Wirtschaft

Flugplatz Emmen: VBS spricht von «Angstmacherei»
Schutzverband befürchtet Verdoppelung des Kampfjetlärms

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Eine der offenen Fragen: Wie lange bleiben die Tiger F-5 noch im Einsatz? Gemäss dem VBS sollen sie 2016 ausser Dienst gestellt werden. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Führt der geplante Verzicht auf den Militärflugplatz Sion zu massiv mehr Fluglärm in Emmen? Das glaubt der Schutzverband Emmen. Der Bund wolle durch die Hintertür mehr Kampfjetflüge nach Emmen verlagern. Das Verteidigungsdepartement weist die Vorwürfe zurück.

Der Fluglärm in Emmen wird markant zunehmen: Diese Befürchtung hegt der Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE). «Es kommen bis zu 3600 zusätzliche Kampfjetstarts und -landungen auf Emmen zu. Das ist eine Verdoppelung des Kampfjetbetriebs mit allen Konsequenzen für Lärm und Sicherheit», sagt Luzius Hafen, Präsident des Schutzverbandes. «Die Bevölkerung wird das nie akzeptieren.» Heute registriert Emmen jährlich rund 3400 Flugbewegungen. Der SFE hegt den Verdacht, dass es bald zwischen 6000 und 7000 sein könnten.

So dramatisch dies klingt: Die Zahlen werden von offizieller Seite nirgends explizit genannt oder bestätigt. Der Schutzverband bezieht sich auf den Sachplan Militär 2017, den das Bundesamt für Verteidigung, Bevökerungsschutz und Sport (VBS) in die Vernehmlassung geschickt hat (siehe Box). Auch dort stehen zwar keine nackten Zahlen, allerdings geht daraus hervor, dass der Flugplatz Sion spätestens in fünf Jahren für militärische Zwecke geschlossen wird.

Hafen sagt, gemäss dem Stationierungskonzept der Luftwaffe würden die Kampfjetflüge von Sion anschliessend auf die Flugplätze Payerne, Meiringen und Emmen verteilt. Und hier kommt laut dem SFE-Präsidenten «der perfide Trick» des VBS zum Zug: «Für Payerne und Meiringen wird die Zahl der Flugbewegungen bereits verbindlich festgelegt – nicht aber für Emmen.»

«Das VBS erhofft sich offensichtlich, dass man das in der Zentralschweiz nicht merkt.»

Luzius Hafen, Präsident Schutzverband

Für Luzius Hafen ist deshalb klar: Die restlichen Flüge werden stillschweigend auf Emmen abgewälzt. «Das VBS erhofft sich offensichtlich, dass man das in der Zentralschwiez nicht merkt und man dann sagen kann: Es hat sich ja niemand dagegen gewehrt.»

«Das ist reine Spekulation»

Beim VBS weist man die Vorwürfe des Schutzverbandes vehement zurück. «Von einer Verdoppelung oder gar Vervielfachung der Flugbewegungen in Emmen kann keine Rede sein», sagt Sprecher Renato Kalbermatten. «Das ist reine Spekulation und Angstmacherei.»

«Man kann heute sagen: Emmen wird nicht viel mehr Flugbewegungen erhalten.»

Renato Kalbermatten, VBS-Sprecher

Anders als vom Schutzverband dargestellt, komme es nach einer Schliessung des Flugplatzes in Sion nicht zu einer grossangelegten Verlegung in die Zentralschweiz. «Man kann heute sagen: Emmen wird nicht viel mehr Flugbewegungen erhalten.»

Doch wo werden die Piloten ihre Flüge absolvieren, wenn nicht mehr im Wallis? Kalbermatten sagt, in den letzten zehn Jahren seien Staffeln aufgelöst und viele Trainingsflüge ins Ausland verlegt worden. Andererseits habe man auf dem Flugplatz Payerne die Maximalzahl von 11’000 Flugbewegungen nicht ausgeschöpft.

Zudem gebe es – anders, als der Schutzverband behauptet – mit Meiringen keine verbindliche Regelung, wie viele Flüge dort maximal stattfinden. Auch im Oberland befürchtet man allerdings bereits mehr Fluglärm: Der Hotelierverein Brienz hat kürzlich ebenfalls harsche Kritik am Sachplan Militär 2017 geäussert. Unabhängig davon sagt Kalbermatten: Die Verlagerung in die Zentralschweiz werde sich im kleinen Rahmen bewegen – eine konkrete Zahl nennt er aber nicht.

«Wir wollen jetzt möglichst breit abgestützt politischen Druck erzeugen.»

Luzius Hafen, Präsident Schutzverband

Dass die Zahl der Flüge in Emmen langfristig steigen könnte, ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Dann nämlich, wenn der Bund neue Kampfflugzeuge kauft. Der entsprechende Schlussbericht der Expertengruppe des Bundes wird im Frühling erwartet, eine Anschaffung ist aber erst zwischen 2025 und 2030 geplant. «Dann muss man die Frage stellen, wo die Flugbewegungen stattfinden werden», sagt Kalbermatten. Entsprechend könnten die Flugzahlen für die drei Militärflugplätze Payerne, Meiringen und Emmen neu definiet werden. Mit der aktuellen Vernehmlassung habe das allerdings nichts zu tun.

Der Flugplatz Emmen aus der Vogelperspektive. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Der Flugplatz Emmen aus der Vogelperspektive. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Reklamationen werden heftiger

Darum geht's in der Vernehmlassung

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat den Sachplan Militär überarbeitet und Ende Oktober in die Vernehmlassung geschickt. Das Dokument regelt die Grundsätze im Umgang mit den militärischen Standorten. In den Objektblättern werden die Details für die einzelnen Standorte festgelegt – darunter die Flugbewegungen auf den Militärflugplätzen.

Bis Ende Januar können die Kantone zum allgemeinen Teil Stellung nehmen. Die Bevölkerung kann sich bis am 8. Dezember 2016 im Rahmen der Mitwirkung äussern. Der Bundesrat wird voraussichtlich Mitte 2017 über den revidierten Sachplan befinden. Anschliessend werden die Objektblätter überarbeitet. Der Sachplan Militär 2017 basiert auf dem neuen Stationierungskonzept, das eine Reduktion der Immobilien der vorsieht.

Der Schutzverband traut dem VBS aber nicht. Auch wenn die Zahl der Flüge in nächster Zeit nicht steige, würden nun Weichen für die Zukunft gestellt, sagt Präsident Luzius Hafen, «und dann ist der Mist geführt».

Der SFE fordert deshalb, dass der Sachplan nochmals überarbeitet wird. Luzius Hafen ist überzeugt, damit im Sinne der Bevölkerung zu handeln. Vom Fluglärm seien rund 150’000 Menschen im Grossraum Luzern betroffen. Diesen Sommer ist es wegen der Sommerpause der Flugplätze Meiringen und Payerne in Emmen zu mehr Flügen gekommen. «Wir haben mehr Reklamationen erhalten und vor allem militantere», sagt Hafen. Diese seien nicht nur von links, sondern auch von gestandenen SVP-Wählern gekommen, «aus allen Schichten der Bevölkerung».

Mehr Fluglärm würde nicht akzeptiert, glaubt der SFE. Er hat deshalb die Gemeinden, die Bevölkerung und den Kanton zum Widerstand aufgerufen. «Wir wollen jetzt möglichst breit abgestützt politischen Druck erzeugen», sagt Luzius Hafen.

«In den nächsten zehn Jahren soll es zu keinen grundlegenden Veränderungen kommen.»

Nikola Janevski, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Emmen

Zurückhaltung in Emmen und beim Kanton

Ob er dabei auf Unterstützung zählen kann, ist zumindest im Fall von Emmen fraglich. «Die uns zur Verfügung stehenden Informationen besagen, dass es in den nächsten zehn Jahren zu keinen grundlegenden Veränderungen kommen wird», sagt Nikola Janevski, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde. Auf die Medienmitteilung des Schutzverbandes will der Gemeinderat allerdings nicht eingehen. «Der Gemeinderat will dies während des laufenden Vernehmlassungsverfahrens nicht kommentieren.» Man stehe in stetem Kontakt mit den Verantwortlichen des Militärflugplatzes und versuche, beiden Ansprüchen – den Betrieb des Flugplatzes zu gewährleisten und das Sicherheits- und Ruhebedürfnis der Bevölkerung zu achten – gerecht zu werden.

Auch beim Kanton verweist man auf die laufende Vernehmlassung. «Deshalb können wir weder zum Sachplan noch zum Schreiben des Schutzverbandes inhaltlich Stellung nehmen», heisst es auf Anfrage. Der Kanton hört sich zurzeit die betroffenen Gemeinden an und wird anschliessend beim VBS eine Stellungnahme einreichen.

Die Patrouille Suisse beim Trainingsflug.

Die Patrouille Suisse beim Trainingsflug.

(Bild: Emanuel Ammon)

Der Fluglärm gibt in Emmen immer wieder zu reden. Bereits vor rund zwei Jahren sorgte der Militärflugplatz für Schlagzeilen, weil mehrere Gemeinden Bedenken wegen einer Zunahme der Emissionen äusserten. Als wie störend der Fluglärm empfunden wird, ist letztlich sehr individuell. Während manche in Leserbriefen diesen Sommer von unzumutbarem Gedröhn sprachen oder gar Hörschäden befürchteten, störten sich andere viel stärker an schreienden Kindern oder am Rasenmäher des Nachbarn.

In Emmen trainieren Militärpiloten mit Propellerflugzeugen, Helikoptern, Drohnen und Kampfjets. Zudem ist die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse in Emmen stationiert. Geflogen wird – mit Ausnahmen – von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr, mit Pausen über Mittag, am Wochenende und jeweils vier Wochen im Sommer.

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1 Kommentare
  1. Willi Vollenweider, 29.11.2016, 13:12 Uhr

    Die Proteste kommen leider zu spät. Die bürgerlichen Bundes-Parlamentarier haben diese Entwicklung am 18. März 2016 verursacht, als sie der sogenannten «Weiterentwicklung der Armee» in Bern zustimmten (WEA, Geschäft 14.069). Schon damals war genau bekannt, dass mit diesem fatalen Entscheid alle Jet-Flugplätze bis auf Emmen, Payerne und Meiringen geschlossen werden. Zieht doch endlich einmal Eure Parlamentarier zur Verantwortung! Wozu habt Ihr diese gewählt, wenn diese Eure Interessen gar nicht wahrnehmen und in Bern stattdessen einfach gedankenlos ihrer Partei-Obrigkeit aus der Hand fressen?

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