Kritik an Herti-Neubau in Zug

100-Millionen-Schulhaus: Geht das nicht viel günstiger?

Das Schulhaus Herti muss erneuert werden. Das von der Stadt vorgeschlagene Projekt findet GLP-Mann David Meyer jedoch viel zu teuer. (Bild: wia/zvg)

Derzeit wird der Ersatzneubau der Schule Herti geplant. Am Dienstag entscheidet der Grosse Gemeinderat über den Baukredit. Nun findet die GLP: Stopp! Das ganze ginge viel günstiger, einfacher und schneller. Und sie schlägt gleich einige Massnahmen vor.

Die Stadt Zug benötigt dringend neuen Schulraum. Aus diesem Grund soll das Schulhaus Herti neu gebaut respektive zum Teil saniert werden. Im südlichen Teil wird gemäss Planung ein neues Schulhaus für 24 Klassen entstehen, das aktuelle Schulgebäude im Osten wird saniert und für die schulergänzende Betreuung umgenutzt. Der Schulbetrieb soll während der Bauzeit in Provisorien stattfinden, welche im Norden der Stadt auf der grünen Wiese zu stehen kommen.

Rund 66 Millionen Franken soll der Neubau kosten, für die Sanierung des bestehenden Hauses rechnet die Stadt mit rund 22 Millionen Franken, hinzu kommen 14 Millionen, welche für die Miete der Schulprovisorien aufgewendet werden sollen. Gemeinsam mit kleineren Posten kommt man so auf 104 Millionen.

Diskussion im GGR dürfte interessant werden

Am Dienstag wird das Geschäft im Grossen Gemeinderat behandelt. Am Donnerstag davor gelangte die GLP-Fraktion jedoch gleich mit mehreren Anträgen zum Projekt an die Öffentlichkeit, welche die Debatte befeuern könnten. Die Grünliberalen finden: Der ganze Schulbau geht viel günstiger, rascher und einfacher.

Es lohnt sich, dafür zunächst einen Blick auf die Karte zu werfen. Während im roten Bereich links die Neubauten und Sanierungen realisiert werden, sollen die Schülerinnen gemäss aktueller Planung in neu zu erstellenden Provisorien (rechts, grün) unterrichtet werden.

Der Blick aufs Schulgelände. Oben zu sehen der Verlauf der Lorze, rechts die grüne Wiese, auf der die Provisorien hinsollen. (Bild: Baudepartement Stadt Zug)

Im Schreiben, das zentralplus vorliegt, wundert sich die GLP: Warum baut man die Schule nicht sowieso auf der grünen Wiese? «Die Platzierung des aktuell vorgesehenen Neubaus des Schulhauses auf dem Areal ist umständlich und benötigt deshalb überflüssigerweise Provisorien.» Insbesondere, da es sich bei den «sogenannten Provisorien» um vollwertige, dreistöckige Bauten handle, mit entsprechend hohen Kosten von 14 Millionen.

«Grundsätzlich hinterfrage ich die Etappierung des Projekts», äussert sich David Meyer, der GGR- Fraktionschef der Grünliberalen. Meyer hätte sich eine preisbewusstere Vorgehensweise gewünscht. «Doch wurden den Architekten beim Wettbewerb keine Leitplanken diesbezüglich gesetzt. Dies wiederum führte dazu, dass das wohlgefälligste Projekt gewann und ein entsprechendes Preisschild führt.» Gerade bei Schulhäusern müsste man einen Zeithorizont von 50 bis 80 Jahren ins Auge fassen und das Areal als Ganzes über diese Zeitspanne betrachten, findet er. Denn die Stadt habe Bedarf für weitere 300 Plätze im Herti angemeldet, sodass der jetzt geplante Schulraum nicht ausreichen werde.

Neubau auf der Wiese: Keine Zonenplanänderung nötig

Weiter gibt Meyer bezüglich der geplanten Provisorien zu bedenken: «Bei Bauprojekten kommt es dauernd zu Verzögerungen. Daher ist die Gefahr gross, dass die Provisorien länger genutzt respektive gemietet werden müssen, als ursprünglich geplant. Das wird schnell teuer.» Bei der Version, welche die Grünliberalen vorschlagen, könne der bestehende Schulraum so lange wie nötig genützt werden, ganz ohne Zeitdruck, und der Neubau trotzdem früher bezogen worden.

Auch zonenmässig sei der Neubau auf der Wiese kein Problem. «Es handelt sich schon jetzt um eine Zone des öffentlichen Interesses, welche mit einer Etappe 2 gleich im Anschluss an die nun vorliegende Etappe 1 überbaut wird.»

Nicht nur die Herti-Bauten sind in die Jahre gekommen, auch die Tafel hat über die Jahre gelitten. (Bild: wia)

Weg mit dem Alten, findet die GLP

Überhaupt nicht angetan ist die Partei von der Idee, das bisherige Schulgebäude zu erhalten und umzunutzen. «Ein Neubau würde günstiger», sagt Meyer bestimmt. Dies insbesondere, da eine ausserschulische Betreuung inklusive Küche ganz andere Ansprüche an die Architektur habe respektive die Sanierung ziemlich umfangreich sei. «Man müsste alles bis auf die Tragstukturen aushöhlen. Und das, um dann letztlich ein suboptimales Resultat zu erhalten.»

«Sieht man sich den Bau aus der Distanz an, steht er völlig quer. Er blockiert das ganze Areal. Er ist weder geschützt noch besonders hübsch. Dennoch ist er bei der heutigen Planung dringeblieben», sagt Meyer verständnislos.

Doch was ist mit dem ökologischen Fussabdruck? Dieses Argument spräche gegen einen Neubau. «Nicht, wenn man einen Holzbau oder Holzhybrid plant. Dann ist die Differenz betreffend grauer Energie nicht mehr besonders gross. Ausserdem gibt es Plattformen, die sich für die Wiederverwertung von Baumaterialien einsetzen, die auch ganze Betonplatten oder komplette Stützen direkt recyceln. Auch dies könnte die Ökobilanz verbessern.

Zuger sollen endlich in der Stadt schwimmen können

Einen weiteren Antrag stellt die GLP bezüglich des Schwimmbades. Denn: Diesbezüglich hat die Stadt ziemlichen Nachholbedarf. Das Loreto-Hallenbad ist klein, ebenso das bestehende Schwimmbad im Herti. Neidisch blicken Städter nach Ägeri und Baar. Derzeit läuft eine von der CSP initiierte Volksinitiative (zentralplus berichtete).

«Warum nutzt man nicht die Gelegenheit und baut hier im Herti ein grösseres Schwimmbad? Denn: Welcher andere Standort in Zug könnte geeigneter sein?», gibt Meyer zu bedenken. «Dafür müsste man jedoch über den Tellerrand hinausschauen. Der Stadtrat müsste sich überlegen, welche Synergien, etwa zwischen Schule und Öffentlichkeit, man nützen könnte.»

Dieser Bau, der heutige Haupttrakt, soll erhalten bleiben. (Bild: wia)

Warum schafft es Zürich und Luzern günstiger?

Last, but not least weist die GLP darauf hin, dass ähnliche Schulhausbauprojekte andernorts, etwa im Zürcher Triemli oder aber im Luzernischen Littau, deutlich günstiger realisiert werden. Während der Neubau im Triemli pro Klasseneinheit 2,1 Millionen kostet und in Littau 2,4 Millionen, seien es gemäss den Berechnungen der Partei im Herti ganze 4,3 Millionen Franken.

«Man soll uns nicht den Vorwurf machen können, wir seien Verhinderer.»

David Meyer, GLP-Fraktionschef

Das Projekt im Herti soll rund 104 Millionen kosten. Zum Vergleich: In Littau wurde im Sommer ein ähnlicher Schulbau vom Stadtrat behandelt. Ähnlich wie das Herti umfasst es Schule, Kindergarten, schulergänzende Betreuung und eine Dreifachturnhalle für insgesamt 22 Klasseneinheiten. Der Kredit liegt mit 58 Millionen jedoch nur gerade bei 60 Prozent der Herti-Kosten.

Vorschläge, nicht nur Vorwürfe

Meyer betont: «Es war uns wichtig, dass wir nicht nur Kritik üben, sondern selber auch Vorschläge machen. Man soll uns nicht den Vorwurf machen können, wir seien Verhinderer.» Abgesehen davon könne man das Projekt im aktuellen Stadium noch anpassen, ohne einen Marschhalt einlegen zu müssen.

«Bewusst haben wir unsere Bedenken einige Tage vor der GGR-Sitzung geäussert. So haben die Parteien Zeit, sich die Argumente anzusehen. Ob sie für gut befunden werden oder ob man diese am Dienstag entkräftet, werden wir sehen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass genau hingeschaut wird. Es geht um über 100 Millionen», sagt der Fraktionschef abschliessend.

Stadtrat äussert sich nicht zu den Punkten

Die Anträge der GLP habe man im Stadtrat noch nicht diskutieren können, erklärt die zuständige Zuger Stadträtin Vroni Straub-Müller auf Anfrage. Entsprechend könne sie sich derzeit nicht zu den einzelnen Punkten äussern. Anders als Meyer ist sie jedoch überzeugt: «Diese Anträge hätten eine Rückweisung des Geschäftes zur Folge. Der Bau, das Projekt, müsste dadurch komplett überarbeitet werden.»

Es handle sich um ein Projekt, welches von einer Jury gemäss den Rahmenbedingungen des Stadtrats ausgelobt worden sei. Straub weiter: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass der GGR am Dienstag sachlich in der Lage ist, sich zu diesen umfangreichen Anträgen zu äussern.»

Verwendete Quellen
  • Telefonisches Gespräch mit David Meyer
  • Schreiben, respektive Anträge der GLP zum Herti-Schulhaus
  • Bericht und Antrag des Stadtrats
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