Haus besetzte, kehrte wieder Leben ein. Wenn auch nur für einige Tage (zentralplus berichtete). Es war von hohen Tannen, Gebüschen und einem Zaun umgeben – sodass neugierige Nachbarn vom Treiben der früheren Besitzer, die 2012 verstarben, nichts mitbekamen.

Weil das Haus jahrelang unbewohnt blieb, erlangte es traurige Berühmtheit – nun wird es sogar abgerissen. Lange Zeit zeugte der Briefkasten gegen aussen als einziger von den erloschenen Spuren, die das Areal einst mit Leben gefüllt hatten: «Dr. J. + M. Limmacher» stand darauf geschrieben.

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Die Urnen auf dem Areal sind weg

Was die wenigsten wussten: Die beiden Urnen der früheren Besitzer wurden auf dem Areal begraben. «Die Urnen fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe», sagt Architekt Christian Stofer. Er ist Geschäftsleiter der Firma Pollux, welche das Grundstück gekauft hat. Derzeit laufen die Abbrucharbeiten an der Sternmattstrasse 68. Vom Hauptgebäude ist nichts mehr zu sehen, die Dependance wird als nächstes folgen.

Anfang November hat man mit den Abrissarbeiten begonnen, bis Ende Jahr sollen sie abgeschlossen sein, wie Christian Stofer sagt. Man habe sich für den Abriss entschieden, da das Haus für künftige Nutzer heutzutage sehr unattraktiv sei: «Die bestehenden Bauten liessen eine Vermietung nicht zu», sagt Stofer. Das alte Wohnhaus, das in den 30er-Jahren gebaut wurde, sei sehr nutzungsspezifisch und auf die früheren Besitzer abgestimmt gewesen.

Die Dependance auf dem Areal soll bis Ende Dezember ebenfalls abgerissen werden.

Die Dependance auf dem Areal soll bis Ende Dezember ebenfalls abgerissen werden.

(Bild: ida)

Künftige Nutzung noch nicht bekannt

Wofür das Areal künftig genutzt wird beziehungsweise was darauf entsteht, ist derzeit noch offen. «Im Verlaufe des ersten Quartals des neuen Jahres werden wir darüber informieren können, was an der Sternmattstrasse Neues entstehen wird», so Stofer. «Ziel ist es, qualitativ hochwertigen Wohnraum im Park zu entwickeln.»

Er selbst kennt den letzten Willen der früheren Besitzer. Mit Nachbarn des Sternmattquartiers befände man sich in engem Kontakt. «Lange Zeit gab es auf dem Areal kein Leben und es war sehr ruhig», sagt Christian Stofer. Nur die Pflanzen seien gewuchert, die Tannen und Sträucher immer höher geworden. Die Reaktionen der Nachbarn auf die Aktivitäten auf dem Areal seien deshalb durchaus positiv, so Stofer: «Die Nachbarn sind daran interessiert, dass etwas Neues kommt.»

So sah es einst aus : Die Liegenschaft an der Sternmattstrasse 68 war von hohen Tannen, Gebüschen und einem Zaun umgeben.

So sah es einst aus : Die Liegenschaft an der Sternmattstrasse 68 war von hohen Tannen, Gebüschen und einem Zaun umgeben.

(Bild: ida)

Der kurioseste letzte Wille …

Das Haus an der Sternmattstrasse 68 ist von einer Geschichte geprägt wie wohl kaum ein anderes in der Stadt Luzern. Es gehörte Margot und Jost Limmacher. 1990 verfassten die beiden ein spiegelbildliches, gleich lautendes Testament. In diesem hielten sie fest, dass nach dem Tod des zweiten Ehegatten das gesamte Vermögen ihrer Stiftung «Margot und Jost Limmacher-Leo Stiftung» zugeführt werden muss.

2012 wurde Jost Limmacher tot in seinem Garten aufgefunden, seine Frau Margot folgte ihm nur wenige Tage danach. Folglich wurde das Vermögen der Limmachers wie gewünscht dieser Stiftung vermacht. 90 Prozent davon wurde dazu verwendet, dass «immer genügend Mittel zum sorgfältigen Unterhalt der Liegenschaften vorhanden sind». Denn der letzte Wille der Limmachers lautete: «Die Liegenschaft an der Sternmattstrasse 68 darf auf keinen Fall wieder bewohnt werden.»

Wohnverbot bis über den Tod hinaus – das führte zu viel Unverständnis und Kopfschütteln im Sternmattquartier (zentralplus berichtete). Im Februar dieses Jahres gab der Stiftungsrat bekannt, dass es ihm gelungen sei, den Zweck der Stiftung zu ändern. Dies, weil die Stiftung früher als erwartet in Liquiditätsschwierigkeiten geriet. Denn Hypotheken mussten zurückbezahlt werden, hohe Steuern fielen an. Aus diesem Grund durfte die Liegenschaft nun doch verkauft werden. Entgegen dem letzten Willen von Margot und Jost Limmacher.

Eine Aufnahme vom Juni diesen Jahres.

Eine Aufnahme vom Juni diesen Jahres.

(Bild: ida)

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