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Rundwanderung der Superlativen im Bödmerenwald
Wandern im Zentralschweizer Urwald

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 3
  • 480 m
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  • 10km
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Eindrücklicher Ausblick auf Druesberg, Höch Hund und Mieserenstock.
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Eindrücklicher Ausblick auf Druesberg, Höch Hund und Mieserenstock. (Bild: hch)

Ein Urwald, erreichbar in weniger als einer Stunde Fahrzeit: Auf einem Felsplatteau über dem Muotatal findet sich mit dem Bödmerenwald nicht nur der einzige Urwald der Zentralschweiz, sondern auch der grösste Westeuropas. Doch nicht nur Freunde von Flora und Fauna kommen bei der gut dreistündigen Rundwanderung auf ihre Kosten. Die familientaugliche Wanderung ist eine der vielfältigsten in unserer Region.

In der Schweiz existieren noch drei Flecken mit etwas Urwald: Derborence im Wallis, Scatlè bei Breil GR und der Bödmerenwald unterhalb des Pragelpasses SZ. Mit einer Fläche von 450 bis 550 Hektaren ist der Zentralschweizer Urwald nicht nur um ein Vielfaches grösser als seine Brüder, sondern gilt gar als der grösste Fichtenurwald Westeuropas. 300 Pflanzen- und mehr als 250 Moosarten sollen hier vorkommen, zeigte eine Studie.

Eines haben alle drei Gebiete gemein: Sie haben die früheren Zeiten intensiver Waldnutzung nur deshalb überstanden, weil sie so schwer erreichbar waren. Das hat sich beim Bödmerenwald bis heute nicht geändert, zumindest wenn man die Wanderung mit dem öffentlichen Verkehr plant. Hier bleibt nur ein Ruftaxi ab Muotathal oder die grosse Variante mit über 1000 Höhenmetern (siehe Route am Ende).

Gut frequentierter Parkplatz

Wir entscheiden uns stattdessen für den Klassiker, eine gut dreistündige Rundwanderung. Die beim Ausgangspunkt Eigeliswald zu hörenden Sprachen und Dialekte weisen auf die Bekanntheit des Waldstückes hin. Die meisten Wanderer biegen jedoch schon kurz nach dem Start in Richtung Roggenstöckli ab, während wir uns das attraktive letzte Waldstück als Dessert aufsparen und die Route im Gegenuhrzeigersinn angehen. Verloren gehen wir auch so nicht, die Wanderwegzeichen sind gefühlt alle paar Meter auf jeden auch nur halbwegs geeignet erscheinenden Stein gepinselt.

Bis Obersaum bleiben wir so auf einem weniger attraktiven Kiesweg mit umso schönerem Ausblick. Immer wieder lässt sich durch lichtere Waldstücke das tief unterhalb gelegene Bisisthal erblicken, hinter uns reicht der Blick bis zum Stoos, vor uns zeigen sich in Richtung Hoch-Ybrig der Drusberg.

Nach einer kurzen Rast offenbart die Tour, was sie zu einer der wohl attraktivsten Wanderungen der Zentralschweiz macht: einsame, nur selten von Bikern begangene Wege, eine beeindruckende Flora sowie eine imposante Bergwelt. Als wir die Alp hinter uns lassen, führt der Weg einem Bach entlang, an dem knorrige und bizarr geformte Bergföhren wachsen. Immer wieder hört man zwischen den bis zu 500 Jahre alten Bäumen aufgeschreckte Birkhühner, den Weg säumen die in diesem Frühjahr schon fast obligaten Enziane und Wildkrokusse.

Schüttstein der Nation

Auffällig oft blicken Personen in kleine, rot gefärbte Biotope. In diesen «Flösch» genannten Moorgebieten bleibt das Wasser das ganze Jahr liegen. Der Schwyzer Urwald zählt zu den niederschlagsreichsten Gegenden der Schweiz, so dass hier ein ozeanisches Klima herrscht. Selbst im Juli kann noch Schnee fallen, der in Mulden fast das ganze Jahr liegen bleibt. Auch wir werden an diesem Tag das eine oder andere Schneefeld zu überqueren haben.

Erst geht es jedoch auf Karstwegen und entlang eines schönen Waldstücks weiter ansteigend in Richtung Roggenstöckli. Schwer vorstellbar, dass sich unter uns das 204 Kilometer lange Höllloch befinden soll.

Wer nun etwas Durst mitbringt, kann den etwas längeren Weg rund ums Roggenstöckli nehmen und im Unterroggenloch einkehren. Im Pavillon lässt sich hier auch einiges über den Bödmerenwald erfahren. Ansonsten meidet man die Kiesstrasse und nimmt den direkten Bergweg absteigend nach Stägen durch ein sehr schönes Waldstück.

Murmeltier zum Abschied

Der Weg zurück zieht sich nun. Über Waldwege und Wiesen geht es leicht ansteigend zurück. Wer Glück hat, erblickt bei der Gschwändhütte noch das eine oder andere Murmeltier, die so früh im Jahr schon erstaunlich gut genährt unterwegs sind. Ganz ohne Pfeifen spielt es auf dem Stein toten Mann und erfreut sich an der wärmenden Abendsonne.

Wegpunkte: Parkplatz Eigeliswald (1374 Meter über Meer) – Obergschwend (1416) – Obersaum (1509) – Äbnenmatt (1601) – Flöscheggen (1678) – Wolfsbüel (1633) – Stägen (1502) – Mittenwald (1430) – Eigeliswald.
Höhenmeter:  Auf- und abwärts je 480 Meter
Länge: 10 Kilometer
Zeitbedarf: 3¼ Stunden
Technik: Bergwanderweg T2, mittel
Anfahrt: Autobahnausfahrt Lauerz/Ibach und via Muotathal in Richtung Pragelpass nach Mittenwald. Parkieren in Mittenwald oder Roggenloch.
Mit dem ÖV geht es bis Muotathal und von dort mit Rufbus weiter (Tel. 041 830 11 81). Preise von 75 bis 90 Franken bis 6 Personen, respektive 15 Franken pro Person bei grösseren Gruppen.

Alternativ kann man vom Höllloch bei Stalden aufsteigen (660 m ü. M.), dann sind es gut 1000 Höhenmeter und 6,5 Stunden Wanderzeit.

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3 Kommentare
  1. bruno, 28.09.2021, 20:50 Uhr

    Schade gibt es kein Alpentaxi mehr in dieses Gebiet. Mit dem ÖV wird die Wanderung sehr lang (über 6 Stunden).

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  2. Andrea Stahl, 28.05.2020, 23:34 Uhr

    Wusste gar nicht, dass es in der Zentralschweiz so einen grossen Urwald gibt. Danke für den spannenden Bericht.

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  3. San12, 23.05.2020, 13:45 Uhr

    Wunderschön! Das steht auf unserem nächsten Plan. Vorerst haben wir im September eine Ferienwohnung in Zermatt gemietet und möchten da Wanderungen vornehmen. 🙂

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