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Im Bisistal über Ruosalper Chulm und Balmer Grätli

Abenteuerliche Wanderung zu Zentralschweizer Dolomiten

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • 898 m
  • 898 m
  • 9,9 km
  • Dauer●●●●●●
  • Technik●●●●●●
Blick vom Weg hoch zum Geissberg, den es zu umrunden gilt. (Bild: hch)

Eine eindrückliche Wanderung führt im Bisistal vom Waldisee über die Ruosalper Chulm und das Balmer Grätli zurück zum Ausgangspunkt. Selbst im Juni erlebten wir hier alle Jahreszeiten, von ausgedehnten Schneefeldern bis zum Hochsommer. Landschaftlich erinnert das wilde Gebiet an die Dolomiten.

Ganz einfach zu erreichen ist das Wandergebiet nicht. Genau dies dürfte dazu führen, dass die Rundtour im wildromantischen Kessel des Bisistals nicht allzu häufig begangen wird. Und auch Familien ist sie durch ihren eher anspruchsvollen Charakter nicht zu empfehlen. Dafür wird man hier mit einer wilden und weitgehend naturbelassenen Umgebung entschädigt.

Die Anfahrt erfolgt über das Muotathal, vorbei an der Luftseilbahn Sahli-Glattalp. Von hier aus geht es eine Alpstrasse hoch bis kurz vor den Waldisee, einen Stausee auf einer Terrasse über dem Bisisthal. Wer schon eine gehörige Portion Hunger mitbringt, kann sich in der Waldi-Ranch bodenständig verpflegen – oder macht sich gleich auf den Weg. Dieser führt auf der Fahrstrasse zurück über den Ruosalper Bach in Richtung Unter Stafel, beim Bach bestehen weitere Parkplätze.

Eine halbe Stunde zum Vergessen

Die erste halbe Stunde geht es ziemlich demotivierend auf einer Fahrstrasse hoch; man fragt sich zu recht, ob diese Wanderung ihrem guten Ruf gerecht wird. Noch dazu, als wir zweimal von einer Gruppe Motorradfahrer passiert werden, die sich bei der Käserei Ruosalp eine Fahrbewilligung beschaffen.

Ein über die Strasse hüpfendes Murmeltier, das mit seiner mageren Statur in der frühen Jahreszeit eher an ein Wiesel erinnert, lässt Hoffnung aufkommen. Tatsächlich kommen wir bei der Ruosalp bald darauf an einem Wegweiser vorbei, der in Richtung Klausenpass zeigt. Wir bleiben aber noch 200 Meter auf der Strasse in Richtung Ruosalper Chulm, bevor wir links abbiegen. Der Weg führt nun auf einer Wiese den Berg hoch. Ein Wegweiser fehlt an dieser Stelle zwar, rot-weisse Markierungen am Boden und ein Durchgang im Elektrozaun zeigen dem aufmerksamen Wanderer aber die Richtung.

Übers Hochmoor zur Ruosalper Chulm

Der kaum begangene Bergweg geht oben in ein wunderschönes Hochmoor über. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie in diesem wilden Gebiet zwischen schroffen Felsen nachts ein einsamer Wolf seine Runden zieht – und den Unmut der Talbewohner auf sich zieht.

Umso überraschender kreuzen wir kurz danach wieder die Fahrstrasse. Dies sollte jedoch das letzte Mal sein, nun führt der Weg im Bogen weg zur 400 Meter höher gelegenen Ruosalper Chulm. Nach einem Schneefeld finden wir den Gratweg wieder und geniessen den Ausblick auf die Schächentaler Windgällen und den Ruosalpersee. Zum Baden ist es noch zu früh, selbst Mitte Juni ist das Seelein auf 2100 m über Meer noch von dicken Eisschollen bedeckt.

Es folgt der schönste Abschnitt dieser Wanderung. Rechts den Klausenpass mit den in den Wolken thronenden Clariden und Schärhorn im Blick, führt der schmale Pfad nun um den Fuss des Geissbergs. Vor allem dieser und das nahe Balmer Butzli brauchen den Vergleich mit kleineren Dolomiten-Gipfeln nicht zu scheuen, der Stäuben Wasserfall auf der gegenüber liegenden Talseite sorgt für ein beständiges Dröhnen und gibt selbst aus der Distanz ein beeindruckendes Schauspiel ab. Wir geniessen die Vegetation auf der Südseite der Berge, die bereits sommerlich und weit fortgeschritten ist.

Und plötzlich wird es eine Winterwanderung

Nach dem Gratweg geht es beim Balmer Grätli zurück in den Norden. Und dieser hält an diesem Tag eine unangenehme Überraschung bereit. Zwischen Rau Stöckli und Chli Glatten sind inzwischen dichte Nebelfelder aufgezogen, die jede Weitsicht verunmöglichen.

Hätten wir die umfassenden Schneefelder gesehen, die den Winter hier auf dem felsigen Untergrund überdauert haben, hätten wir wohl den Rückzug angetreten. So stapfen wir die nächsten 200 Höhenmeter in einer anderen Spur, die sich scheinbar zielsicher talwärts schlängelt – selbst auf Winterwanderungen fanden wir dieses Jahr andernorts häufig weniger Schnee.

Beim Munggenband finden unsere Sohlen dann wieder festen Boden, und bis zu diesem Abschnitt kam vor kurzem offenbar auch der Wanderwegmarkierer. In Abständen von maximal zehn Metern sind die Steine ab hier rotweiss markiert, da können wir auch im dichten Nebel nicht fehlgehen.

Es geht nun rasant talwärts, die noch nicht bewirtschaftete Alp Ober Stafel bietet sich an für eine Regenpause. Über die Alpweide führt der Weg nun zurück zur Fahrstrasse und mündet beim ersten Wegweiser ein. Auf der Alp lässt sich auch am späteren Nachmittag noch ein Stück schön gereifter Alpkäse aus dem Vorjahr erwerben, das uns das letzte Wegstück erleichtert.

Lohnenswerte Runde

Fazit: Eine eindrückliche und vielseitige Runde, die etwas in die Beine geht. Ist die erste halbe Stunde erst überstanden, führt der wenig begangene Weg durch wilde Landschaften und ein grossartiges Panorama. Mit einer Begehung sollte bis Juli gewartet werden.

Routendetails

Distanz: 9,9 km
Wanderzeit: 4:20 Stunden
Höhendifferenz: 898 Meter auf- und abwärts
Min./max. Höhe: 1407/2267 m ü. Meer
Route: Waldisee 1407 m ü. Meer – Gross Gade 1428 – Unter Stafel 1500 – Ruosalp 1590 – Ruosalper Chulm 2177 – Balmer Grätli 2218 – Ober Stafel 1747 – Unter Stafel 1916 – Waldisee.
Anreise: Mit dem PW auf einer steilen Kiesstrasse bis zum Waldisee. Vor und beim See sind verschiedene Parkplätze vorhanden, Vorsicht jedoch vor frei laufenden Kühen.
ÖV: Mit dem Postauto bis zur Talstation der Seilbahn Sahli-Glattalp. Von hier aus beträgt die Wanderzeit total 6:12 Stunden, es sind 1227 Höhenmeter zu bewältigen (Wegstrecke insgesamt 16,5 Kilometer).

Verwendete Quellen
  • Begehung der Wanderung
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Wo lässt es sich in der Zentralschweiz am schönsten wandern? Was gibt es auf welchen Wanderwege und Wanderrouten zu sehen? Wo lässt sich unterwegs gut Rast machen? Von längeren Spaziergängen, Wanderungen bis hin zu schwierigen Bergtouren – für Anfänger bis Wander-Experten – im Wander-Blog berichten natur- und wanderfreudige Blogger aus der...
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