Wohnen & Bauen

Zuger Pensionskasse weist Vorwürfe zurück
Nach Kündigung von 30 Wohnungen: Mieter erhalten Rabatt

  • Lesezeit: 5 min
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Die Pensionskasse saniert ihren Wohnblock an der St. Johannesstrasse 23 in Zug. (Bild: zvg)

Nicht Rendite, sondern eine zwingend nötige Sanierung sei der Grund für die Kündigungen an der St.-Johannes-Strasse, kontert die Pensionskasse der . Sie verspricht: Die Preise würden moderat bleiben. Der bleibt skeptisch.

Die Pensionskasse der hat den 30 Mietparteien im Hochhaus an der St.-Johannes-Strasse 23 im Hertiquartier gekündigt. Sie müssen ihr Zuhause Ende März 2023 verlassen. Das hat den Zuger auf den Plan gerufen – er kritisiert das Vorgehen harsch (zentralplus berichtete).

Jetzt äussert sich die Pensionskasse zur Sache. Sie sei konsterniert über die Vorwürfe des Mieterverbandes. «Der Mieterinnen- und Mieterverband Kanton Zug kennt das Sanierungsvorhaben nicht und ist nicht in der Lage, es zu beurteilen», schreibt die Pensionskasse am Samstag in einer Mitteilung. Die Eigentümerin habe das Sanierungsvorhaben sorgfältig geprüft und gestalte es so sozialverträglich wie möglich.

Wieso die Sanierung gemäss Eigentümerin nötig ist

Die Pensionskasse betont, dass die Mieter gefasst reagiert hätten. Die Kündigungen seien aber unumgänglich. Sie beruft sich auf eine Analyse des Gebäudes aus dem Jahr 2020. Damals habe die Pensionskasse verschiedene Varianten der Sanierung geprüft. Zwingenden Handlungsbedarf gebe es beispielsweise betreffend der Statik, wo geltende Normen – im Bereich Erdbeben und Windlast – nicht eingehalten werden könnten.

«Den Vorwurf, wir würden das Gebäude aufgrund von Renditeüberlegungen sanieren, weisen wir klar zurück», sagt Martin Kümmerli, Leiter der Liegenschaftskommission der Pensionskasse. «Das Haus ist 55-jährig und hat gewisse Defizite, die wir nicht einfach so reparieren können.»

«Manche Mieter haben schlaflose Nächte, aus Angst, ihr Zuhause zu verlieren.»

Urs Bertschi, Mieterverband

Auch ein etappenweises Vorgehen ist laut Pensionskasse nicht möglich. «Da das Gebäude die Trennung von Wohnnutzung und Bauarbeiten nicht zulässt, wäre die Sanierung nicht nur mit unzumutbaren Beeinträchtigungen und Belastungen für die Mieterschaft verbunden, sondern vor allem mit erheblichen Sicherheitsrisiken», heisst es in der Mitteilung.

Das 1968 erbaute Hochhaus ist laut Pensionskasse mehrheitlich noch im Originalzustand und in Teilbereichen stark sanierungsbedürftig. Sämtliche Hausinstallationen wie Wasser-, Abwasser- und Lüftungsleitungen müssten geschossübergreifend komplett ersetzt werden, ebenso die Bodenbeläge. Auch beim Brandschutz, bei den Fluchtwegen und der Lüftung stehen demnach Arbeiten an. «Da auch die Elektrik sowie Küchen und Bäder in den meisten stark veraltet sind, werden sie im Zuge der Sanierungsmassnahmen erneuert.» Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen für die Sanierung laut Kümmerli rund 6,8 Millionen Franken.

Mieter können zurück – mit Rabatt

Der Zuger Mieterverband bleibt skeptisch, was den Umfang der Sanierung angeht. «Das ist kein verlotterter alter Block, sondern ein Haus in einem guten Zustand», sagt Co-Präsident Urs Bertschi. Auch die Argumente, wieso das Haus nicht etappenweise saniert werden könne, beäugt er kritisch. «Mir ist aus der Stadt Zug kein vergleichbarer Fall bekannt, in der ein Eigentümer gleich dem ganzen Block kündigt.» Für viele Mieter sei das eine schwierige Situation. «Manche haben schlaflose Nächte, aus Angst, ihr Zuhause zu verlieren.»

Die Pensionskasse betont derweil, dass es ihr ein grosses Anliegen sei, die Mieter zu unterstützen. Nach persönlichen Gesprächen wolle rund die Hälfte der Betroffenen davon Gebrauch machen. Sie erhalten beispielsweise den Vorrang bei freien Wohnungen im Portfolio der Pensionskasse Stadt Zug und der Verwalterin Regimo Zug AG. Ebenso werde den Mietern eine einseitige Kündigungsfrist von einem Monat eingeräumt, damit sie rasch und flexibel einen neuen Mietvertrag unterzeichnen könnten.

«Die Mieten werden deutlich unter den Marktpreisen liegen.»

Martin Kümmerli, Pensionskasse Stadt Zug

Die Pensionskasse Stadt Zug garantiert den Betroffenen zudem, dass sie nach der neunmonatigen Sanierung wieder an der St.-Johannes-Strasse einziehen können – zu vergünstigten Konditionen. Gemäss Martin Kümmerli beträgt dieser Rabatt 400 Franken.

Preisaufschläge sind noch nicht bekannt

«Die Mehrheit der Mieterschaft schätzt das Angebot, nach der Sanierung wieder in die Liegenschaft einziehen zu können, auch wenn die Mieten höher ausfallen werden als heute», schreibt die Pensionskasse. Die genauen Mietpreise nach der Sanierung konnte Kümmerli am Samstag auf Nachfrage nicht im Detail beziffern. Diese seien je nach Etage und Grösse unterschiedlich.

Er erwähnt als Beispiel die 4,5-Zimmerwohnung im 15. Obergeschoss, die für die bisherigen Mieter nach der Sanierung 2300 Franken kosten werde. «Das ist für Zug an dieser sensationellen Lage sehr moderat», so Kümmerli.

Klar ist aber auch: Manche Mieter leben schon seit Jahrzehnten im Block – zu entsprechend tiefen Mietpreisen. Einzelne von ihnen zahlen gemäss Informationen von zentralplus rund 1000 Franken für eine 3,5-Zimmerwohnung, andere nur wenig mehr. Wird ein ganzes Objekt leer gekündigt, gehe der Vermieter nach der Gesamtsanierung meist mit neuen Preisen – ohne Bezug zur bisherigen Miete – auf den Markt, sagt Urs Bertschi. «Eine Wohnung kann dann schnell das Doppelte der bisherigen Miete kosten», so der Co-Präsident des Mieterverbandes. «Da hilft auch ein Rabatt von einigen Hundert Franken wenig. Manche werden sich die neuen Preise schlicht nicht mehr leisten können.»

Dass die ganz günstigen Wohnungspreise nach der Sanierung wegfallen, streitet Martin Kümmerli von der Pensionskasse nicht ab. Er hält aber fest: «Wir haben das Ziel, weiterhin angemessene Mieten anzubieten. Sie werden deutlich unter den Marktpreisen liegen.» 

Wie geht es nun weiter? Der Mieterverband hat am Freitag einen Runden Tisch angeregt. Es scheint, als wäre die Pensionskasse dazu bereit. Man sei an einem Austausch mit dem Mieterverband interessiert und hoffe auf ein konstruktives Gespräch, sagt Kümmerli. Und auch Urs Bertschi vom Mieterverband hofft, dass sich daraus eine sozialverträgliche Lösung für alle Betroffenen ergibt.

Verwendete Quellen
  • Mitteilung Pensionskasse der Stadt Zug
  • Telefongespräch mit Martin Kümmerli von der Pensionskasse der Stadt Zug
  • Telefongespräch mit Urs Bertschi vom Mieterverband Zug
Weitere Quellen
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