Beruf & Bildung

40 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr
Warum immer mehr junge Luzerner psychische Probleme haben

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 4
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Wie Christof Spöring von der Dienststelle Beruf- und Weiterbildung sagt, hat die Schulberatung alle Hände voll zu tun. (Bild: Unsplash/@cferdo/zvg)

Der Luzerner Jugend geht es schlecht. Neben Leistungsschwierigkeiten leiden immer mehr an Depressionen und Angstzuständen, die teilweise auch eine psychiatrische Behandlung bedingen. Innert eines Jahres nahm die Anzahl Fälle der Luzerner Schul- und um 40 Prozent zu.

«The kids aren’t alright». Der Song der Band «The Offspring» scheint gerade in den letzten zwei Jahren zunehmend an Relevanz zu gewinnen. Abnehmender Sozialkontakt, weniger Freizeitmöglichkeiten: Die Corona-Pandemie hat den meisten irgendwie aufs Gemüt geschlagen. Auch wenn die Massnahmen inzwischen passé sind, kommen immer mehr Krisen hervor (zentralplus berichtete).

Jugendliche suchen vermehrt Beratungsangebote auf

Besonders hart hat es die Jugendlichen getroffen. Jugendberatungsangebote wie das Sorgentelefon von Pro Juventute haben einen Anstieg von bis zu 70 Prozent verzeichnet (zentralplus berichtete). Doch nicht nur sie. Das Luzerner Beratungs- und Informationszentrum für Bildung und Beruf – BIZ verzeichnet für das Jahr 2021 rund 40 Prozent mehr Fälle im Bereich «Begleitende Angebote».

Wie Christof Spöring, Leiter Dienststelle Berufs- und Weiterbildung auf Anfrage erklärt, blieben die Zahlen für die einigermassen stabil. Da jedoch die Berufswelt komplexer geworden ist, nehmen auch mehr die Unterstützung in Anspruch. Die weiteren Unterstützungsangebote wie die Schulberatung seien jedoch mehr gefordert. «Dort haben wir deutlich mehr Beratungen.»

Psychische Belastungen der Jungen nimmt zu

Grund dafür sei, dass die psychische Belastung der Jugendlichen zunehme. «Wir haben in unseren Beratungen mehr Jugendliche mit Depressionen und Angstzuständen, die teilweise auch eine psychiatrische Behandlung bräuchten.»  Einige kämpfen etwa mit Leistungsdruck. Dafür gibt es jetzt an allen Luzerner Berufsfachschulen das Angebot HelpPoint. Dieses niederschwellige Angebot beite beispielsweise Nachhilfe oder Stützkurse an. Einige leiden jedoch auch an psychosozialen Themen. Hierfür werde die Schulberatung hinzugezogen.

So zum Beispiel familiäre Schwierigkeiten wie eine Trennung der Eltern. Oder Mobbing von den Schul- oder Berufsschulkollegen. Oftmals hätten sie auch Fälle, in denen der Jugendliche gleich mit mehreren Schwierigkeiten gleichzeitig zu kämpfen hat. «Die Fälle werden komplexer», so Spöring.

Die Anzahl Beratungen bei der Laufbahn- und Schulberatung haben zugenommen.
Die Anzahl Beratungen bei der Laufbahn- und Schulberatung haben zugenommen.

Ihre spezialisierten Psychologinnen versuchen in solchen Fällen zuerst herauszufinden, wer alles involviert ist – Familie, Lehrbetrieb, Schule oder das private Umfeld. Danach versuchen sie mit Interventionen oder anderen Massnahmen die Jugendlichen bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Auch versuchen sie, die Resilienz der betroffenen Jugendlichen zu stärken, damit sie lernen, besser mit solchen Schwierigkeiten umzugehen.

Doch auch die Beraterinnen können an ihre Grenzen stossen. «Bei psychischen Krankheitsbildern sind klinische Experten gefordert. Dann schalten wir die Jugendpsychiatrie ein.» Was jedoch schwer werden könnte, denn gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie herrscht akuter Fachkräftemangel (zentralplus berichtete).

Zugang zu Beratungen erleichtert

Die Zunahme habe aber nicht nur mit dem schlechteren mentalen Zustand von Luzerner Jugendlichen zu tun, beschwichtigt Spöring. Das BIZ biete inzwischen auch mehr Angebote an, wie beispielsweise einen Bewerbungs-Check. Auch können einige Dienste nun auch online genutzt werden, was gut anzukommen scheint. «Dass die Jugendlichen vermehrt Unterstützungsangebote des BIZ nutzen, ist ja auch ein positives Zeichen», so Spöring.

Trotzdem analysiert eine Fachstelle derzeit den Anstieg an Beratungen. Diese soll feststellen, ob Bedarf an weiteren spezifischen Angeboten besteht.

Das macht das BIZ

Das BIZ ist die primäre Anlaufstelle für Fragen rund um den Beruf. So zum Beispiel, welcher Beruf oder welches Studium zu einem passen. Oder auch wie junge Erwachsene sich beruflich neu orientieren könnten. Zudem bietet das BIZ auch eine kostenlose Schulberatung und ein Case Management an, bei der sie Jugendlichen bei Leistungsschwierigkeiten oder Problemen in der Schule oder im Lehrbetrieb weiterhelfen.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung Dienststelle Berufs- und Weiterbildung
  • Telefonat mit Christof Spöring, Leiter Dienststelle Berufs- und Weiterbildung
Weitere Quellen
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4 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 13.05.2022, 13:12 Uhr

    Die Fälle werden komplexer? Kaum. Die Beschreibungen werden komplexer, damit die wachsende Schar der Therapeuten ihre Sprechstunde voll kriegt.

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  2. Dolfino, 13.05.2022, 08:55 Uhr

    Warum wohl. Fragt die Eltern dieser Jugend. Sie räumen den Kindern alle Steine aus dem Weg. Und das schlimmste ist, dass die Jugendlichen nicht lernen Verantwortung zu übernehmen. Dadurch sind sie bei der geringsten Druck schon überfordert. Einfach nicht mehr belastbar.

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  3. Paul, 12.05.2022, 21:28 Uhr

    Fussgänger? Für den Gehweg!

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  4. Roli Greter, 12.05.2022, 20:12 Uhr

    Ja warum denn bloss…

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