Politik

Luzern will Psychiatrie aufstocken
SP-Kantonsrätin: «Die psychiatrische Notlage war absehbar»

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 2
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Die SP-Kantonsrätin Pia Engler vermisst bei der Luzerner Strategie zur psychiatrischen Versorgung die Zusammenarbeit mit anderen Angeboten. (Bild: zvg)

Luzernerinnen, insbesondere Junge, müssen lange auf eine ambulante Behandlung in der Luzerner Psychiatrie (Lups) warten. SP-Kantonsrätin Pia Engler fordert von der Luzerner Regierung einen weiteren Stellenausbau, um dem entgegenzuwirken. Die Regierung hat ein Einsehen.

Stell dir vor, du brauchst dringend Hilfe und musst bis zu sechs Monate darauf warten. Mit dieser Situation werden seit der Corona-Krise Luzerner konfrontiert, die auf psychiatrische Hilfe angewiesen sind. In einem Postulat hat Grünen-Kantonsrat Hannes Koch kürzlich Massnahmen zur Besserung gefordert (zentralplus berichtete). Im Rahmen dessen hat die Luzerner Regierung dem Lups Geld für fünf neue psychiatrische Stellen im Jahr 2021 zugesichert.

Der SP-Kantonsrätin Pia Engler und Mitunterzeichnerin geht der Schritt jedoch nicht weit genug. Seit der Corona-Krise werden «gesamtschweizerisch sechsmal mehr schwere Depressionen diagnostiziert», wie Engler in ihrem Postulat schreibt. Ein weiterer sofortiger Ausbau an Stellen werde «unumgänglich».

Regierung plant 49 weitere Stellen

Anscheinend hat der Luzerner Regierungsrat die Dringlichkeit von Englers Anliegen erkannt: In einer Mitteilung beantragt die Regierung das Postulat als «erheblich» zu erklären. Bereits vor der Corona-Pandemie sei die Lage beim Lups angespannt gewesen. Diese hat sich nun durch die Krise verschärft, pflichtet die Regierung Engler bei. «Der Kanton Luzern verfügt über eine im schweizerischen Vergleich unterdurchschnittliche Versorgung mit niedergelassenen Psychiaterinnen», so die Regierung weiter.

Hingegen werde der Bedarf an psychiatrischen Leistungen in den nächsten Jahren weiter zunehmen, prognostiziert der Luzerner Regierungsrat. Um die ambulante psychiatrische Versorgung künftig sicherstellen zu können, setzt Luzern in seinem kürzlich erschienenen Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern den Fokus auf den Abbau der Wartezeiten.

«Jahrelang hat der Kanton immer gespart und nun zu spät reagiert.»

Pia Engler, Kantonsrätin (SP)

Als konkrete Massnahme will die Luzerner Regierung in den nächsten drei Jahren 32 zusätzliche therapeutische Stellen schaffen, die vom Kanton mitfinanziert werden. Weiter will der Regierungsrat die psychiatrische Notlage für Jugendliche verbessern. Damit steht Luzern nicht alleine da – schweizweit gibt es einen Fachkräftemangel für Kinder- und Jugendpsychologen, so auch in Zug (zentralplus berichtete).

Deshalb plant der Regierungsrat 17 zusätzliche Lups-Stellen für «Fachsprechstunden der Kinder- und Jugendpsychiatrie». Die Finanzierung der Massnahmen soll über die Abgeltung von gemeinwirtschaftlichen Leistungen gesichert werden. Das letzte Wort zur Finanzierung hätte jedoch der Kantonsrat.

Fachkräftemangel sorgt für Zweifel

Zwar freue sich Pia Engler darüber, dass die Regierung das Postulat als erheblich erklären lassen will, wie sie auf Anfrage von zentralplus sagt. Es reiche jedoch nicht: «Die Umsetzung des Psychiatrie-Planungsberichts braucht viel Zeit. Ich hätte mir da gewünscht, dass es noch schneller geht mit der Schaffung von den dringend notwendigen Stellen.»

Für die im Sozialbereich arbeitende Engler kommen die Massnahmen angesichts der psychiatrischen Unterversorgung recht spät: «Die momentane psychiatrische Notlage war absehbar. Jahrelang hat der Kanton immer gespart und nun zu spät reagiert.»

«Ich bin nicht optimistisch, dass die Luzerner Regierung die geplanten Stellen auch besetzen kann.»

Zu den rund 50 geplanten Stellen zwischen 2022 und 2025 meint die SP-Kantonsrätin: «Ich bin nicht optimistisch, dass die Luzerner Regierung die geplanten Stellen auch besetzen kann.» Schon die fünf versprochenen Stellen für 2021 seien ihres Wissens nicht voll besetzt. Auch der Fachkräftemangel sei durch die 17 Fachberatungsstellen nicht gelöst: «Es braucht eine konkrete Strategie, um den Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie anzugehen», so Engler.

Mehr Zusammenarbeit mit bestehenden Angeboten

So schlägt die diplomierte Sozialarbeiterin eine bessere Zusammenarbeit und Vernetzung mit ergänzenden Angeboten vor: «Gerade bei Kindern und Jugendlichen fängt die Arbeit beispielsweise schon in der Schule und bei den Schulsozialarbeitern an.»

Um eine wirksame Versorgung zu gewährleisten, soll sich die Regierung zudem einen besseren Überblick verschaffen: «Die Luzerner Regierung muss sich stärker mit den niedergelassenen Psychiaterinnen vernetzen und abklären: Was decken wir ab? Was decken sie ab?» So könnten gemäss Engler bestehende Synergien effektiv genutzt werden.

Insgesamt erhofft sich Pia Engler, dass diese psychiatrische Notlage als Lehrstück dient und die Luzerner Regierung die Situation nun langfristig verbessern will. Kurzfristig wären jedoch rasche Massnahmen nötig, denn auf vielen Familien und Jugendlichen laste derzeit ein spürbarer Druck.

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2 Kommentare
  1. Kurt Muster, 03.11.2021, 12:28 Uhr

    Eine Kapazitätserhöhung mit heutigen Teilzeitpsychologen und migrationswilligen Psychiatern bringt keinen Nutzen sowohl beim Therapeuten wie auch Patienten vergleichbare gesellschaftliche Probleme zu Grunde liegen. Zielführender wäre dafür zu sorgen, dass der Berufsstand wieder motiviertes und adäquates Fachpersonal zur Verfügung steht wie dies früher der Fall war.

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  2. Thera, 03.11.2021, 07:58 Uhr

    Absolut richtig, , Pia Engler trifft damit ein grosses gesellschaftliches Problem. Verschiedene Player im Gesundheitswesen haben jahrelang gegen eine bessere Anerkennung der nichtärztlichen Psychotherapeutinnen, Therapeuten gekämpft. Nun hat es zu wenige, die diesen anspruchsvollen Beruf ausüben.

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