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Rundwanderung ab Luthern Bad

Knackig auf den Napf – vorbei an aufgegebenen Beizen

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • 613 m
  • 613 m
  • 8,8 km
  • Dauer●●●●●●
  • Technik●●●●●●
Das Berghotel auf dem Gipfel des Napf war der höchste Punkt unserer Wanderung und zugleich das einzige geöffnete Restaurant. (Bild: hch)

Auch wenn ganz viele Wege auf den Napf führen: Vor dem Gipfel wird es immer steil. Das war auch bei unserer Rundtour nicht anders, dem Luzerner Klassiker von Luthern Bad aus via Trachselegg. Eines aber ist neu: dass unterwegs fast alle Beizen geschlossen sind.

Eines frage ich mich schon länger: Was fasziniert so viele am Napf, diesem eher unscheinbaren Hügel von gerade einmal 1408 Metern über Meer im Mittelland, der die Grenze zwischen Emmental und dem Luzerner Hinterland markiert?

Die unglaubliche Fernsicht auf die anderen Berge, heisst es häufig, oder die gute Erreichbarkeit aus allen Richtungen. Sagen und Geschichten der Region, der Umstand, dass keine Bahn hochfährt, schöne Bergbeizen oder das Gold, das sich hier abgelagert hat: Das klingt nach vielen guten Gründen. So viele, dass wir das erste schöne Frühlingswochenende für die dritte Besteigung dieses Sehnsuchtsortes nutzen.

Die Qual der Tourenwahl

Als Rundwanderung ab Luzern kommen primär drei Routen in Frage: Die längere ab Holzwäge bei Romoos, die Sprinter-Tour ab Wiggernhütte sowie eine etwa dreieinhalb Stunden dauernde Runde ab Luthern Bad. Wir entscheiden uns für die goldene Mitte. Nach dem Start im Luzerner Wallfahrtsort geht es für uns der Luther entlang, bereits nach 50 Metern verlassen wir die asphaltierte Strasse auf einen Naturpfad.

Wo Wanderungen dorfauswärts häufig von Motorenlärm begleitet werden, ist hier neben dem Plätschern des gezähmten Baches nur stetiges Krähen von Hähnen zu hören. Offenbar spüren die Güggel ebenso den Frühling wie die vielen Weidenstuden, die im Sonnenlicht ihre Kätzchen ausstossen.

Nach einer Bachquerung bei Mittler-Ei geht es steil den Wald hoch, wo Forstmaschinen für aufgerissene Wege sorgten. Bis zur Trachselegg sind glücklicherweise nur noch etwa 100 Höhenmeter zu bewältigen; eine Kühltruhe auf der noch unbewohnten Alp hält für durstige Wanderer eine Getränkeauswahl bereit.

Creux du Van? Nein, die Napfflue

Im weiteren Aufstieg kann man kaum die Augen von den rechts und links liegenden Hängen nehmen. Die canyonartige Anordnung der schroffen Felsabbrüche der Napfflue und des Hengstes erinnern entfernt an den Creux du Van. Je weiter wir aufsteigen, umso zahlreicher werden die Wandervögel. Spätestens beim Passieren des Abzweigers zur Wiggernhütte kommen auch immer mehr Familien hinzu. Wie wir am Sprachengemisch aus Französisch, Englisch und Hochdeutsch hören, hat es der Napf zu nationaler Beliebtheit gebracht.

Während der Woche dürften die Luzerner hier oben jedoch unter sich bleiben. So soll es nicht wenige geben, die nach Feierabend eine kurze Tour auf ihren Hausberg machen. Rekordhalter ist vermutlich der Willisauer Chronist Peter Helfenstein, der es in einem Jahr auf 367 Besteigungen gebracht haben will.

Ihn meinte Walter Bärtschi, einer der früheren Beizer auf der Stächel­egg, jedoch nicht, als er die Unterschiede zwischen Bernern und Luzernern erklärte. «Die Luzerner sind Festhütten, sie lassen es gerne krachen», stellte er vor einigen Jahren fest. Und ja: Sie tränken den Kaffee gern so stark mit Schnaps verdünnt, «dass sie durch das Glas hindurch fast Zeitung lesen könnten», ergänzte sein Partner Christian Hirschi im Jahr 2016 gegenüber der «Berner Zeitung».

Ungewisse Zukunft der Stächelegg

Davon können wir uns an diesem Wochenende leider kein eigenes Bild machen. Denn während man hier oben einst die Qual der Wahl an Einkehrmöglichkeiten hatte, ist auf unserer Tour nur noch eine der ursprünglich fünf Beizen bedient. Besonders die ungewisse Zukunft der Stächelegg beschäftigt viele. Deren langjähriger Pächter Christian Hirschi verstarb im August 2023 auf der Heimreise am Flughafen von Gambia. Seit Herbst ist die Beiz geschlossen und unklar, was der neue Besitzer damit vorhat. Denn Bertschi, der die Stächelegg vor seiner Afrikareise selbst von der Mehrheitsaktionärin der «Berner Zeitung» erwarb, gab den Betrieb bereits wenige Tage darauf weiter.

Umso voller war es bei unserem Besuch dafür nebenan im Berghotel Napf. Angesichts der erwarteten Menschenmassen stehen rund um das Gebäude mehr als 25 Festbank-Garnituren verteilt. Fast ebenso viele Wanderer versammeln sich auf der Wiese des Bergrückens, sei es zum Picknick oder zum Bräteln an einer der verschiedenen Feuerstellen. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, ist hier falsch. Zumindest am Wochenende.

Saharastaub statt Fernsicht

Da einem der Saharastaub an diesem Tag die vielgerühmte Aussicht über die Schweizer Bergwelt verdirbt, machen wir uns schon bald auf den Abstieg. Dazu bleiben wir noch etwas auf der Berner Seite des Berges – die höchste Erhebung im Mittelland bildet zugleich die Grenze zwischen den einst spinnefeinden Katholiken auf der Luzerner und den Protestanten auf der anderen Seite.

Gleich hinter dem Berghotel geht es in Richtung Niederänzi auch schon wieder zurück in den Wald. Man passiert hier einen sehr schönen Abschnitt mit hochstämmigen Rottannen. Über unzählige Wurzeln führt der breite und wie auch schon auf der Aufstiegsseite gut ausgebaute Weg talwärts. Die wenigen exponierteren Stellen hat man mit Ketten gesichert, Schilder weisen auf mögliche Gefahren hin.

Die gelb markierte Wanderung ist streckenweise etwas rutschig, bleibt aber auch mit Turnschuhen gut machbar. Auch das Restaurant Niederänzi, unser nächster Wegpunkt, ist inzwischen geschlossen. Von hier geht es zurück über der Kantonsgrenze wieder steiler bergab, zu einer weiteren, seit 2021 nicht mehr existierenden Beiz: Ober Badegg.

Zurück im «Einsiedeln des kleinen Mannes»

Das letzte Teilstück führt über Hartbelag zurück zum Ausgangspunkt. In der Hoffnung auf einen mystischen Moment lassen wir uns aber einen Abstecher nicht nehmen. Immerhin gilt Luthern Bad als meistbesuchter Wallfahrtsort Luzerns.

Laut einer Informationstafel soll man den Ort auch «Einsiedeln des kleinen Mannes» bezeichnen, nachdem dem Bauer Jakob Minder in der Nacht auf Pfingsten 1581 im Traum das Gnadenbildes der Muttergottes von Einsiedeln erschien. Er tat wie geheissen und fand eine Quelle, die ihn von seiner Gicht heilte. Heute gibt es zwar andere Mittel gegen die Krankheit. Die Quelle sprudelt aber weiter und Pilger waschen sich im modernen Badhaus gerne Arme und Füsse im derzeit sechs Grad kalten Wasser oder besuchen die Kapelle.

Fazit: Eine beliebte und eher steile, aber nicht allzu lange Wanderung mit wenig Hartbelag. Der Untergrund kann rutschig sein und führt immer wieder über Wurzelstöcke. EInkehrmöglichkeit beim Ausgangspunkt und auf dem Gipfel.

Routendetails

Distanz: 8,8 km
Wanderzeit: 3:20 Stunden
Höhendifferenz: 613 Meter auf- und abwärts
Min./max. Höhe: 874/1404 m ü. Meer
Route: Luthern Bad 875 m ü. Meer – Mittler Ey 946 – Trachselegg 1154 – Napf 1408 – Grüebli 1277 – Nideränzi 1233 Ober Badegg 996 – Luthern Bad.
Anreise: Ab Luzern mit dem RE7 in Richtung Langenthal. In Zell umsteigen auf Bus 282 bis Luthern Bad, Gasthaus Hirschen/Dreilindenplatz. Mit dem PW bis Luthern Bad, kostenlose Parkplätze an den Wochenenden auf dem Schulhausplatz.

Verwendete Quellen
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Wo lässt es sich in der Zentralschweiz am schönsten wandern? Was gibt es auf welchen Wanderwege und Wanderrouten zu sehen? Wo lässt sich unterwegs gut Rast machen? Von längeren Spaziergängen, Wanderungen bis hin zu schwierigen Bergtouren – für Anfänger bis Wander-Experten – im Wander-Blog berichten natur- und wanderfreudige Blogger aus der...
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