Von hier kommen die Ausländer

In Zug leben immer mehr Russen, dafür weniger Serbinnen

Nicht nur die Zahl der Ukrainerinnen im Kanton Zug hat in den letzten Jahren zugenommen. (Bild: Andreas Busslinger/AURA)

Ein Blick auf die Ausländerstatistik im Kanton Zug offenbart vieles. Wer kommt, wer geht, wer bleibt? Manchmal sind die Gründe dafür einfach zu finden, doch nicht immer. Ausserdem hinkt die Statistik der Realität hinterher.

132'545 Personen lebten Ende 2023 im Kanton Zug. Rund 30 Prozent davon waren Ausländer. zentralplus hat genauer hingeschaut, woher sie kommen und wie sich die Zahlen über die letzten Jahre entwickelt haben. Dabei gibt es einige interessante Erkenntnisse.

Zunächst zur Nation, welche den grössten Ausländeranteil ausmacht. Wenig überraschend ist das Deutschland. Die Zahl der Deutschen, die in Zug angemeldet ist, liegt seit einigen Jahren stabil bei ungefähr 6700 Personen.

Ihnen auf den Fersen sind die Einwohner eines anderen Nachbarlands: die Italiener. Die Zuwanderung aus dem südlich der Alpen gelegenen Land nimmt seit Jahren leicht zu und lag 2022 bei rund 3700. Das Vereinigte Königreich macht mit rund 2400 Personen den drittgrössten Anteil aus. Danach folgen Portugal, Frankreich und Spanien.

Deutlich mehr Russen liessen sich einbürgern

Sonderlich verändert haben sich die Zahlen dieser drei Nationen nicht. Viel interessanter sind die Entwicklungen bei anderen Staaten. Etwa die Anzahl der Russen in Zug, welche sich zwischen 2012 (500) und 2022 (967), also innerhalb zehn Jahren, beinahe verdoppelt hat. Diese Tendenz dürfte mit den vielen russischen und russlandnahen Firmen in Verbindung stehen, welche in Zug ihren Sitz haben. Denn schweizweit ist die Zahl der Russinnen in derselben Zeitspanne nur um rund einen Viertel angewachsen.

Ebenfalls bemerkenswert: Im Jahr 2022 liessen sich gemäss Fachstelle für Statistik im Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich mehr Russen einbürgern.

Im Jahr 2022, also im Jahr des Kriegsbeginns, lebten 224 Ukrainerinnen in Zug. Die Zahl ist seither dramatisch gestiegen. Gemäss dem Zuger Regierungsrat Andreas Hostettler lebten am Anfang des Jahres 2024 allein 870 Ukrainer mit Schutzstatus S im Kanton Zug. Bloss: Diese Entwicklung ist in der Statistik über die Nationalitäten in Zug nur bedingt erkennbar. 2020 waren es 22, im Jahr darauf 15, 2022 wiederum 47.

Schutzstatus S: Nur zum Teil «ständige Wohnbevölkerung»

«Für unsere Bevölkerungszahlen verwenden wir ausschliesslich die ständige Wohnbevölkerung», erklärt Johannes Besch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der hiesigen Fachstelle für Statistik. Ausländer müssen eine Anwesenheitsbewilligung oder sonstige Bewilligung für mindestens zwölf Monate haben, damit sie überhaupt in der Statistik auftauchen.

«Personen mit Schutzstatus S werden zunächst zur nichtständigen Wohnbevölkerung gerechnet und treten dann, sobald diese für mindestens zwölf Monate im Kanton Zug wohnhaft sind, in die ständige Wohnbevölkerung über», sagt Besch. «Für 2023 wissen wir beispielsweise, dass 706 Personen mit Schutzstatus S von der nichtständigen in die ständige Wohnbevölkerung übergetreten sind.»

Politische Konflikte sind in der Bevölkerungsentwicklung sichtbar

Ebenfalls zünftig zugenommen haben in den letzten Jahren die Zahlen der eritreischen, afghanischen sowie syrischen Staatsbürgerinnen. 2022 hatten 288 Afghanen ihren Wohnsitz in Zug, die Zahl dürfte bis heute aufgrund der Taliban, die das Land regieren, nochmals gestiegen sein.

Schweizweit gingen im Jahr 2023 fast 8000 Asylgesuche aus Afghanistan ein. 2019 waren es nicht einmal ein Viertel davon (1409). Doch auch die geflüchteten Afghaninnen finden in Zug erst Einzug in die Statistik der ständigen Wohnbevölkerung, wenn sie eine Bewilligung für mindestens zwölf Monate haben.

Sechsmal mehr Inder als vor 15 Jahren

Sehr deutlich sank in den vergangenen Jahren hingegen die Zahl der serbischen Staatsangehörigen im Kanton Zug. 2010 waren es noch über 2000, zwischenzeitlich hat sich die Zahl halbiert. Ob durch Ausreisen oder Einbürgerungen, bleibt offen. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei den Bosniern, auch wenn diese Zahl über die letzten zehn Jahre eher leicht rückläufig war. 2022 lebten 862 Bosnierinnen im Kanton, 2010 waren es 1032.

Ebenfalls rückläufig ist seit 15 Jahren die Zahl der Sri Lanker. Dies, obwohl Sri Lanka in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt. «Die Ernährungssicherheit und medizinische Versorgung der Bevölkerung sind gefährdet. Die Menschenrechtslage ist weiterhin besorgniserregend», schreibt die schweizerische Flüchtlingshilfe dazu. Dennoch zeichne sich bei der Zahl der Asylgesuche keine Zunahme ab.

Auffallend: Sowohl die Zahl der Griechen als auch jene der Inder in Zug hat in den letzten Jahren zugenommen. Heute leben mit 536 Personen fast sechsmal mehr Inder in Zug wie noch vor 15 Jahren.

Relativ gesehen wuchs die griechische Population in Zug noch deutlich stärker. Vor 15 Jahren lebten 48 Griechen im Kanton, 2022 waren es 533, also rund elfmal mehr. Dies, obwohl Griechenland heute, 14 Jahre nach der grossen Wirtschaftskrise, ein solides wirtschaftliches Wachstum vorweisen kann.

Umstrittene Praxis «Goldener Pässe»

In Zug stieg die Zahl der Malteser in den vergangenen Jahren stetig an. 2022 lebten 47 Staatsangehörige in Zug. Das klingt zwar nach wenig, doch es gilt zu bedenken, dass das Land nur rund 520'000 Einwohner zählt. Ähnlich markant stieg die Zahl der Zyprioten in Zug, jedenfalls bis zum Jahr 2020. Seither stagniert sie bei rund 75.

Der Hauptgrund dürfte beim Phänomen der «Goldenen Pässe» zu finden sein. Malta und Zypern sowie auch andere europäische Staaten kennen (respektive kannten) das «Citizenship by Investment»-Programm, mit dem Wohlhabende durch finanzielle Investitionen im jeweiligen Staat zu einer erleichterten Einbürgerung kommen. Als Beispiel: Von den 73 Zyprioten, die 2020 in Zug lebten, wurden 41 in Russland geboren (zentralplus berichtete).

Nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat die EU-Kommission diese umstrittene Praxis für widerrechtlich erklärt. Zypern hat das «Geschäftsmodell» aufgegeben, gegen Malta ging die EU-Kommission rechtlich vor.

Hinweis: In der ersten Fassung stand, 2022 lebten 224 Ukrainerinnen in der Schweiz. Gemeint war jedoch Zug.

Verwendete Quellen
  • «Zug in Zahlen»
  • Schriftlicher Austausch mit der Zuger Fachstelle für Statistik
  • Statistik über Nationalitäten in Zug und deren Entwicklung
  • Bundesweite Statistik zu Nationalitäten in der Schweiz
  • Artikel «Zuger Zeitung» über geflüchtete Ukrainer in Zug
  • Europäisches Parlament fordert Verbot «Goldener Pässe»
  • «Spiegel»-Artikel zu «Goldenen Pässen»
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